MDRfragt Mehr als die Hälfte will Corona-Maßnahmen freiwillig beibehalten

Keine Masken mehr beim Einkaufen, im Restaurant oder in der Schule, keine 2- oder 3G-Nachweise mehr: Ab dem 3. April fällt der Großteil der Corona-Maßnahmen weg. Mehr als die Hälfte der MDRfragt-Mitglieder findet diesen Zeitpunkt zu früh. Auch will sich mehr als die Hälfte weiterhin freiwillig an Maßnahmen halten. Das ist das Ergebnis der aktuellen Befragung von MDRfragt mit mehr als 32.000 Teilnehmenden aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.

Trotz des Wegfalls der Maßnahmen wollen 55 Prozent der MDRfragt-Teilnehmerinnen und -Teilnehmer zunächst freiwillig weiterhin einige Maßnahmen beibehalten. Für 43 Prozent kommt das allerdings nicht in Frage.

Diagramm zu Thema: Maßnahmen freiwillig beibehalten
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In den Kommentaren schreiben viele Teilnehmende, dass sie vor allem weiterhin eine Maske tragen wollen:

Ich werde auch zukünftig beim Einkaufen, in Innenräumen, in Bus und Bahn bzw. bei Menschenansammlungen eine FFP2-Maske tragen.

Sandy M., 37 Jahre, Leipzig

Ich bleibe weiterhin vorsichtig und halte mich an den Mindestabstand, trage weiterhin auf Arbeit, beim Einkaufen etc. die FFP2-Maske und bin auch sonst vorsichtig und vermeide Situationen mit vielen Menschen.

Freyja S., 36 Jahre, Harz
Claudia Reiser 4 min
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4 min

Di 05.04.2022 09:12Uhr 04:27 min

https://www.mdr.de/nachrichten/mitmachen/mdrfragt/video-611380.html

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Ende der Maßnahmen kommt für mehr als die Hälfte zu früh

52 Prozent der MDRfragt-Teilnehmenden finden, dass es zu früh ist, wenn der Großteil der Corona-Maßnahmen am Wochenende ausläuft. Für rund ein Viertel (23 Prozent) kommt der Zeitpunkt genau richtig, fast ebenso viele (22 Prozent) hätten sich schon früher diesen Schritt gewünscht.

Diagramm zu Thema: Zeitpunkt Ende der Maßnahmen
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In den Kommentaren beschreiben die Teilnehmenden ihre Sorgen bezüglich der auslaufenden Maßnahmen:

Wir haben uns letztes Wochenende angesteckt und das macht wirklich keinen Spaß. Unverständlich, dass man fast alle Maßnahmen wegfallen läßt.

Stefan R., 38 Jahre, Chemnitz

Ich arbeite in einer Kita und finde die Regelung zum Wegfallen der Maßnahmen unmöglich und für mich persönlich gefährlich.

Kathrin B., 56 Jahre, Stendal

Einige Teilnehmende erklären aber auch, warum sie das Ende der Maßnahmen begrüßen:

Es ist Zeit, zum Prinzip Eigenverantwortung überzugehen. Jeder hat die Möglichkeit, sich durch eine Impfung zu schützen.

Christian G., 37 Jahre, Vogtlandkreis

Die Zeit wird es zeigen, wie gefährlich die Krankheit in Zukunft ist. Aber wie sollen wir es heraus finden, wenn wir nicht ausprobieren, was ohne die Maßnahmen auf uns zukommt.

Katja M., 49 Jahre, Görlitz

Wir sollten mit Corona leben, aber ohne Beschränkungen. Wir sollten den Medizinsektor fit machen, dass er mit solchen Herausforderungen besser fertig wird. Dazu gehören auch attraktive Arbeitsbedingungen für Pflegekräfte.

Thomas H., 51 Jahre, Erfurt

Mehr als die Hälfte sieht Ende der Maskenpflicht beim Einkauf kritisch

Dementsprechend findet auch mehr als die Hälfte der Befragungsteilnehmerinnen und -teilnehmer das Ende der Maskenpflicht beim Einkaufen falsch (52 Prozent). 47 Prozent befürworten es jedoch.


Wegfall anderer Maßnahmen wird von Mehrheit aber grundsätzlich begrüßt

Den Wegfall anderer Corona-Maßnahmen begrüßt dagegen die Mehrheit der Teilnehmenden:

  • Dass die Zugangsbeschränkungen, also die 2- oder 3G-Regeln, größtenteils entfallen, finden 62 Prozent richtig.
  • Das Ende der Maskenpflicht in Schulen finden 58 Prozent richtig, das Ende der Maskenpflicht in anderen Innenräumen, wie Restaurants, 54 Prozent.

Diagramm zu Thema: Zustimmung Ende der Maßnahmen
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Deutliche Mehrheit findet Beibehalten von Maßnahmen im Pflegebereich und Maskenpflicht in Bus und Bahn richtig

Einige Maßnahmen bleiben auch nach dem 2. April weiterhin bestehen. So wird es weiterhin die Pflicht geben, Masken in Kliniken, Pflegeheimen oder Arztpraxen zu tragen, außerdem bleibt die Testpflicht im Pflegebereich obligatorisch. Die deutliche Mehrheit (87 bzw. 84 Prozent) findet diese Entscheidungen richtig. Dass in Bus und Bahn weiterhin Masken getragen werden müssen, begrüßen ebenfalls drei Viertel (75 Prozent) der Teilnehmenden.

Diagramm zu Thema: Zustimmung Weiterbestehen der Maßnahmen
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Ebenfalls mehr als drei Viertel finden es richtig, dass nach wie vor bei eigener Infektion die Quarantäne verordnet wird (76 Prozent). Etwas weniger, aber immer noch die Mehrheit, befürwortet die Quarantäne bei Kontakt im Haushalt für Ungeimpfte und Nicht-Genesene (62 Prozent).


MDRfragt-Gemeinschaft uneins, ob aktuell Hotspot-Regeln für eigenes Bundesland nötig wären

Strengere Corona-Schutzmaßnahmen – wie Maskenpflichten oder 3G-Regeln – sind künftig nur noch in so genannten Corona-Hotspots möglich. Diese müssen die einzelnen Bundesländer, beispielsweise für einzelne Landkreise, bestimmen. Zwar fordern in den Landtagen einzelne Parteien aufgrund der Coronalage strengere Maßnahmen. Allerdings sind in Sachsen und Sachsen-Anhalt aktuell keine Mehrheiten für Hotspot-Regelungen absehbar. In Thüringen wurde die Regelung bereits abgelehnt.

Ob es aktuell strengere Regeln für Hotspots in ihrer Region geben sollte, diese Frage entzweit die MDRfragt-Gemeinschaft: 49 Prozent lehnen die Forderung ab, 48 Prozent befürworten sie.

Diagramm zu Thema: Hot-Spot-Regeln für eigenes Bundesland
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Unterschiede gibt es hier zwischen den Bundesländern: In Sachsen-Anhalt spricht sich eine knappe Mehrheit (53 Prozent) für Hotspot-Regelungen im Land aus, in Sachsen ist eine knappe Mehrheit dagegen (52 Prozent). In Thüringen sind 50 Prozent der Teilnehmenden dafür und 46 Prozent dagegen.


Künftig nur noch regionale Corona-Regeln: knappe Mehrheit findet das richtig

Generell sind ab dem 3. April strengere Regeln nur noch regional möglich – bundesweite Einschränkungen soll es zunächst nicht mehr geben. Eine knappe Mehrheit findet diese Entscheidung richtig (51 Prozent). Nur etwas weniger – knapp die Hälfte (43 Prozent) – findet sie dagegen falsch.

Diagramm zu Thema: Corona-Regeln künftig nur noch regional
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In den Kommentaren haben uns einige kritische Kommentare dazu erreicht, dass Einschränkungen künftig nur noch regionalen möglich sind:

Es war in der Vergangenheit schon schwierig, sich im Dschungel der unterschiedlichen Umsetzung der Maßnahmen zurecht zu finden. Die Hotspot-Regelung wird nur für noch mehr Chaos, Unverständnis und Widerstand sorgen.

Beate M., 51 Jahre, Saalekreis

Ein Durchsetzen von lokalen Hotspot-Regelungen halte ich angesichts der steigenden Anzahl an (ich nenne es mal vorsichtig) Corona-Müden für schwer bis kaum möglich.

Nadja H., 33 Jahre, Altenburger Land

Über diese Befragung Die Befragung vom 29.03.- 01.04.2022 stand unter der Überschrift:
Ende der Corona-Maßnahmen - neue Freiheit oder neue Gefahr?

Insgesamt sind bei MDRfragt 60.463 Menschen aus Mitteldeutschland angemeldet (Stand 01.04.2022, 9 Uhr).

32.173 Menschen aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen haben online an dieser Befragung teilgenommen.

Verteilung nach Altersgruppen:
16 bis 29 Jahre: 558 Teilnehmende
30 bis 49 Jahre: 5.822 Teilnehmende
50 bis 64 Jahre: 13.588 Teilnehmende
65+: 12.205 Teilnehmende

Verteilung nach Bundesländern:
Sachsen: 16.758 (52 Prozent)
Sachsen-Anhalt: 7.637 (24 Prozent)
Thüringen: 7.778 (24 Prozent)

Verteilung nach Geschlecht:
Weiblich: 15.293 (48 Prozent)
Männlich: 16.814 (52 Prozent)
Divers: 66 (0,2 Prozent)

Die Ergebnisse der Befragung sind nicht repräsentativ. Wir haben sie allerdings in Zusammenarbeit mit dem wissenschaftlichen Beirat nach den statistischen Merkmalen Bildung, Geschlecht und Alter gewichtet. Das heißt, dass wir die Daten der an der Befragung beteiligten MDRfragt-Mitglieder mit den Daten der mitteldeutschen Bevölkerung abgeglichen haben.

Aufgrund von Rundungen kann es vorkommen, dass die Prozentwerte bei einzelnen Fragen zusammengerechnet nicht exakt 100 ergeben.


Frühling am Neustädter Elbufer Blick auf die Dresdner Altstadt
Bildrechte: IMAGO / Sylvio Dittrich

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 4 | 04. April 2022 | 16:00 Uhr