Sommerwelle möglich Nach Monaten der Entspannung: Corona-Fallzahlen steigen wegen neuer Omikron-Varianten wieder an

Manuel Mohr
Bildrechte: MDR/Manuel Mohr

Während die Sommer 2020 und 2021 von längeren Phasen mit sehr niedrigen Inzidenzen geprägt waren, könnte die Situation dieses Jahr eine andere sein. Denn bedingt durch das Aufkommen neuer Omikron-Sublinien nehmen seit Anfang Juni die registrierten Fälle wieder zu. Inwieweit diese Entwicklung auch schon auf den Intensivstationen sichtbar wird und welche Pläne es bereits für den kommenden Herbst gibt, das und mehr im Corona-Daten-Update.

Eine Frau und ein Mann mit Mund-Nasen-Schutz sitzen in Rom auf einer Mauer, im Hintergrund ist der Petersdom zu erkennen.
Bereits während der anstehenden Ferien- und Urlaubszeit könnten die Corona-Fallzahlen vielerorts wieder deutlich steigen. Bildrechte: MDR/Unsplash/Gabriella Clare Marino

Erstmals seit Mitte März ist die deutschlandweite Corona-7-Tage-Inzidenz in der vergangenen Wochen wieder angestiegen. Das geht aus einem aktuellen Bericht des Robert Koch-Instituts (RKI) hervor. Demnach lag die Zahl der übermittelten Infektionen in der letzten Woche um etwa 50.000 Fälle höher als noch in der Woche davor – ein Zuwachs im Bundesschnitt von rund 29 Prozent. In Thüringen lag der Zuwachs ebenfalls bei 29 Prozent, in Sachsen bei 35 Prozent und in Sachsen-Anhalt sogar bei 43 Prozent.

Nach Wochen des stetigen Rückgangs folgt nun eine Trendwende beim Infektionsgeschehen. Dies zeigt sich mittlerweile auch in fast allen Altersgruppen. So sanken laut RKI im Vergleich zur Vorwoche die Inzidenzen nur noch geringfügig in den Altersgruppen der 5- bis 9-Jährigen und der 10- bis 14-Jährigen. In allen anderen Altersgruppen stiegen die registrierten Fälle wieder an, am deutlichsten bei 50- bis 59-Jährigen mit einem Plus von 37 Prozent.

Neue Omikron-Varianten auf dem Vormarsch

Ein Grund für die Zunahme der Infektionen, die zuletzt auch in Ländern wie Portugal und Österreich beobachtet wurde, ist die steigende Verbreitung neuer Omikron-Sublinen. Schon seit knapp fünf Monaten dominiert in Deutschland mit gegenwärtig über 99 Prozent die Omikron-Variante des Coronavirus. Diese Variante wiederum unterteilt sich in verschiedene Sublinien. Der Anteil der Omikron-Sublinie BA.2 lag zuletzt noch bei über 87 Prozent, das aktuell stärkste Wachstum zeigen allerdings die Sublinien BA.4 und BA.5.

Laut RKI lässt diese Entwicklung darauf schließen, dass diese Omikron-Sublinien in wenigen Wochen für die Mehrzahl aller Infektionen verantwortlich sein werden und sich aller Voraussicht nach diese beiden Sublinien auch stärker verbreiten werden. Bereits im Sommer kann es folglich wieder zu einem Anstieg der Infektionszahlen und einem erneut verstärkten Infektionsdruck auf gefährdete Personengruppen kommen.

Wieder mehr Erstaufnahmen auf Intensivstationen

In der Vergangenheit stieg zeitversetzt zu den Infektionsfällen immer auch die Auslastung auf den Intensivstationen. Zwar ist dieser Zusammenhang seit der Omikron-Dominanz und der verbreiteten Grundimmunisierung der Bevölkerung nicht mehr ganz so stark ausgeprägt wie in den Infektionswellen zuvor, doch er existiert immer noch. So ist aktuell zu beobachten, dass die Auslastung auf den Intensivstationen zwar immer noch rückläufig ist, die Abnahme aber von Tag zu Tag kleiner wird.

Grund dafür: Noch verlassen täglich mehr Covid-Patientinnen und -Patienten die Intensivstationen als neu eingeliefert werden, doch bereits seit Anfang Juni nehmen die Neuaufnahmen wieder spürbar zu.

Kaum noch Corona-Schutzimpfungen

Die Impfquote in Deutschland ist unterdessen seit mehreren Wochen nahezu unverändert. Deutschlandweit wurden bislang 78 Prozent der Bevölkerung mindestens einmal und 76 Prozent vollständig geimpft. Rund 60 Prozent der Bevölkerung erhielten eine erste Auffrischimpfung und 6 Prozent eine zweite Auffrischungsimpfung. In Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen liegen die Anteile weiterhin unter dem deutschlandweiten Durchschnitt.

Weiterhin sind schätzungsweise rund 9,5 Millionen Bürgerinnen und Bürger ab 18 Jahren noch nicht geimpft. Laut RKI muss jedoch davon ausgegangen werden, dass ein Großteil dieser Personen durch eine durchgemachte Infektion ein gewisses Maß an Immunität erworben hat. Dennoch ist für ungeimpfte Personen aller Altersgruppen weiterhin das Risiko für eine schwere Verlaufsform der COVID-19-Erkrankung deutlich höher als für Geimpfte.

Vorbereitungen für Corona-Herbst

Für den kommenden Herbst hat der Corona-Expertinnenrat der Bundesregierung kürzlich in einer Stellungnahme drei denkbare Szenarien skizziert. Im "günstigesten" Fall treten keine neuen und gefährlichen Virusvarianten auf, sodass keine umfangreichen Schutzmaßnahmen nötig sind. Beim sogenannten Basisszenario wird von einer gleichbleibenden Corona-Krankheitslast sowie zahlreichen Infektionen und Arbeitsausfällen ausgegangen. Flächendeckende Maßnahmen wie Masken und Abstand in Innenräumen und regionale Kontaktbeschränkungen wären denkbar.

Im "ungünstigen" Fall wird eine Virusvariante dominant, die sowohl sehr ansteckend ist als auch viele schwere Krankheitsverläufe nach sich zieht. In diesem Fall wären umfangreiche Schutzmaßnahmen bis zum Frühjahr 2023 unumgänglich. Bundesjustizminister Marco Buschmann hingegen will erst nach einer geplanten wissenschaftlichen Beurteilung der bisherigen Corona-Schutzmaßnahmen Ende Juni über das Vorgehen für den Herbst entscheiden.

MDR (Manuel Mohr)

Dieses Thema im Programm: MDR um 11 | 10. Juni 2022 | 11:00 Uhr

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