Corona-Daten-Newsletter | Mittwoch, 19. Januar 2022 Long Covid und die große Ratlosigkeit

Eine junge Frau lächelt in die Kamera
Bildrechte: Sarah-Maria Köpf

Im multimedialen Corona-Daten-Update: Wann gibt es eine Therapie gegen Long Covid und kann eine Corona-Infektion wirklich Demenz auslösen? Außerdem: Der Blick auf die aktuellen Corona-Zahlen.

Patientin bei einer Untersuchung.
Betroffene von Long Covid berichten von Atemnot, Müdigkeit und geringer Konzentrationsfähigkeit. Bildrechte: imago images/Hans Lucas

Guten Abend liebe Abonnentinnen und Abonnenten,

mehr als 100.000 neue Corona-Infektionen an einem Tag hat das Robert Koch-Institut heute gemeldet. Das ist ein neuer Höchststand und für mich persönlich eine Zahl, die meine Vorstellungskraft übersteigt. Es befinden sich zwar einige Nachmeldungen vom Wochenende darunter, trotzdem bereitet mir das Rekordhoch Sorgen. Und dabei sind die Infektionszahlen noch nicht einmal auf dem zu erwartenden Höhepunkt. Wie Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) dem Fernsehsender RTL sagte, sei dieser erst für Mitte Februar zu erwarten. Die aktuelle Dunkelziffer der Infektionen liege zudem "ungefähr beim Faktor zwei".

Mehr Infektionen könnten auch dazu führen, dass mehr Menschen an den Spätfolgen von Corona leiden. Long Covid ist mittlerweile die Sammelbezeichnung für vielerlei Beschwerden, die im Nachgang bei Erkrankten auftreten können. Es trifft bei Weitem nicht jeden, aber diejenigen, die es trifft, haben noch lange nach der Infektion zu kämpfen. Im heutigen Corona-Update möchte ich mit Ihnen teilen, was Betroffene erleben und mir gleichzeitig anschauen, was es aktuell für Therapiemöglichkeiten und Erkenntnisse dazu gibt. Einen ersten Einstieg erhalten sie im folgenden Audio.

Außerdem habe ich wie immer die aktuellen Corona-Zahlen für Sie. Zudem soll es noch einmal um die Verkürzung des Genesenen-Status gehen.

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Corona-Spätfolgen: So lebt es sich mit Long Covid

Bereits seit Beginn der Pandemie werfen die Corona-Langzeitfolgen Fragen auf. Was zunächst kaum wahrgenommen wurde, entwickelte sich für die Medizin immer mehr zum Rätsel – auch fast zwei Jahre später noch. Dabei sind seitdem viele Post-Covid-Ambulanzen entstanden, die sich direkt auf die Behandlung von Patienten mit Post und Long Covid spezialisiert haben. Die Bilanz ist allerdings ernüchternd. "Bei 80 Prozent der Patienten ist es nicht besser geworden", erzählt Andreas Stallmach, Direktor des Universitätsklinikums Jena.

Wenn die Luft knapp wird

Betroffene berichten von Atemnot, Müdigkeit und geringer Konzentrationsfähigkeit. Der Alltag wird zur psychischen und physischen Herausforderung. "Corona hat mein Gehirn geklaut", sagt Catrin Baudisch aus Bad Langensalza im Interview mit dem MDR. Die 48-Jährige kann schon seit knapp einem Jahr nicht mehr arbeiten. Sie leidet unter dem Fatigue-Syndrom. "Ich bin ganz oft erschöpft, muss mich ständig ausruhen und habe das Gefühl, mein Körper läuft nur auf Minimalflamme. Ich habe auch das Gefühl, dass sich meine Augen nicht mehr richtig scharf stellen und ich bin extrem lichtempfindlich."

Auch Nicola Ebert aus Frankleben im Saalekreis hat noch mit den Auswirkungen ihrer Corona-Infektion zu kämpfen. "Das Virus hat mich nicht umgebracht, aber es hat mein Leben still stehen lassen", erzählt sie. Das Treppensteigen wurde zur Qual, die Spülmaschine aufzuräumen, wurde zur Tagesaufgabe.

Wie den beiden Frauen geht es vielen Menschen, die an einer Corona-Infektion litten. Mittlerweile wurden bereits erste Selbsthilfegruppen gegründet, in denen sich Betroffene austauschen und sich das Gefühl geben, nicht allein zu sein.

Viele Menschen, die an Covid-19 erkranken, zeigen auch einige Monate nach der Infektion eine deutlich eingeschränkte Durchblutung der Netzhaut im Auge. Ein Forscherteam ist auf ein Medikament gestoßen, das helfen könnte.

Immer wieder erkranken auch Spitzensportler an Covid-19. Wer nach einer überstandenen Infektion aber zu früh ins Training zurückkehrt, riskiert schwere gesundheitliche Folgen. Deshalb sollte vorher die Belastungsgrenze getestet werden.

Long und Post Covid

Bei den Langzeitfolgen muss zwischen Long und Post Covid unterschieden werden. Während Long Covid eine längere Genesungszeit beschreibt, in der Symptome auch vier bis 12 Wochen nach der Corona-Erkrankung auftreten, aber dann abklingen, meint Post Covid vor allem chronische Folgen, die womöglich für immer bleiben. Dass die Begrifflichkeiten oft synonym verwendet werden, hängt damit zusammen, dass sich zunächst nicht absehen lässt, ob es sich bei den Nachwehen einer Infektion um Long oder Post Covid handelt. Das kann erst die Zeit wirklich zeigen.

"Wenn man alle Menschen betrachten würde, die eine Infektion durchgemacht haben, dann liegt das Ganze in einer Größenordnung von zehn bis 15 Prozent", schätzt Andreas Stallmach die Wahrscheinlichkeit für Folgeschäden ein. Chronisch werden diese Symptome bei etwa fünf bis sieben Prozent. Und meist sind es die Patienten, die zuvor eigentlich einen milden Covid-19-Verlauf erlebt haben. Die Schwere der Erkrankung und die Langzeitfolgen stehen also nicht direkt im Zusammenhang.

Buchstabenwürfel bilden den Schriftzug Long Covid neben Blutprobe und Coronavirus-Modell 116 min
Bildrechte: imago images/Christian Ohde
116 min

MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Dienstags direkt | 18.01.2022 | Podcast Zum Hören: Gibt es eine Therapie bei Long-Covid?

Zum Hören: Gibt es eine Therapie bei Long-Covid?

"Long-Covid" ist inzwischen eine Sammelbezeichnung für vielerlei Beschwerden, die mit einer Corona-Infektion einhergehen. Über die Folgen einer Corona-Infektion haben wir am Dienstagabend besprochen.

MDR SACHSEN Di 18.01.2022 10:00Uhr 115:36 min

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Neue Therapiemöglichkeiten ab Frühjahr 2022

Was der Grund für die Langzeitfolgen ist, darüber sind sich Wissenschaftler noch nicht einig. Einige vermuten, dass Teile des Virus nach der Infektion im Körper bleiben und so die Blutzirkulation beeinträchtigen. Andere schätzen, dass die Infektion und die darauffolgende Immunantwort Gefäßentzündungen verursachen, die zu Durchblutungsstörungen führen und die betroffenen Organe schädigen.

Patienten, die durch Reha-Maßnahmen keine Fortschritte erzielen, müssen sich bislang noch in Geduld üben. Denn während die Entwicklung von Impfstoffen und Corona-Medikamenten voranschreitet, steckt die Behandlung von Spätfolgen der Covid-19 Infektion noch in den Kinderschuhen. Momentan werden vor allem Medikamente, Antikörper-Therapien und auch Blutwäsche erprobt. Außerdem werden individuelle Fitnesstrainings als Reha-Maßnahme getestet. Mit konkreten Behandlungsangeboten rechnet Andreas Stallmach vom Uniklinikum Jena aber erst zum Frühjahr und Sommer diesen Jahres.

Auch Demenz und Alzheimer können Spätfolgen sein

Und neue wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen auch: Corona kann das Risiko für Demenz und Alzheimer erhöhen. "Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass Patienten, die während ihrer Infektion neurologische Symptome haben, ein Niveau an Hirnverletzungsmarkern aufweisen können, die so hoch oder höher sind als diejenigen, die bei Patientinnen und Patienten mit Alzheimer beobachtet werden", so die Neurologin Jennifer A. Frontera, Hauptautorin einer Studie der New York University. Corona löst damit zwar nicht direkt Alzheimer oder Demenz aus, aber erhöht die Wahrscheinlichkeit eine solche Krankheit zu entwickeln.

Auf einen Blick: Die aktuellen Zahlen

Dem Robert Koch-Institut (RKI) sind am Mittwoch, den 19. Januar 2022 bundesweit 112.323 neu positiv Getestete gemeldet worden (Stand 8:20 Uhr). Im Vergleich zum Mittwoch vor einer Woche ist die Zahl der gemeldeten Neuinfizierten um rund 31.893 höher.

Die meisten Neuinfektionen im Vergleich zum Vortag gab es heute in Nordrhein-Westfalen (+22.770), Bayern (+17.639) und Baden-Württemberg (+15.319). Die niedrigsten Werte wurden aus dem Saarland (+1.119), Thüringen (+1.313) und Sachsen-Anhalt (1.508) gemeldet.

Die höchste 7-Tage-Inzidenz laut RKI verzeichnet Bremen (1.295,6). Danach folgen Berlin (1.055,1) und Hamburg (994,6). Die bundesweite Inzidenz liegt bei 584,4.

Im Folgenden nun die Zahlen nach Angaben der Ministerien, von Behörden und der Landkreise. Die Werte können von denen des RKI abweichen, da sie etwas aktueller sind, dadurch jedoch durch Nachmeldungen korrigiert werden können. 

Sachsen

  • Aktive Fälle: 24.734 ↗ (+941 zum Vortag)
  • Hospitalisierungsrate*: 2 (-1,53)
  • COVID-19-Intensivpatienten: 261, davon 172 beatmet, 89 freie COVID-19-Intensivbetten
  • Impfquote: 61,9 Prozent (vollständig geimpft)
  • 12-17 Jahre: 36,8 Prozent
  • 18-59 Jahre: 65,5 Prozent
  • 60+ Jahre: 81,5 Prozent
  • Auffrischungsimpfung: 38,3 Prozent
  • Todesfälle im Zusammenhang mit COVID-19: 13.925 (+47)

Thüringen

  • Aktive Fälle: 12.886 ↘ (-753 zum Vortag)
  • Hospitalisierungsrate*: 4.86 (-1,08)
  • COVID-19-Intensivpatienten: 122, davon 74 beatmet, 59 freie COVID-19-Intensivbetten
  • Impfquote: 67,3 Prozent (vollständig geimpft)
  • 12-17 Jahre: 43,3 Prozent
  • 18-59 Jahre: 70,7 Prozent
  • 60+ Jahre: 84,9 Prozent
  • Auffrischungsimpfung: 42,4 Prozent
  • Todesfälle im Zusammenhang mit COVID-19: 6.377 (+22)

Sachsen-Anhalt

  • Aktive Fälle: 12.299 ↗ (+721 zum Vortag)
  • Hospitalisierungsrate*: 3,85 (-1,47)
  • COVID-19-Intensivpatienten: 91, davon 65 beatmet, 49 freie COVID-19-Intensivbetten
  • Impfquote: 69,9 Prozent (vollständig geimpft)
  • 12-17 Jahre: 41,0 Prozent
  • 18-59 Jahre: 74,2 Prozent
  • 60+ Jahre: 87,1 Prozent
  • Auffrischungsimpfung: 42,0 Prozent
  • Todesfälle im Zusammenhang mit COVID-19: 4.519 (+24)

* Die Hospitalisierungsrate beschreibt die 7-Tage-Inzidenz der hospitalisierten COVID-19-Fälle. Durch Übermittlungsverzug wird die Rate in gewissem Maß unterschätzt werden, schreibt das RKI. Auch Recherchen der "Zeit" und des "Spiegel" zeigen das. Ein deutschlandweit gültiger Grenzwert dafür, welche Maßnahmen eine bestimmte Hospitalisierungsrate nach sich zieht, wurde nicht festgelegt. Die Bundesländer beziehen die Rate derzeit in komplexe Berechnungen ein (Sachsen und Thüringen) oder überlassen die Entscheidung über Maßnahmen den einzelnen Landkreisen (Sachsen-Anhalt). Warum die Hospitalisierungsrate in der jetzigen Form als neue Corona-Kennzahl untauglich ist, erklärt MDR-Datenjournalist Manuel Mohr in diesem Artikel.

(Quellen: Schätzung der aktiven Fälle: eigene Berechnung, LAV Sachsen-Anhalt, TMASGFF, Sozialministerium Sachsen | Hospitalisierungsrate: RKISozialministerium Sachsen, TMASGFF | IntensivpatientenDivi | Impfquote: RKI | Todesfälle: LAV Sachsen-Anhalt, TMASGFF, Sozialministerium Sachsen, RKI)

Alle Grafiken und weiteren Zahlen finden Sie hier in den Übersichten der Kolleginnen und Kollegen.

Diskussionen um verkürzten Genesenen-Status

Die Meldung traf am Wochenende viele unerwartet: Der Genesenenstatus gilt seit Samstag anstatt sechs nur noch drei Monate lang. Dafür gab es in den letzten Tagen viel Kritik. Das Bundesgesundheitsministerium beruft sich allerdings auf neue wissenschaftliche Erkenntnisse in Bezug auf die neue Virusvariante Omikron. Demnach hätten Menschen, die sich mit früheren Varianten infiziert haben, so gut wie nie neutralisierende Mengen an Antikörpern gegen Omikron entwickelt, erklärt Reinhold Förster, Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Immunologie. Wer vor Omikron eine Corona-Infektion hatte, ist nun also nicht ausreichend geschützt.

Trotzdem wirft die neue Regelung einige Fragen auf. Was ist zum Beispiel mit den Zertifikaten, die bereits für ein halbes Jahr ausgestellt wurden? Ein Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums hat nun klargestellt: Es gibt keinen Bestandsschutz für ältere Genesenennachweise. Die Regelung gelte direkt. Nachweise von Anfang Oktober sind damit zum Beispiel jetzt abgelaufen.

Corona-Impfpflicht: Schließung von Zahnarzt-Praxen möglich?

In Berufen im Gesundheitswesen müssen Beschäftigte ab Mitte März gegen das Coronavirus geimpft sein. Das betrifft auch Zahnarzt-Praxen. Was aber, wenn zu viele Beschäftigte sich gegen die Impfung verweigern? Macht dann die Praxis zu? Die zuständige Kammer in Sachsen-Anhalt schließt das nicht aus – und warnt vor einer Verschärfung des ohnehin schon grassierenden Nachwuchsmangels.

Weiter strengere Regeln für Ungeimpfte in Thüringen

In Thüringen gelten weiterhin strengere Corona-Regeln für Ungeimpfte. Das entschied das Oberverwaltungsgericht Weimar. Die Maßnahmen seien verhältnismäßig. Zu den angefochtenen Corona-Regeln gehören die strikteren Kontaktbeschränkungen für Ungeimpfte, die 2G- und 3G+-Regelungen und die nächtliche Ausgangsbeschränkung. Den Eilantrag hatten Menschen gestellt, die nach eigenen Angaben ungeimpft sind, teilte das Gericht mit.

Zum Schluss ...

Einfach der Kälte entfliehen – das wäre schön, oder? Wie uns Menschen zieht es normalerweise auch die Kraniche über den Winter ins Warme. Dieses Jahr jedoch sind viele der Vögel zum ersten Mal in Mitteldeutschland geblieben. Im Landkreis Mansfeld-Südharz waren es noch 4.000 Tiere, so die Landesarbeitsgemeinschaft Kranichschutz. Um den Stausee Berga-Kelbra gab es Anfang Januar sogar noch 5.000 bis 10.000 Kraniche. Mehr dazu hören sie im unten stehenden Audio.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend!

Sarah-Maria Köpf

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Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | 19. Januar 2022 | 06:05 Uhr

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