So können Sie helfen Menschen aus der Ukraine aufnehmen: Was gibt es zu beachten?

Die Solidarität mit den Menschen aus der Ukraine ist riesig zurzeit. Viele spenden Geld, Decken oder Medikamente. Manche wollen auch ihr eigenes Zuhause anbieten und Menschen, die vor dem Krieg flüchten, aufnehmen. Was gibt es dabei zu beachten?

Auf einem zweisprachigen Schild wird eine Unterkunft für eine Mutter mit zwei Kindern angeboten.
Infolge des Angriffs auf die Ukraine ist die Hilfsbereitschaft hierzulande groß. Bildrechte: IMAGO / Stefan Zeitz

Die eigene Wohnung plötzlich mit fremden Menschen teilen – zurzeit für viele ein Akt der Solidarität. Wer ein oder mehrere Zimmer frei hat und Menschen aus der Ukraine aufnehmen will, sollte sich an die Kreis- oder Stadtverwaltung wenden. Das empfiehlt die Referentin von Pro Asyl, Andrea Kothen.

"Es gibt etliche Städte, die sich schon auf die Situation eingestellt haben und die auch auf ihrer Website anbieten, freie Zimmer oder Wohnungen für Geflüchtete zu melden. Falls das nicht so ist, können die Menschen einfach anrufen und fragen, wer zuständig ist", erklärt Andrea Kothen.

Ukrainische Staatsbürger reisen visumfrei ein

Rechtlich gibt es bei der Aufnahme von Geflüchteten nicht viel zu beachten. Denn die Menschen aus der Ukraine dürfen visumfrei nach Deutschland kommen, wie Wolfgang Breidenbach erklärt. Er ist als Rechtsanwalt im Ausschuss Migrationsrecht beim Deutschen Anwaltsverein.

"Es ist Gott sei Dank so, dass ukrainische Staatsangehörige ohne Visum einreisen können, und zwar für einen Kurzaufenthalt von 90 Tagen. Man darf in den kompletten Schengen-Raum mit diesem Visum. Das heißt, wenn Menschen untergebracht werden aus der Ukraine, dann sollte man diese 90 Tage im Auge behalten und schauen, dass die nicht überschritten werden", erläutert Breidenbach.

Auch nach den 90 Tagen ist es möglich, den Aufenthalt der Geflüchteten zu verlängern. Eine finanzielle Förderung für die Aufnahme von Menschen aus der Ukraine gibt es aktuell nicht.

Portal vermittelt Zimmer oder Wohnungen an geflüchtete Menschen

Viel Erfahrung mit der Vermittlung von Wohnraum an Geflüchtete hat Mareike Geiling. Schon 2014 hat sie das Portal "Zusammenleben Willkommen" mitgegründet.

"Bei uns auf der Plattform kann man sich anmelden, wenn man ein Zimmer ab einem Jahr zur Verfügung stellen kann. Und dann suchen wir in unserer Datenbank oder auch gemeinsam mit Beratungsstellen nach Menschen, für die dieses Zusammenleben passen könnte. Dann gibt es ein gemeinsames Kennenlernen, wo sich beide Seiten für oder gegen das Zusammenleben entscheiden können", sagt Geiling.

Was, wenn das Zusammenleben nicht funktioniert?

Doch was, wenn das Zusammenleben mit einer geflüchteten Person nicht funktioniert? Einen Rat hat der Sprecher vom sächsischen Flüchtlingsrat, Dave Schmidtke: "Sollte das dann nicht klappen, sollte es persönliche Streitigkeiten geben – das kann ja alles irgendwo mal entstehen – dann gibt es immer die Möglichkeit, dass Behörden unterstützend tätig sind. Aktuell haben wir Platz in Sachsen. Sollte die private Unterkunft irgendwie an die Grenzen kommen, dann gibt es Möglichkeiten, dass die öffentliche Seite unterstützt."

Mareike Geiling vom Vermittlungsportal "Zusammenleben Willkommen", rät aber davon ab, Geflüchtete nur für einen kurzen Zeitraum aufzunehmen. "Es ist niemandem geholfen, wenn die Geflüchteten Menschen aus der Ukraine für zwei bis drei Wochen irgendwo unterkommen und dann ständig den Schlafplatz wechseln müssen. Die Leute brauchen Ruhe, die brauchen Sicherheit, die brauchen eine Perspektive und da muss man sich einfach fragen: Kann ich die geben? Ja oder nein?", so Geiling.

Wer Menschen aus der Ukraine aufnehmen will, sollte ausreichend Platz für einen längeren Zeitraum anbieten können.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 07. März 2022 | 06:00 Uhr

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