Faktencheck Zusammenhang zwischen Bildungsgrad und Impfquote?

Der Virologe Christian Drosten hat mit Blick auf die skandinavischen Länder von einem Zusammenhang von hohem Bildungsgrad und hoher Impfquote gesprochen. Eine Erfurter Professorin stimmt ihm zu und sieht großen gesellschaftlichen Handlungsbedarf.

Impfwillige stehen am Eingang zum Impfzentrum in Leipzig.
Sachsen hat bundesweit die niedrigste Impfquote. Wissenschaftler sagen, es bestehe ein Zusammenhang mit dem Bildungsgrad. Stimmt das? Bildrechte: dpa

Je höher der Schulabschluss eines Menschen in Deutschland ist, desto positiver ist seine Einstellung zum Impfen. Zu diesem Schluss kommt eine Veröffentlichung im Deutschen Ärzteblatt. Es ist ein erster Hinweis zur Situation in Deutschland. In Zahlen: 81 Prozent der Menschen, die ein Abitur gemacht haben, befürworten Impfungen ganz allgemein. Bei Menschen mit Hauptschulabschluss oder keinem Abschluss sind es nur 74 Prozent.

Diese Zahlen sagen jedoch noch nichts über die derzeitige Impfquote gegen das Coronavirus aus, denn sie wurden 2016 erhoben. Und doch sieht der Virologe an der Charité Berlin, Christian Drosten, einen Zusammenhang zwischen der hohen Impfquote in skandinavischen Ländern und dem Informations- und Bildungsgrad.

Impfquote je nach Bundesland sehr unterschiedlich

Diesen Zusammenhang sieht die Erfurter Professorin für Gesundheitskommunikation, Cornelia Betsch, auch für Deutschland. Sie ist an der Cosmo-Studie beteiligt, die Menschen seit März 2020 zur Pandemie und zur Corona-Impfung befragt. "Was wir in unseren Befragungen sehen", sagt die Professorin, "ist, dass unter den Ungeimpften mehr Leute mit niedrigerer Bildung sind als unter den Geimpften. Also scheint Bildung hier eine Rolle zu spielen."

Beim Blick auf die Corona-Impfquoten in Deutschland fällt außerdem auf: Es gibt extreme Unterschiede auf Landesebene. In Sachsen sind nur knapp 55 Prozent vollständig geimpft. In Bremen sind es hingegen fast 75 Prozent.

Bildungsgrad nicht der einzige Faktor

Eine Erhebung des Instituts der deutschen Wirtschaft hat sich das Bildungsniveau in den deutschen Regierungsbezirken angeschaut. Dabei fällt schnell ins Auge, dass es in Bremen deutschlandweit die meisten Menschen ohne Abitur, abgeschlossene Berufausbildung oder Hochschulabschluss gibt. Zumindest unter den 25- bis 64-Jährigen. Während es auf der anderen Seite in den sächsischen Regierungsbezirken besonders wenige mit niedrigem Bildungsniveau gibt.

Cornelia Betsch sagt, ein Faktor allein reiche nicht aus, um Impfquoten zu erklären. Generell sei es auch schwierig, Zahlen aus unterschiedlichen Erhebungen miteinander zu vergleichen. Neben dem Bildungsgrad spiele auch Vertrauen in die Regierung eine Rolle. Das sei im Osten Deutschlands häufig geringer. Sie fügt außerdem hinzu: "Alle Aspekte, die irgendwie mit Informationen und Informiertheit zu tun haben, liegen in unterschiedlichen Bildungsgraden begründet. So beispielsweise das Vertrauen in die gesundheitliche Sicherheit, warum die Impfung notwendig ist oder auch das Wissen darüber, dass man mit ihr auch andere Menschen schützen kann."

Fazit: Ungeimpfte müssen besser erreicht werden

Cornelia Betsch findet es wichtig, dass in der Gesellschaft über den Zusammenhang zwischen Bildung und Impfquote gesprochen wird. Denn den gäbe es in jedem Fall. Es sei an der Zeit, diese Verknüpfung zu thematisieren. Man müsse darüber diskutieren, wie man Ungeimpfte mit geringerer Bildung besser erreicht und ihnen den Zugang zu den Informationen ermöglicht.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 01. Oktober 2021 | 06:00 Uhr

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