Geimpft, Genesen, Getestet Was 3G- und 2G-Regel bedeuten und wo sie gelten

Seit Ende August gilt bundesweit die sogenannte 3G-Regel. In Hamburg gibt es sogar ein optionales 2G-Modell, das auch bundesweit diskutiert wird. Doch was bedeuten 2G und 3G und was gilt wo? Wie sieht die rechtliche Lage aus und was bedeuten diese Regeln für den Alltag? Ein Überblick.

Geschäft mit der Aufschrift: Zutritt nur nach 3G Regeln
Seit dem 23. August gilt bundesweit die 3G-Regel – bein niedrigen Inzidenzen kann sie allerdings ausgesetzt werden. Bildrechte: IMAGO / Bihlmayerfotografie

Was verbirgt sich hinter 3G und 2G?

Zutritt ist nur für geimpfte, genesene und getestete Personen erlaubt – das besagt die 3G-Regel, die am 23. August bundesweit in Kraft getreten ist. Wer nun beispielsweise ins Restaurant oder zum Friseur gehen möchte, muss nachweisen können, dass er oder sie zu einem der drei Gs gehört. Das bedeutet: Wer nicht vollständig geimpft ist oder nicht als genesen gilt, muss künftig in vielen Fällen entweder einen Schnelltest oder einen PCR-Test vorlegen.

2G besagt, dass nur noch geimpfte und genesene Personen Zutritt zu Innenräumen und Veranstaltungen erhalten. Damit ist diese Regel enger gefasst und ein negatives Testergebnis gilt nicht mehr für den Einlass. Bisher wird die 2G-Regel nur in Hamburg getestet und gilt nicht bundesweit. Private Betreiber von Clubs, Bars, Kinos, Restaurants oder ähnlichen öffentlichen Räumen können sich aber entscheiden, nach der 2G-Regel beim Einlass zu verfahren.

Wo gilt die 3G-Regel?

Zutritt nur für Geimpfte, Genesene und Getestete gilt für folgende Bereiche:

  • Gastronomie (Restaurants, Cafes, Bars, etc.)
  • Körpernahe Dienstleistungen (Friseur, Kosmetikstudio, Tattoostudio, etc.)
  • Sport (Fitnessstudio, Schwimmbäder, Sporthallen)
  • Kultur (Kinos, Museen, Theater, Oper, etc.)
  • Veranstaltungen und Konzerte, Clubbesuche
  • Besuch von Krankenhäusern, Pflegeheimen, Reha- und Behinderteneinrichtungen
  • Übernachtungen in Hotels und Pensionen
  • Auslandsflüge

Für diese Bereiche muss die vollständige Impfung oder die Genesung (max. sechs Monate gültig) nachgewiesen werden. Oder es muss ein bis zu 24 Stunden alter negativer Schnelltest oder ein maximal 48 Stunden alter PCR-Test vorgelegt werden. Für Übernachtungen müssen Tests an jedem dritten Tag des Aufenthalts wiederholt werden.

Ausnahmen

Zudem gilt: Wenn die 7-Tage-Inzidenz in einem Landkreis oder Stadt stabil unter 35 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Einwohnerinnen liegt, können die Länder die 3G-Regel ganz oder teilweise aussetzen.

Des Weiteren gilt eine Ausnahme bei der Bundestagswahl in Wahllokalen. Dort gelte die 3G-Regel nicht, teilte der Bundeswahlleiter per Twitter mit. "Nach gegenwärtigem Stand" können auch ungeimpfte und nicht getestete Bürger und Bürgerinnen ihre Stimme vor Ort abgeben. Eine Maskenpflicht könne allerdings je nach Bundesland gelten.

Inwieweit gilt die 3G-Regel für Kinder und Jugendliche?

Kinder bis zum sechsten Lebensjahr sind von der 3G-Regel ausgenommen. Auch Schülerinnen und Schüler, die aufgrund des Schulbesuchs regelmäßig getestet werden, sind von der Regelung ausgenommen.

Hier gilt zum einen das Testergebnis, das auch für die Schule benötigt wird. Zum anderen auch ein Nachweis, dass das Kind die Schule besucht – zum Beispiel einen Schülerausweis oder ein Schülerticket. Bei Sechs- und Siebenjährigen, die noch nicht in die Schule gehen, genügt der amtliche Ausweis.

Wie wird der Impf-, Genesenen-, und Teststatus nachgewiesen?

Die vollständige Impfung kann mit dem Impfpass nachgewiesen werden. Eine Genesung wird durch einen positiven PCR-Test nachgewiesen, der maximal sechs Monate zurückliegt. Für die Tests gilt: Ein bis zu 24 Stunden alter negativer Schnelltest oder ein maximal 48 Stunden alter PCR-Test werden akzeptiert.

Gültig sind sowohl Nachweise in Papierform als auch in digitaler Form, zum Beispiel mit der Corona-Warn-App oder der CovPass-App. Dafür sind in Apotheken spezielle Impfzertifikate und Genesenen-Zertifikate in Papierform erhältlich, die sich per QR-Code in die Apps hochladen lassen.

Kontrolliert werden sollte der Status beim Einlass bzw. Zutritt zu öffentlich zugänglichen Innenräumen und Veranstaltungen. Im Falle einer Kontrolle durch die Behörden müssen die Betreibenden nachweisen, dass sie die 3G-Regel kontrollieren – sowie die Gäste ihren Nachweis vorlegen. Sollte dann kein Impf-, Genesenen- oder Testnachweis vorliegen, muss sowohl der Betreiber als auch der Gast ein Bußgeld zahlen.

Wie sieht die Rechtsgrundlage dafür aus?

Als Rechtsgrundlage für die 3G-Regel dient die "epidemische Lage von nationaler Tragweite", die im Infektionsschutzgesetz festgeschrieben ist. Die epidemische Lage wurde vom Bundestag Ende August erneut um drei weitere Monate verlängert. Begründet wurde die Entscheidung mit dem raschen Anstieg der Neuinfektionen in Deutschland. Damit hat der Bund weiterhin das Recht, direkt ohne Zustimmung des Bundesrates Verordnungen zu erlassen, etwa zu Tests, Impfungen, zum Arbeitsschutz oder zur Einreise.

Inwiefern die Regelung ein Eingriff in die Freiheitsrechte von ungeimpften Menschen ist, ist derzeit noch nicht juristisch bestätigt. Verschiedene Experten und Expertinnen gehen jedoch davon aus, dass es vermehrt zu Klagen gegen die 3G-Regel kommen könnte. Dann würden Gerichte über die Rechtmäßigkeit der Regelung entscheiden.

Die 3G-Regel in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen

Da die 3G-Regelung bundesweit gültig ist, tritt sie auch in Mitteldeutschland in Kraft. Jedoch können die Länder die Regelung ganz oder teilweise aussetzen, wenn der Inzidenzwert in einem Landkreis oder Stadt stabil unter 35 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner liegt. Derzeit wird die 3G-Regel in Mitteldeutschland wie folgt umgesetzt:

  • Wenn in Sachsen ein Landkreis oder eine kreisfreie Stadt an fünf aufeinanderfolgenden Tagen über den Inzidenzwert von 35 liegt, gilt am übernächsten Tag die 3G-Regel.
  • Sachsen-Anhalt zieht neben der Inzidenz auch noch weitere Kriterien, wie beispielsweise die Impfquote und Krankenhausbelegung, zur Bewertung des Pandemiegeschehens hinzu. Das könne unter Umständen auch das Inkrafttreten der 3G-Regel beeinflussen, erklärte Sozialministerin Petra Grimm-Benne.
  • In Thüringen gilt neben der 3G-Regel auch ein Frühwarnsystem, das weitere Maßnahmen je nach lokaler Inzidenz vorsieht.

Kommt die 3G-Regel für den Fernverkehr?

Derzeit wird darüber diskutiert, ob die 3G-Regelung auch für den Fernverkehr der Bahn gelten soll. Angestoßen wurde die Debatte von der Bundesregierung. Mittlerweile lehnen jedoch mehrere Bundesministerien eine Testpflicht für Passagiere in Zügen ab.

Eine Vorschrift, dass Fahrgäste getestet, geimpft oder genesen sein müssten, sei weder aus Gründen des Infektionsschutzes nötig noch durchsetzbar, heißt es in einer Stellungnahme vom Gesundheits-, Innen- und Verkehrsministerium an das Kanzleramt. Kontrollen beim Einstieg in die Züge seien wegen der kurzen Haltezeiten ausgeschlossen. Da Maskenpflicht bestehe, seien mehrere wissenschaftliche Untersuchungen zu dem Schluss gekommen, dass in Zügen kein höheres Infektionsrisiko bestehe.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hingegen hält eine 3G-Regel in Fernzügen trotz der Bedenken in den Ministerien weiter für eine "mögliche und sinnvolle Maßnahme". Das bestätigte Regierungssprecher Steffen Seibert. Er verwies darauf, dass es in Frankreich seit Anfang August die 3G-Regel im Bahn-Fernverkehr gebe und in Italien ab Anfang September. Dort sei die Regel nicht "unmöglich oder unkontrollierbar".

Was gilt in unseren Nachbarländern?

Auch in den an Deutschland angrenzenden Ländern gibt es ähnliche 3G- und 2G-Regelungen. Hier ein kurzer Überblick zu den jeweiligen Regeln für geimpfte, genesene und getestete Personen:

  • Tschechien hat die Einreisebeschränkungen für Deutsche verschärft. Ungeimpfte Menschen müssen bei der Einreise einen negativen PCR-Test vorlegen und dann in Quarantäne gehen, die erst nach fünf Tagen mit einem weiteren PCR-Test beendet werden kann.
  • Bereits seit Mai gilt in Österreich auch eine 3G-Regelung. Für den Nachweis einer vollständigen Impfung, einer Genesung oder eines negativen Testergebnisses braucht man den "Grünen Pass".
  • In Frankreich braucht man seit dem 9. Juli den "Pass Sanitaire", wenn man Zutritt zu öffentlichen Innenräumen oder Veranstaltungen haben möchte. Der Pass weist nach, dass man eines der drei Gs erfüllt. Seit August ist der Pass auch verpflichtend, wenn man öffentliche Verkehrsmittel nutzen will.
  • In den Niederlanden gilt keine 3G-Regel – außer für Veranstaltungen, bei denen der Sicherheitsabstand nicht eingehalten werden kann. Also haben nur Genesene, Geimpfte oder Getestete Zugang zu Konzerten, Kultur-Veranstaltungen oder Fußballspielen.

Auch im beliebten Urlaubsziel Italien ist seit 6. August eine 3G-Regelung gültig. Nur mit dem "Green-Pass" dürfen die Innenbereiche von Gastronomie betreten werden. Gleiches gilt unter anderem auch für Museen, Wellness-Zentren, Bäder, Konzerte und Sportveranstaltungen. Zudem soll ab Anfang September der "Green-Pass" für Reisen in Zügen, Flugzeugen, Fähren und Fernbussen verpflichtend sein.

Gilt bald die 2G-Regel bundesweit?

Hamburg hat mit seiner bundesweit einmaligen 2G-Option eine größere Debatte losgetreten, inwiefern eine solche Regelung für ganz Deutschland sinnvoll wäre. Dabei wird das 2G-Modell vor allem dann als Option gehandelt, wenn die Infektionszahlen weitere Maßnahmen erfordern. Bisher gibt es aber noch kein konkretes Vorhaben der Bundesregierung.

Eine Umfrage des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND) bei den Bundestagfraktionen hat jedoch ergeben, dass die meisten Politiker und Politikerinnen einem 2G-Modell offen gegenüberstehen. Demnach sehen die Grünen, Union und SPD eine gute Möglichkeit in 2G, um im Herbst gegen steigende Inzidenzen vorzugehen.

Die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Bärbel Bas sagte dem RND, dass dieselben Einschränkungen für Geimpfte und Genesene wie für Menschen, die sich nicht impfen lassen wollen, nur schwer begründbar seien, wenn die Zahlen erneut stiegen. Der Grünen-Gesundheitspolitiker Janosch Dahmen sieht die Bundesregierung in der Pflicht einen einheitlichen und konkreten Plan vorzulegen, "bei welchen Grenzwerten statt 3G nur noch 2G gilt und in welchen Fällen hier Ausnahmen gemacht werden müssen."

Auch CSU-Politiker und Bayerns Gesundheitsminister, Klaus Holetschek, verweist auf die steigenden Inzidenzen. Dem RND sagte er: "Wenn dieser Trend der vermehrten Infektionen sich fortsetzt, stellt sich automatisch die Frage nach weiteren Maßnahmen wie etwa 2G." Nur die Linke sprach sich gegen ein 2G-Modell aus – für sie sei die 2G-Regel nicht verhältnismäßig und unsolidarisch, sagte ein Sprecher dem RND.

Die 2G-Regel in Hamburg

Seit Samstag (28.8.) gilt in Hamburg optional die 2G-Regel für viele Angebote der Gastronomie und Kultur – das bedeutet nur noch geimpfte und genesene Personen bekommen Zutritt dazu. Zudem gelten für Gäste kaum noch Corona-Einschränkungen. Damit ist Hamburg das erste Bundesland, das eine 2G-Option ermöglicht.

Das 2G-Modell funktioniert so: Veranstaltende und Gastronomie-Betreibende können selbst entscheiden, ob sie nur Geimpfte und Genesene einlassen oder ob sie weiter das 3G-Modell nutzen wollen – also auch aktuelle Tests akzeptieren. Um am 2G-Modell teilzunehmen, muss man sich jedoch vorher bei der Stadt Hamburg registrieren. Zudem muss die gesamte Belegschaft des Betriebs vollständig geimpft sein.

Quelle: MDR, Tagesschau, dpa, RND, Gesundheitsministerium

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | MDR AKTUELL RADIO | 30. August 2021 | 06:38 Uhr

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