FAQ Wie und wo Kinder in Mitteldeutschland geimpft werden können

Die europäische Arzneimittelbehörde EMA empfiehlt die Zulassung des Impfstoffs von Biontech/Pfizer für Kinder ab 5 Jahren. Jetzt hat auch die Stiko grünes Licht gegeben. Ab Montag (13.12.) soll der Kinderimpfstoff verfügbar sein. Die wichtigsten Fragen zum Thema im Überblick der drei Länder Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.

Ab wann und wo können Kinder zwischen fünf und elf Jahren in den drei Ländern geimpft werden?

In Sachsen wird der neue Kinderimpfstoff nach Angaben des Sozialministeriums in Dresden voraussichtlich am Mittwoch (15.12.) erwartet. Dann soll damit vor allem bei Kinder- und Hausärzten geimpft werden, zunächst beteiligen sich etwa 277 Kinderärzte an den Impfungen. Geplant seien zudem zusätzliche Impfmöglichkeiten an zentralen Orten, separat von Impfangeboten für Erwachsene. Dies könne etwa durch extra Impfstrecken gewährleistet werden. Termine dafür sollen ab dieser Woche auch im Impfportal für Sachsen freigeschaltet werden.

Außerdem haben 20 Kinderkliniken in Sachsen angekündigt, fünf- bis elfjährige Kinder zu impfen. Im Leipziger Herzzentrum wurden bereits vergangenen Mittwoch jüngere Kinder geimpft. In Sachsen gibt es den Angaben zufolge etwa 220.000 Kinder in der Altersgruppe.

In Thüringen sind die ersten 3.000 Termine seit 8. Dezember im zentralen Impfportal buchbar. Auch hier sollen Kinder-, Jugend-, und Hausärzte die Mädchen und Jungen zwischen fünf und elf Jahren impfen. Zudem können sie laut Kassenärztlicher Vereinigung bis zum 23. Dezember zunächst nachmittags im Impfzentrum in Gera sowie in den Impfstellen Erfurt (Katholisches Krankenhaus), Sömmerda und Leinefelde geimpft werden. Jena will in dieser Woche ein zweites kommunales Impfzentrum speziell für Kinder im Volkshaus eröffnen.

Ab dem 27. Dezember soll das Angebot auf alle Impfstellen des Landes ausgeweitet werden. Dann sollen sich Kinder überall nachmittags impfen lassen können. In Thüringen leben 130.700 impfberechtigte Kinder in der Altersgruppe von fünf bis elf Jahren.

In Sachsen-Anhalt sollen die Impfungen für Kinder ab 5 Jahre ebenfalls in dieser Woche starten. In einer Abfrage hätten bislang (Stand 9.12.) 87 Kinder- und Jugendärzte ihre Bereitschaft erklärt, Kinder dieser Altersgruppe zu impfen, teilte das Gesundheitsministerium in Magdeburg mit. 40 von ihnen seien bereit, bei Bedarf auch in den Impfzentren zu unterstützen.

Daneben organisieren die Landkreise und kreisfreien Städte zusätzliche Impfangebote, - unter anderem der Landkreis Harz und der Altmarkkreis Salzwedel. In Salzwedel und Gardelegen sind Impftage für Kinder unter zwölf Jahren mit ihren Eltern geplant, für die vorab Termine gebucht werden müssen. Im Harz soll es Impfaktionen für Kinder an wechselnden Orten geben. In Sachsen-Anhalt gibt es rund 128.000 Kinder in der Altersgruppe zwischen fünf und elf Jahren.

MDRfragt: Mehrheit der Eltern will Kinder nicht impfen lassen

Die Mehrheit der Eltern in Mitteldeutschland will ihre Kinder nicht impfen lassen. Das ergab am Wochenende (11./12.Dezember) eine nicht repräsentative Erhebung von MDRfragt - das Meinungsbarometer für Mitteldeutschland. Danach beantworteten 52 Prozent der befragten Eltern von fünf bis elfjährigen Kindern die Frage: "Wollen Sie ihr Kind impfen lassen?" mit "Nein". 18 Prozent der Befragten möchten ihre Kinder sobald wie möglich impfen lassen, 14 Prozent erst später. Unentschlossen in der Frage sind 14 Prozent der Eltern.

Diagramm: Wollen Sie Ihr Kind impfen lassen?
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Die Unterschiede bei den Ergebnissen in den drei Bundesländern waren gering. In Thüringen und Sachsen lehnten 54 bzw. 53 Prozent der befragten Eltern die Impfung für ihre Kinder ab, in Sachsen-Anhalt waren es 47 Prozent. An der Umfrage beteiligten sich insgesamt mehr als 2.000 Menschen, davon rund 1.100 aus Sachsen.

Wie viele Impfdosen erhalten die Länder?

In einer ersten Tranche soll Deutschland rund 2,4 Millionen Dosen des speziellen Impfstoffs für Kinder erhalten. Weitere Lieferungen laut Bundesgesundheitsministerium im Januar. Thüringen will nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung Thüringen im Dezember und Januar 121.000 Impfdosen beim Bund bestellen. Sachsen-Anhalt hat in einem ersten Schritt rund 20.000 Impfdosen des Kinderimpfstoffs bestellt. Auch Sachsen hat 20.000 Impfdosen für die staatlichen Impfangebote geordert, Ärzte und Kliniken bestellen selbst.

Welche Kinder sollten geimpft werden?

Die Ständige Impfkommission (Stiko) beim Robert-Koch-Institut hat Corona-Schutzimpfungen empfohlen für:

  • Kinder im Alter zwischen fünf und elf Jahren mit bestimmten Vorerkrankungen.
  • Außerdem wird zu Impfungen in dieser Altersgruppe auch für Kinder geraten, in deren Umfeld Risikopatienten leben, die sich selbst nicht durch Impfungen schützen können.
  • Für alle anderen Kinder soll eine Impfung auf Wunsch der Eltern möglich sein.

Von einer Impfempfehlung für gesunde Kinder wurde aber abgesehen. Das Risiko von seltenen Nebenwirkungen aufgrund der eingeschränkten Datenlage könne derzeit nicht eingeschätzt werden, hieß es aus dem Gremium. Die Impfungen sollen sollen demnach mit zwei Dosen des Wirkstoffs der Hersteller Biontech und Pfizer im Abstand von drei bis sechs Wochen erfolgen.

In Sachsen empfiehlt die Sächsische Impfkommission (Siko) seit 1. Dezember eine Corona-Schutzimpfung für Kinder ab fünf Jahren, wenn diese einer Risikogruppe angehören oder Kontakt zu Risikopatienten haben. Zur Risikogruppe gehören etwa Kinder mit schweren Herzerkrankungen, genetischen Erkrankungen, Diabetes Mellitus oder Krebs.

Welcher Impfstoff wird für Kinder zwischen und fünf und elf Jahren verwendet?

Die Europäischen Arzneimittelagentur hat Ende November den Corona-Impfstoff von Biontech/Pfizer für Kinder zwischen fünf und elf Jahren freigegeben. Das Vakzin ist bisher der einzige zugelassene Impfstoff für Kinder in der betreffenden Altersgruppe. Der spezielle Kinderimpfstoff soll in zwei Impfungen mit einer Dosierung von jeweils zehn Mikrogramm verabreicht werden. Der Kinderimpfstoff enthält eine geringere Dosierung der mRNA und diese wiederum ist abgestimmt auf die Menge des Lösungsmittels. Das heißt, das Verhältnis mRNA und Lösungsmittel ist anders als beim Erwachsenenimpfstoff.

Wie sicher ist der Impfstoff von Biontech für Fünf- bis Elfjährige?

Der Impfstoff ist genauso sicher, wie alle anderen Impfstoffe, die bei Kindern eingesetzt werden, sagt der Kinder- und Jugendmediziner am Klinikum Sankt Georg in Leipzig, Dr. Stephan Borte. Alle Impfstoffe, egal ob sie für Erwachsene zugelassen sind oder für Kinder, müssten aufwendige und standardisierte Prüfungsverfahren durchlaufen.

In klinischen Studien werden die Impfstoffe getestet. Nur wenn die Studienergebnisse zeigen, dass keine schweren Nebenwirkungen zu erwarten sind und der Impfstoff die erwartete Wirksamkeit zeigt, geht er ins Zulassungsverfahren bei der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA).

Dr. Stephan Borte Kinder- und Jugendmediziner am Klinikum Sankt Georg in Leipzig

Die EMA bewerte den gesundheitlichen Nutzen erneut und spreche eine Zulassung aus, so wie das beim Kinderimpfstoff von BionTech/Pfizer der Fall sei. Dann müsse noch die Impfkommission ihr Urteil abgeben.

Warum soll man sein Kind impfen lassen, obwohl Kinder meist leichte Verläufe haben?

Es gibt Hinweise, dass eine COVID-Erkrankung bei Kindern so genannte PIMS (Pediatric Inflammatory Multisystem Syndrome) auslösen kann. Das sind Entzündungen an verschiedenen Organen, die zu schweren Verläufen führen können, so dass die betroffenen Kinder auf der Intensivstation behandelt werden müssen. Darüber hinaus zeigen Studien ganz eindeutig, dass auch bei Kindern Langzeitfolgen nach einer Infektion mit SARS CoV2 auftreten können.

Experten wie der Virologe Christian Drosten verweisen zudem auf eine Krankenhausstudie aus Südafrika zur neuen Variante Omikron. Danach waren Kinder bis neun Jahre stärker von dem Virus betroffen als bei bisherigen Varianten.

#MDRklärt Fünf Fragen zum Kinderimpfstoff

Seit dieser Woche dürfen Kinder ab fünf Jahren geimpft werden. Doch es gibt viele Fragen dazu. Hier die Antworten auf fünf besonders dringende.

5 Fragen zum Kinderimpfstoff
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5 Fragen zum Kinderimpfstoff
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1. Ist der Impfstoff sicher?  Der Impfstoff für Kinder ist genauso sicher wie der für Erwachsene und deshalb durch die Arzneimittelbehörde EMA zugelassen. "In klinischen Studien werden die Impfstoffe getestet. Nur wenn die Studienergebnisse zeigen, dass keine schweren Nebenwirkungen zu erwarten sind und der Impfstoff die erwartete Wirksamkeit zeigt, geht er ins Zulassungsverfahren bei der EMA."
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2. Warum sollten Kinder geimpft werden, obwohl sie meist leichte Verläufe haben? Ein schwerer Krankheitsverlauf ist selten, aber nicht ausgeschlossen. Covid kann bei Kindern zu Entzündungen an Organen führen, sodass die Kinder auf Intensivstationen behandelt werden müssen. Auch Long-Covid-Fälle sind möglich. Laut einer Studie aus Südafrika waren Kinder anfälliger gegen die neue Omikron-Variante als gegen vergangene Varianten.
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3. Welche Kinder sollten geimpft werden? Die Ständige Impfkommission hat Corona-Schutzimpfungen für Fünf- bis Elfjährige empfohlen, wenn:  bestimmte Vorerkrankungen das Risiko eines schweren Verlaufs erhöhen. im Umfeld der Kinder Risikopatienten leben, die sich selbst nicht durch Impfungen schützen können. dies der Wunsch der Eltern ist. Von einer Impfempfehlung für gesunde Kinder wurde bislang aber abgesehen. Das Risiko von seltenen Nebenwirkungen könne aufgrund der eingeschränkten Datenlage derzeit nicht eingeschätzt werden.
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4. Wo wird geimpft? Sachsen: Bei etwa 100 Kinderärzten und in elf Krankenhäusern, geplant sind zudem Impfmöglichkeiten an zentralen Orten Thüringen: Bei Kinder-, Jugend-, und Hausärzten, bis zum 23. Dezember nachmittags im Impfzentrum in Gera sowie in den Impfstellen Erfurt (Katholisches Krankenhaus), Sömmerda und Leinefelde,  Jena will ein zweites kommunales Impfzentrum speziell für Kinder im Volkshaus eröffnen, Ab dem 27. Dezember bei allen Impfstellen des Landes  Sachsen-Anhalt: Bei 87 Kinderärzten, Landkreise und kreisfreien Städte organisieren zusätzlich Impfangebote
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5. Wie viel Impstoff gibt es? Sachsen: 20.000 Impfdosen zu Dezember bestellt // Thüringen: will für Dezember und Januar 121.000 Impfdosen bestellen // Sachsen-Anhalt: 20.000 Impfdosen zu Dezember bestellt
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Texttafel: "Mehr Erklärgrafiken und -videos auf Instagram @mdrklaert"
Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 13. Dezember 2021 | 05:00 Uhr Bildrechte: MDR/Max Schörm
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Quelle: MDR(kb)

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