Beleidigungen, Gewalt, Spuckattacken Welche Erfahrungen Kontrolleure von Corona-Regeln machen müssen

Die Polizei in Sachsen und Sachsen-Anhalt rechnet mit mehr Konflikten und Anzeigen durch die Einführung strengerer Corona-Schutzmaßnahmen. Der Vorsitzende der Polizeigewerkschaft Sachsen-Anhalt, Bachmann, sagte MDR AKTUELL, die irrationalen Handlungen nähmen immer weiter zu. Die Hardliner würden aggressiver. Ähnlich äußerte sich der Sprecher der Polizei Leipzig, Hoppe. In den nächsten Tagen und Wochen werde die Kontrolldichte steigen. Dann werde auch die Zahl der Anzeigen zunehmen.

Bürgerpolizist Jens Martin und eine Mitarbeiterin des Ordnungsamts des Landkreises besprechen das Vorgehen bei einer 2G-Kontrolle in der Bautzener Innenstadt.
Bürgerpolizist Jens Martin und eine Mitarbeiterin des Ordnungsamts des Landkreises besprechen das Vorgehen bei einer 2G-Kontrolle in der Bautzener Innenstadt. Bildrechte: MDR/Martin Kliemank

Ohne Kontrollen geht es nicht. Da ist sich Helmut Loris ganz sicher. Er leitet das Leipziger Ordnungsamt. Und wie er würden es auch die Kolleginnen und Kollegen sehen, die derzeit in vier Teams in der Stadt unterwegs sind. "Denn die Gewährleistung des Infektionsschutzes erfordert diese deutliche Präsenz, die wir derzeit im öffentlichen Raum zeigen und diese Haltung ist den Mitarbeitenden sehr bewusst."

Verbale und körperliche Attacken bei Kontrollen

Aber dieses Bewusstsein gebe es auf der anderen Seite eben leider nicht immer, sagt Loris. Und das merkten dann die Kontrollteams. "Die Leute sind dünnhäutiger geworden. Deswegen ist es in der einen oder anderen Situation dann das i-Tüpfelchen, wenn wir die Kontrollmaßnahmen durchführen."

Dabei sei es schon zu verbalen Auseinandersetzungen gekommen, zu Beleidigungen, bis hin zu körperlichen Übergriffen. Die Mitarbeitenden der sächsischen Ordnungsämter können sich von der Polizei begleiten lassen.

Olaf Hoppe, Sprecher der Polizeidirektion Leipzig, rechnet in den kommenden Wochen mit noch mehr Gegenwind gegen die Schutzregeln: "Bei den Inzidenzwerten, die wir hier in der Stadt haben, vor allem aber auch in den Landkreisen, gibt es definitiv Menschen, die sich nicht daran halten. Und ich denke, das werden auch die nächsten Tage und Wochen zeigen, dass dann bei zunehmender Kontrolldichte die Anzeigen zunehmen werden, auch weil am Ende dann anders durchgegriffen wird."

Zunehmend strengere Maßnahmen könnten Situation verschärfen

Damit wächst das Konfliktpotenzial. Das befürchtet auch Uwe Bachmann, Vorsitzender der Polizeigewerkschaft Sachsen-Anhalt, wo die Polizei die Ordnungsämter ebenfalls bei Kontrollen unterstützt. Bachmann sagt: "Nun, das Thema polarisiert. Das wissen wir alle. Und je länger so eine Situation anhält, umso stärker erhitzen sich die Gemüter. Das heißt, die irrationalen Handlungen nehmen dann schon ein Stückweit zu und die Hardliner, die gerade eben nicht für Impfungen sind, die sich gegen alles aussprechen, auch gegen die Maskenpflicht, die werden dann immer aggressiver. Das muss man schon so deutlich sagen."

Auch Morris Krause, Ortsjugendleiter der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG in Leipzig, sieht das so. Im Hauptberuf ist er Zugbegleiter im Fernverkehr. Gewalt habe er selbst noch nicht erlebt, wohl aber Beleidigungen: "Die auch sehr ins Persönliche gehen. Und in meiner Rolle als Zugchef bin ich dann natürlich auch mit den Vorfällen konfrontiert, die meine Kollegen auf dem Zug haben. Und die waren auch schon gewalttätig. Also da spreche ich wirklich von aus dem Zug geschubst werden oder bespuckt werden."

Krause befürchtet daher, dass 3G bald auch in Zügen gelten könnte – und das Konfliktpotenzial damit noch weiter steigt.

Quelle: MDR AKTUELL

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 17. November 2021 | 08:06 Uhr

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