101 Jahre alter Mann Früherer KZ-Wachmann zu fünf Jahren Haft verurteilt

Er bestreitet, im früheren KZ Sachsenhausen tätig gewesen zu sein – das Landgericht Neuruppin sieht das aber anders. Es hat einen 101 Jahre alten Mann nun wegen Beihilfe zu Mord zu einer Haftstrafe verurteilt.

Der Angeklagte kommt zur Fortsetzung des Prozess des Landgericht Neuruppin.
Der verurteilte 101-Jährige während des Prozesses. Bildrechte: dpa

Das Landgericht Neuruppin hat einen mutmaßlichen früheren Wachmann im KZ Sachsenhausen zu fünf Jahren Haft verurteilt. Die Richter sprachen den 101 Jahre alten Mann wegen Beihilfe zum Mord an Tausenden Häftlingen schuldig.

Der Vorsitzende Richter Udo Lechtermann sagte bei der Urteilsverkündung in Brandenburg an der Havel, der 101-Jährige habe mit seiner Tätigkeit im Konzentrationslager "Terror und Massenmord gefördert". Das sei dem Angeklagten auch bewusst gewesen. Mit seiner Wachtätigkeit habe er die Verbrechen in Sachsenhausen bereitwillig unterstützt. Den Ermittlungen zufolge war er zwischen dem 23. Oktober 1941 und dem 18. Februar 1945 als SS-Mann in Sachsenhausen im Einsatz.

Mann bestreitet Tätigkeit im KZ Sachsenhausen

Der hochbetagte Mann hatte bis zuletzt bestritten, in dem Lager tätig gewesen zu sein. Er gab an, er habe in der fraglichen Zeit als Landarbeiter bei Pasewalk in Mecklenburg-Vorpommern gearbeitet. Die Staatsanwaltschaft stützte sich bei ihrer Anklage aber auf Dokumente zu einem SS-Wachmann mit dem Namen, Geburtsdatum und Geburtsort des Mannes sowie auf weitere Dokumente.

Angeklagter war nur eingeschränkt verhandlungsfähig

Der Prozess war aus organisatorischen Gründen in eine Sporthalle in Brandenburg/Havel verlegt worden. In dem Ort wohnt der nun Verurteilte. Der hochbetagte Mann war nur eingeschränkt verhandlungsfähig und konnte täglich nur etwa zweieinhalb Stunden an dem Prozess teilnehmen.

Im KZ Sachsenhausen nördlich von Berlin waren von 1936 bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs im Jahr 1945 mehr als 200.000 Menschen inhaftiert. Zehntausende von ihnen wurden ermordet oder kamen auf andere Weise ums Leben.

dpa, epd (aju)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 28. Juni 2022 | 11:00 Uhr

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