Coronavirus RKI: Die Hospitalisierungsinzidenz in Deutschland

Piet Felber
Bildrechte: MDR/Markus Geuther

Bund und Länder haben sich im Sommer darauf geeinigt, neben der Sieben-Tage-Inzidenz des Coronavirus auch die Hospitalisierungsinzidenz beziehungsweise Hospitalisierungsrate zur Beurteilung des Infektionsgeschehens heranzuziehen. Wir zeigen die Zahlen auf Bundesland-Ebene und erklären, was es bei der Interpretation zu beachten gibt.

Krankenpfleger arbeiten in Schutzkleidung in einem Krankenzimmer auf einer Intensivstation
Nicht das reine Auftreten des Virus ist mehr entscheidend für Eindämmungsmaßnahmen – sondern die Zahl derer, die schwer daran erkranken. Bildrechte: dpa

Im September hat der Bundestag beschlossen, die Sieben-Tage-Inzidenz des Coronavirus als Leitindikator für die Beurteilung des Infektionsgeschehens abzulösen. Hinzu kommen nun Indikatoren über die Schwere von Krankheitsverläufen.

Das Robert Koch-Institut veröffentlicht so unter anderem Daten darüber, wie viele Menschen in den letzten sieben Tagen pro 100.000 Einwohner wegen einer Covid-19-Erkrankung ins Krankenhaus eingewiesen werden mussten – die Hospitalisierungsinzidenz beziehungsweise Hospitalisierungsrate (siehe untenstehende Grafik). Die aktuellen Zahlen finden Sie hier. Lange Zeit standen diese Daten allerdings nicht täglich aktualisiert zur Verfügung. Diese Schwachstelle hat das RKI nun behoben.

Leicht zu interpretieren ist der Wert allerdings nach wie vor nicht, da das RKI die betreffenden Fälle nicht nach dem Tag der Krankenhauseinweisung statistisch erfasst, sondern nach dem Meldedatum eines Falles. Das heißt, dass ein gestern eingewiesener Covid-19-Patient, dessen Infektion aber bereits seit zehn Tagen bekannt ist, nicht in der Hospitalisierungsinzidenz, wie sie das RKI herausgibt, erfasst ist – da das Meldedatum eben länger als sieben Tage zurückliegt.

Anwendung in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen

Die Länder haben zudem unterschiedliche Grenzwerte oder Regelungen formuliert, nach denen bei ihnen die Hospitalisierung zur Bewertung der Corona-Lage herangezogen wird. So überlässt es Sachsen-Anhalt seinen Kreisen etwa selbst, zur Beurteilung des Infektionsgeschehens die Indikatoren Bettenbelegung und Intensivstationen-Auslastung heranzuziehen – ohne dabei festzulegen, in welcher Form dies geschehen soll.

Thüringen erhebt die Hospitalisierungsinzidenz selbst. Der "eigene" Wert ist neben der Inzidenz und der Intensivbettenauslastung ein Indikator für die Bewertung des Infektionsgeschehens, das Land hat jeweils Grenzwerte festgelegt. In Sachsen gilt die Hospitalisierungsinzidenz des RKI neben absoluten Zahlen belegter Krankenhausbetten. In Thüringen und Sachsen sind die Grenzwerte für die Verschärfung von Corona-Maßnahmen jeweils sieben und zwölf ins Krankenhaus eingewiesene Covid-19-Patienten in den letzten sieben Tagen pro 100.000 Einwohner.

Zum Vergleich: In der Hoch-Phase der zweiten Welle im Januar lag der Wert in Sachsen bei über 27 Einweisungen pro 100.000 Einwohner binnen Wochenfrist.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR AKTUELL | 06. Oktober 2021 | 19:30 Uhr

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