Bericht des Ostbeauftragten Politikverdrossenheit hat stark zugenommen

In Deutschland ist die Zufriedenheit mit den eigenen Lebensumständen und der Politik deutlich zurückgegangen. Das geht aus dem Deutschland-Monitor des Ostbeauftragten der Bundesregierung hervor. Als problematisch wird in dem Bericht die zunehmende Politikverdrossenheit gewertet.

Carsten Schneider, Beauftragter der Bundesregierung für Ostdeutschland, stellt in der Bundespressekonferenz den Bericht der Bundesregierung für Ostdeutschland 2022 mit dem Titel "Ostdeutschland. Ein neuer Blick."
Carsten Schneider bei der Vorstellung des Berichts Bildrechte: dpa

  • Erster Jahresbericht des Ostbeauftragten belegt zunehmende Politikverdrossenheit.
  • Die Unzufriedenheit ist in ganz Deutschland nachzuweisen.
  • Die Linke spricht von einem Armutszeugnis für die Ampel-Regierung.
  • Die Grünen sehen die deutsche Einheit noch immer noch vollendet.

In Deutschland ist die Zufriedenheit mit den eigenen Lebensumständen und der Politik deutlich zurückgegangen. Das geht aus dem Deutschland-Monitor des Ostbeauftragten der Bundesregierung hervor. Der erste Jahresbericht von Carsten Schneider beleuchtete die Situation in einer detaillierten Umfrage unter 4.000 Menschen in Ost und West.

Ostdeutsche beurteilen demnach die Gesundheitsversorgung, ihre Einkommensverhältnisse und den Zugang zu Kultur- und Freizeitangeboten signifikant schlechter als Menschen im Westen. Als problematisch wird in dem Bericht die zunehmende Politikverdrossenheit gewertet. So seien im Westen nur noch 59 Prozent mit der Demokratie zufrieden, im Osten sogar nur 39 Prozent.

Zufriedenheit sinkt in ganz Deutschland

Der für die Umfrage verantwortliche Meinungsforscher Holger Liljeberg betonte, dass die Zufriedenheit mit der politischen Situation nicht nur im Osten abnimmt.

In ganz Deutschland geht es quasi abwärts.

Holger Liljeberg Geschäftsführer der Info GmbH

Der Ostbeauftragte Schneider warb bei MDR AKTUELL für einen differenzierteren Blick auf den Osten. In den Westmedien würden die neuen Länder oft mit Nazis, Stasi und Doping in Verbindung gebracht. Dabei habe sich in den vergangenen Jahren wirtschaftlich viel getan.

Der Thüringer ist seit einem Jahr Ostbeauftragter der Bundesregierung.

"Deutsche Einheit noch nicht beendet"

Die Linke nannte den Bericht "ein Armutszeugnis und einen Weckruf für die Ampel". Die Bundesregierung müsse ihren Schlingerkurs bei der Krisenbewältigung beenden, sonst könnte sich die Spaltung vertiefen, sagte Linken-Chef Martin Schirdewan.

Auch die Leipziger Grünen-Abgeordnete Paula Piechotta äußerte sich alarmiert. In der Krise zeige sich, dass die nicht ausreichend geführte Debatte über die geteilte Vergangenheit und gemeinsame Zukunft anfälliger mache für gesellschaftliche Spaltungen. Der Bericht des Ostbeauftragten zeigt vor allem auch, die deutsche Einheit sei immer noch nicht vollendet.

Quellen: dpa, Reuters (isc)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | MDR AKTUELL | 28. September 2022 | 17:00 Uhr

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