Islam Gemeinschaft fehlt Gläubigen besonders im Ramadan

MDR-Volontär 2019/2021 Robin Hartmann
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Die Corona-Pandemie ist für viele Menschen eine psychische Belastung. Während des islamischen Fastenmonats Ramadan treffen die Kontaktbeschränkungen die Gläubigen besonders schwer. Denn ob beim Gebet oder beim abendlichen Fastenbrechen - in dieser Zeit ist das Miteinander besonders wichtig.

Rabia und Yusuf Simsek sitzen zusammen beim Abendessen und telefonieren mit Freunden.
Das abendliche Fastenbrechen ist normalerweise ein besonderes Ereignis, das mit Familie und Freunden gefeiert wird - die Kontaktbeschränkungen sind für Musliminnen und Muslime im Ramadan besonders schwer. Bildrechte: dpa

Während Christen die Fastenzeit gerade durchgestanden haben, sind die Muslime mittendrin. Und anders als beim christlichen Pendant können sich Muslime nicht aussuchen, in welchem Bereich sie fasten wollen. "Ramadan bedeutet Fasten, aber Fasten von allem. Von Essen, von Trinken, von Geschlechtsverkehr, von Lüge, von allem, was schlecht ist – von Morgendämmerung bis Sonnenuntergang." So fasst Elsayed Barakat die Tage bis zum 12. Mai für seine Gemeinde zusammen. Er ist Imam in der islamischen Gemeinschaft Halle und führt sie jetzt schon zum zweiten Mal durch einen "Corona-Ramadan".

Schichtsystem in der Moschee

Kraft zum Durchhalten des Fastens schenkt den Gläubigen das gemeinsame Gebet in der Moschee. Rund 250 von ihnen würden in Normalzeiten in der kleinen Moschee in Halle-Neustadt gleichzeitig beten, alle säßen eng beieinander. Doch das ist wegen der Hygiene-Auflagen aktuell nicht möglich. Damit trotzdem jeder, der möchte, einmal am Tag mit der Gemeinde beten kann, hat Imam Barakat ein Schichtsystem eingeführt. Das Nachmittagsgebet führt er so dreimal durch, denn hier gibt es keine feste Uhrzeit, wann das Gebet abzuhalten ist. "Flexibel – das heißt von 13 bis 17 Uhr können wir diese Predigt durchführen." Er bitte die Menschen bei Fieber und Schnupfen zu Hause zu bleiben, sagt Barakat.

Felix Seibert-Daiker 3 min
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Mehr Seelsorge während Corona

Das abendliche Fastenbrechen mit großem Essen in der Gemeinde oder der gemeinsame Austausch vor und nach dem Gebet entfallen aber komplett für die Mitglieder. Gerade für alleinstehende Menschen, für die sich der Großteil des sozialen Lebens in der Gemeinde abspielt, ist daher Ramadan während Corona besonders schwer. Djamel Amelal vom Gemeindevorstand merkt es am gestiegenen Bedarf an Seelsorge in der Gemeinde. So kümmere man sich auch in der Moschee um die Menschen; wenngleich die Gemeinde darum bittet, sich telefonisch zu melden, wenn jemand Probleme habe. Man versuche, die direkten Kontakte gering zu halten. Allgemein gerieten die Menschen durch die Regeln während der Pandemie durchaus in Not, erzählt Amelal.

Weniger Spenden in der Gemeinde

Im Ramadan wird besondere Aufmerksamkeit auf die Schwächsten der Gesellschaft gelegt, egal welchem Glauben sie angehören. Imam Barakat spricht daher in seinen Predigten über soziale Wohltätigkeit und fordert seine Gemeinde auf, sich für Schwächere zu engagieren: "Es gibt arme Leute auf der ganzen Welt. Deswegen versuchen wir im Ramadan, die Menschen zum Spenden anzuspornen. Wir sammeln nicht, aber wir spornen die Menschen an."

Doch wenn viele Gläubige nicht an den Gottesdiensten teilnehmen, erreicht der Aufruf nur wenige. "Wir haben bezüglich der Spenden seit zwei Jahren eine Krise – wegen des Coronavirus. Weil viele Menschen Angst vor Corona haben, deswegen bleiben sie immer zu Hause", erklärt Barakat. Deshalb hoffen alle in der islamischen Gemeinschaft Halle, dass möglichst schnell wieder Normalität einzieht. Zum Wohle ihrer Mitglieder, aber auch für die Menschen, die auf die Unterstützung der Gemeinde angewiesen sind.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 22. April 2021 | 09:51 Uhr

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