Wenig Nachwuchs Mangel an LKW-Fahrern auch in Deutschland möglich

In Großbritannien gibt es Lieferengpässe, weil LKW-Fahrer fehlen. Wegen des Brexits wanderten etwa 20.000 vor allem osteuropäische Fachkräfte ab. Auch das Thüringer Verkehrsgewerbe hat davor gewarnt, bei der Gewinnung von Berufskraftfahrern in Deutschland vor allem auf osteuropäische LKW-Fahrer zu setzen, da man sich so extrem abhängig mache.

Über zwei von drei Spuren einer Autobahn drängen Lkw.
In Deutschland gibt es viele LKW-Fahrer, die aus Osteuropa kommen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

6 Uhr morgens – Hauptverkehrszeit in einer Speditionsfirma in Leipzig. Die LKWs werden startklar gemacht und mit Nudeln, Baustoffen und Motorteilen fürs Auto beladen. Etwa 50 Lastwagen beliefern von hier aus deutschlandweit Supermärkte, Baustellen und Autowerkstätten in ganz Deutschland.

Wenig Anerkennung für Kraftfahrer in der Gesellschaft

Bis jetzt gibt es für die LKWs noch genügend Fahrer in der Firma. Doch das könnte sich bald ändern, sagt Martin Pfeiffer, Verkehrsleiter von Krause Transporte in Leipzig. In den nächsten fünf Jahren gehen mehrere LKW-Fahrer in Rente, ein Zehntel aller Fahrer und der Nachwuchs bleibt aus. Laut Pfeiffer fehle es an Anerkennung: "Man ist wirklich auf gut Deutsch gesagt: der Blödmann. Zum Beispiel an einer Ladestelle, wo dann jeder Lagermitarbeiter sagt: Das ist nur ein Kraftfahrer."

Pfeiffer berichtet weiterhin, dass die Fahrer teilweise nicht auf die Toiletten gelassen würden und sie sich in solchen Momenten diskriminiert fühlten. "Ich war am Wochenende auf einer Azubimesse und jeder, der am Stand vorbeikam: Oh ne, Berufskraftfahrer wirst du nicht. Das haben die Eltern zu den Kindern gesagt. Und da sieht man schon, wie der Beruf in der Gesellschaft anerkannt ist."

Wie in Großbritannien kam es während der Corona-Pandemie auch hierzulande zu Verzögerungen in der Ausbildung der neuen LKW-Fahrer, weil Fahrstunden und Fahrprüfungen verschoben wurden. Das hat auch der Leipziger Betrieb Krause Transporte zu spüren bekommen: "Die Fahrschulen hatten zu und die LKW-Führerscheine konnten nicht durchgeführt werden. Das fand ich sehr schade, weil wir auch Auszubildende haben, die darauf warten, endlich LKW fahren zu können und das nicht funktioniert hat."

Abhängigkeit von osteuropäischen Fahrern

Worauf Martin Pfeiffer noch setzen kann, sind seine osteuropäischen Fahrer. Allein 11 von seinen 58 LKW-Fahrern kommen aus Polen. Martin Pfeiffer macht sich allerdings Sorgen. Denn die Gehälter für Berufskraftfahrer in den Nachbarländern steigen. "Daher werden sich auch viele Arbeiter aus Polen oder Tschechien dann überlegen: Kommen sie weiterhin nach Deutschland arbeiten oder bleiben sie dann in ihrer Heimat, um da eben das gleiche Geld zu verdienen", sagt Pfeiffer. Das wäre in seinen Augen ein Desaster. Denn dann würde die Branche flachliegen und in Deutschland gebe es das gleiche Problem wie in England: Wo kommen neue Fahrer her und wie kommt die Ware von A nach B?

Der Anteil der osteuropäischen LKW-Fahrer ist in ganz Mitteldeutschland sehr hoch. Nach Angaben der Industrie- und Handelskammer Leipzig sind jedoch keine Versorgungsengpässe zu befürchten. Anderer Meinung ist Martin Kammer vom Landesverband des Verkehrsgewerbes Thüringen. Er glaubt, dass es langfristig zu Lieferengpässen kommen könnte, wenn Deutschland sich komplett auf osteuropäische Fahrer stütze: "Da machen wir uns extrem abhängig, wenn dann irgendwann mal ein Streit zwischen Staaten passieren sollte, da kann schnell ein Problem entstehen. Aber auch mittelfristig kann es durchaus auch zu Lieferengpässen in bestimmten Bereichen kommen."

Nachwuchs durch gute Arbeitsbedingungen

Eine Lösung sieht Martin Kammer darin, dass die Unternehmen gute Arbeitsbedingungen für ihre LKW-Fahrer schaffen, um den Beruf wieder attraktiv machen. "Die kann er aber nur schaffen, wenn am Markt genug Geld verdient wird und das ist derzeit nicht so, weil wir alle noch versandkostenfrei unsere Waren haben möchten", erklärt Kammer.

Für Martin Pfeiffer vom Unternehmen Krause Transporte ist die einzige Möglichkeit, Nachwuchs zu gewinnen, bereits in den Schulen zu werben. Schon in der sechsten bis achten Klasse sollte gezeigt werden, was die Branche eigentliche mache und um auch Mädchen zu zeigen, dass sie Berufskraftfahrerinnen werden können. Denn die seien noch in der Unterzahl.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 30. September 2021 | 06:00 Uhr

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