Pandemie Belegung von Intensivstationen steigt weiter deutlich

Der rasante Anstieg an Corona-Neuinfektionen scheint erstmal gebrochen – wenn auch auf hohem Niveau. Die Zahl der Intensivpatienten dürfte dagegen noch weiter steigen. Denn ein schwerer Covid-Krankheitsverlauf zeigt sich in der Regel ein bis zwei Wochen nach Feststellung der Infektion.

Ärzte und Intensivpfleger auf einer Covid-Intensivstation
Intensivmediziner warnen vor einer weiteren Zuspitzung der Situation in den Kliniken. Bildrechte: imago images/Max Stein

Auf den Intensivstationen in Deutschland werden derzeit 4.689 Covid-19-Patientinnen und -Patienten behandelt. Nach Daten des Divi-Intensivregisters setzt sich der Anstieg damit unverändert fort. Am 17. November waren es noch 3.384 Intensivpatienten, am 1. November 2.064, Mitte Oktober waren es noch weniger als 1.500.

Noch dürften die Zahlen auch weiter steigen, obwohl die bundesweite 7-Tage-Inzidenz seit dem 26. November weitgehend stagniert. Denn die Belegung von Intensivbetten verläuft zeitversetzt zu den Ansteckungszahlen. Grund dafür ist, dass sich ein schwerer Covid-19-Verlauf in der Regel ein bis zwei Wochen nach einem positiven PCR-Test zeigt. Umgekehrt wirken sich wegen der Inkubationszeit des Coronavirus auch neue Eindämmungsmaßnahmen immer erst etwas später auf das Infektionsgeschehen aus. Im Mittel zeigt sich die Infektion vier bis sechs Tage nach der Ansteckung, teils aber auch erst noch später.

Intensivmediziner warnen vor weiterer Zuspitzung in Kliniken

Der Präsident der Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi), Gernot Marx, hatte erst gestern rund 6.000 Covid-Intensivpatienten bis Weihnachten prognostiziert. Der bisherige Höchststand lag am 3. Januar bei 5.745.

Auch die Krankenhausgesellschaften in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen warnen, dass sich die Situation in den Kliniken weiter zuspitzt. Die drei Länder haben mit Abstand die höchsten Inzidenzwerte: In Sachsen sind es nach Daten des Risklayer-Projekts derzeit rund 1.506 Neuinfektionen pro 100.000 Menschen in einer Woche, in Thüringen 1.023, in Sachsen-Anhalt 821. Der bundesweite Schnitt liegt bei 489.

Bundesweite Patienten-Verlegung nähert sich Kapazitätsgrenze

Viele Kliniken sind hier bereits am Limit. Christoph Josten, Vorstand der Uniklinik Leipzig, erklärte bei MDR AKTUELL, auch für kurzfristige Notfälle, wie beispielsweise Unfallopfer oder Schlaganfälle, sei die Versorgung gesichert. Man müsse jedoch derzeit schon alle Ressourcen zusammenkratzen. Vergangenes Wochenende waren 20 Covid-Schwerstkranke aus Sachsen und Thüringen in andere Regionen verlegt worden, weitere Verlegungen folgten bereits oder sind in Planung. Das sogenannte Kleeblattprinzip regelt, wie Covid-Patienten aus überlasteten Kliniken zunächst innerhalb einer Region und bei weiterer Zuspitzung bundesweit verlegt werden. Doch auch hier nähert man sich bereits den Kapazitätsgrenzen.

Höhere Impfquote hilft gegen künftige Corona-Wellen

Trotz Impfdurchbrüchen betonen Fachleute immer wieder den hohen Schutz der Impfungen. Eine höhere Impfquote kann demnach helfen, künftige Corona-Wellen zu verhindern oder zumindest ihre Folgen abzuschwächen. Dirk Brockmann, der für das Robert Koch-Institut die Ausbreitung von Infektionskrankheiten modelliert, erklärte bei MDR SACHSEN, Ungeimpfte seien derzeit an 80 bis 90 Prozent aller Corona-Infektionen beteiligt. Auch ein schwerer Krankheitsverlauf ist bei Geimpften sehr viel unwahrscheinlicher.

Aufschlussreich ist zudem der Vergleich der vergangenen Winter-Welle mit der aktuellen: Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz ist längst mehr als doppelt so hoch als zu Rekordzeiten in der zweiten Corona-Welle. Die Zahl der Covid-Intensivpatienten hat dagegen noch nicht den bisherigen Höchstwert erreicht.

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Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 02. Dezember 2021 | 08:00 Uhr

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