Leidensweg Long Covid Trotz Herzinfarkt vom Notarzt weggeschickt – und überlebt

Long Covid ist eine Krankheit mit vielen Gesichtern. Ivan Kozina ging mit Brustschmerzen zum Arzt. Dass diese durch eine Embolie ausgelöst wurden, wurde fast zu spät erkannt. Eine Not-Operation rette ihm das Leben!

Ivan Kozina Long Covid
Ivan Kozina kämpft sich mit der Unterstützung seiner Familie zurück ins Leben. Bildrechte: privat

Ivan Kozina ist einer von bereits rund 400.000 Menschen in Deutschland, die unter Long Covid leiden. Der 48-Jährige erkrankte über den Jahreswechsel 2020/2021 am Corona-Virus. Nach einigen Wochen glaubte er, die Infektion überstanden zu haben. Doch plötzlich ging es ihm immer schlechter: Ihn überkamen stechende Schmerzen in der Brust, an Schlaf war nicht mehr zu denken.

Mehrere erfolglose Arztbesuche nach Brust- und Schulterschmerzen

Mehrmals war er in der Notaufnahme, auch den Notarzt musste er rufen. Dort hielt man die Brust- und Schulterschmerzen für die Folge eines länger zurückliegenden Fahrrad-Sturzes. Ernst genommen fühlte sich der Familienvater in der Notfallaufnahme nicht: "Man hat mich da, wie soll ich sagen, leicht abgestempelt. Man hat mich nicht ernst genommen, sondern irgendwie einen gesunden, erwachsenen Menschen gesehen."

Äußerlich sah man Ivan Kozina auch nichts an aufgrund seiner sportlichen Statur. Doch sein gesundheitlicher Zustand verschlechterte sich immer mehr. Schließlich brach er auf der Couch zusammen: "Meine Jungs saßen neben mir, auch meine Frau. Ich habe dann gesagt: 'Also, für mich ist es aus, vorbei. Ich kann nicht mehr. Finito.' Wie, als hätte ich Abschied genommen".

Ivan Kozina Long Covid
Der 48-Jährige trainiert heute, um wieder fit für den Alltag zu werden. Bildrechte: privat

Hinterwand-Herzinfarkt nach Embolie

Irgendwann bekam er auch kaum noch Luft und schleppte sich zum Lungenfacharzt. Bei diesem schrillten alle Alarmglocken, er überwies den 48-Jährigen sofort ins Klinikum nach Nürnberg. Dort wurde sofort eine Not-OP eingeleitet.

Ivan Kozina erinnert sich an den Zeitpunkt, als die Ärzte im Krankenhaus ihm mitteilen, was mit ihm los ist: "Es wurde festgestellt, dass ich eine Lungenembolie habe. Und eine Stunde später hat man mir dann gesagt, dass ich die letzten Tage einen Hinterwand-Herzinfarkt überlebt habe".

Ivan Kozina Long Covid
An ausgedehnte Fahrradtouren ist derzeit nicht zu denken. Bildrechte: privat

Experte: "Eigentlich eine ganz typische Komplikation der Covid 19 Erkrankung."

Prof. Andreas Stallmach ist Experte für alle Krankheitsbilder, die im Zusammenhang mit Corona auftreten. An der Uniklinik Jena hat er eine der ersten Post-Covid Ambulanzen in Deutschland aufgebaut. Für ihn ist der Zusammenhang zwischen dem Virus, der Embolie und dem Herzinfarkt klar: "Patienten entwickeln sehr häufig Thrombosen und Embolien. Im Rahmen einer schweren Lungenembolie ist dann die Sauerstoffaufnahme gestört. Und wenn die Sauerstoffaufnahme gestört ist, wenn ein Sauerstoffmangel im Körper besteht, kann auch ein Herzinfarkt resultieren. Eigentlich eine ganz typische Komplikation der Covid-19-Erkrankung."

Ivan Kozina hatte damit großes Glück, dass er überlebt hat. Zehn Monate ist seine Corona Infektion nun her, neun Monate Embolie und Herzinfarkt. An so etwas, wie wieder arbeiten zu gehen, also Alltagsnormalität, ist für den Familienvater noch nicht zu denken.

Jede Woche geht er zur Physiotherapie, um wieder fit zu werden. Denn Schwäche, Konzentrationsstörungen und Luftnot begleiten ihn selbst bei leichtem Training: "Es fällt mir schwer, mich bei einem banalen Aufwärmtraining zu unterhalten. Das ging früher viel lockerer. Ich hatte einfach viel mehr Luft."

Mediatheks-Tipp: Leiden unter Langzeitfolgen

Ein Jahr abrufbar Die MDR-Reportage "Long COVID – Leiden unter Langzeitfolgen" ist ab 16. September ein Jahr lang in der ARD-Mediathek zu sehen.

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Long COVID – Leiden unter Langzeitfolgen (abrufbar in der ARD-Mediathek, bis einschließlich 15. September 2022)

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