Kindertarif Warum Kinder ab 15 Jahren den vollen Preis fürs Bahnticket zahlen

Die Spritpreise steigen und das kann ein Grund sein, das Auto stehen zu lassen und stattdessen den Bus oder die Bahn zu nehmen. Für Familien könnte aber auch das Bahnticket ziemlich teuer werden. Denn der Kindertarif bei der Bahn und auch bei fast allen Nahverkehrsunternehmen endet mit dem 15. Geburtstag. MDR AKTUELL Hörer Andreas Fischer möchte wissen, warum das so ist und ob sich daran absehbar etwas ändert.

Ein Mädchen sieht bei einer Bahnfahrt aus dem Fenster
Warum müssen Kinder bereits mit 15 Jahren den Vollpreis bei der Bahn zahlen? Das fragt sich MDR AKTUELL Hörer Andreas Fischer. Bildrechte: imago images/Westend61

Erst wenn die Kinder mit der Schule fertig sind, können sie ihr eigenes Geld verdienen – und erst ab dann sollten sie den vollen Fahrpreis in Bus und Bahn bezahlen, findet unser Hörer Andreas Fischer. Warum also liegt die Grenze bei 15?

Woher kommt die Altersgrenze beim Kindertarif?

So richtig kann oder möchte das niemand erklären. Jörg Bönisch, Sprecher der DB Mitteldeutschland antwortet auf die Frage: "Die Kinderaltersgrenze ist ja bundesweit in allen Verbünden bei allen Verkehrsunternehmen, seien es Straßenbahn, Bus, DB Fernverkehr oder auch Regionalverkehrsunternehmen einheitlich geregelt".

Genau genommen handelt es sich aber nicht um eine Regelung, sondern eine Empfehlung. Die hat der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) 2004 abgegeben. Auch dort fragen wir nach, woher die Altersgrenze kommt. Es kommt die folgende Antwort: "Die Tarife für Kinder und Jugendliche sind gesetzlich geregelt und werden nicht von der Branche festgelegt. Wie Sie zurecht schreiben, handelt es sich ansonsten um Empfehlungen, die aber nicht bindend sind".

Nicht alle halten sich an die Empfehlung

Karl-Peter Naumann
Karl-Peter Naumann von Pro Bahn Bildrechte: Karl-Peter Naumann/Pro Bahn

Entgegen der Aussage der Bahn halten sich auch nicht alle Unternehmen daran. Das berichtet Karl-Peter Naumann, Ehrenvorsitzender des Fahrgastverbandes Pro Bahn: "Bis heute ist diese Grenze nicht deutschlandweit umgesetzt, es gibt noch immer kleine weiße Flecken, wo die Kindesaltersgrenze tiefer liegt, und auch erst in den letzten Jahren sind gerade hier im Bereich der neuen Länder die Regeln erst auf die jetzige VDV-Grenze angehoben worden".

Als Hintergrund für die Altersgrenze vermutet er das Ende der gesetzlichen Schulpflicht mit 15 Jahren. Aber abgesehen davon, wo die Altersgrenze liegt – wer legt sie denn nun eigentlich fest? Und was müsste passieren, um sie anzuheben?

Unterscheidung zwischen Fern- und Nahverkehr nötig

Hier muss man zwischen Fern- und Nahverkehr unterscheiden, erklärt ein Sprecher des Bundesverkehrsministeriums am Telefon. Im Fernverkehr der DB sei die Höhe der Kindesaltersgrenze eine rein unternehmerische Entscheidung – die Bahn könnte die Grenze anheben, wenn sie wollte. Im Nahverkehr wäre es eine politische Entscheidung. Hier sind die Länder zuständig. Sie bekommen jährlich Geld vom Bund, mit dem sie den Nahverkehr organisieren müssen. Dieses Geld könnten sie theoretisch dazu verwenden, die Kindesaltersgrenze anzuheben.

Verband Deutscher Verkehrsunternehmen könnte Empfehlung geben

Auch der VDV könnte theoretisch die passende Empfehlung dazu in Abstimmung mit dem Gesetzgeber aussprechen, wie der Sprecher in seiner Antwort an uns schreibt: "Grundsätzlich müsste der Gesetzgeber dazu erstmal die Finanzierungszusage treffen, also die entgangenen Ticketeinnahmen ausgleichen. Ein solcher Prozess kann jederzeit von den zuständigen Ländern oder dem Bund in Gang gesetzt werden. Bislang haben wir dazu aber keine Signale wahrgenommen."

Dieser Eindruck entsteht auch im Gespräch mit dem Bundesverkehrsministerium – zwar verhandeln Bund und Länder derzeit über mehr Geld für den Nahverkehr, heißt es von dort. Das würde aber – wenn es denn freigegeben wird – wohl eher dafür eingesetzt, die steigenden Energiekosten auszugleichen, damit Tickets nicht generell teurer werden.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 16. Mai 2022 | 06:00 Uhr

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