Notfallplan Gas Energieverband: Privathaushalte können leichter Energie sparen als Industrie

Die Bundesregierung hat bei der Ausrufung der Frühwarnstufe neben der Industrie auch die privaten Verbraucher angehalten, energiesparend zu haushalten. Laut Experten ist das die schnellste und effektivste Möglichkeit des Energiesparens.

Eine Person macht eine Heizung an.
Der Notfallplan Gas richtet sich auch an Privatverbraucher. Bildrechte: dpa

Draußen ist es kalt, die Woche war hart – da ist die warme Badewanne ein altes Hausmittel gegen Stress und kalte Füße. Und auch danach will niemand im Kalten sitzen. Also wird die Heizung aufgedreht.

Privatverbraucher angehalten, Energie zu sparen

Doch Genüsse dieser Art sollen nach Möglichkeit in Zukunft seltener stattfinden. Denn vor dem Hintergrund des Ukraine-Konflikts drohen russische Erdgaslieferungen wegzubrechen. Der Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck appelliert deshalb, zu sparen. Und zwar bei den privaten Haushalten: "Jeder Kubikmeter, der nicht verfeuert wird, der hilft."

Aber warum sollten diese Kubikmeter ausgerechnet von den Privatverbrauchern nicht verfeuert werden? Immerhin sind Industrie und Haushalte in puncto Gasverbrauch gleichauf. Nach Zahlen des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) verbrauchte 2021 die Industrie 366 Milliarden Kilowattstunden, die Haushalte 306.

Minimales Sparen schaffe große Verbauchsminderung

Der Unterschied liegt aber woanders: Energiesparen ist in Privathaushalten besonders einfach. So heißt es in einer Analyse des BDEW: "Als Faustregel kann gelten, dass eine Reduzierung der Raumtemperatur in der Heizperiode um ein Grad eine Verbrauchsminderung von etwa fünf bis sechs Prozent bewirkt."

Hinzu kommen einfache Handlungen wie richtiges Lüften. Also statt den ganzen Tag bei gekipptem Fenster heizen – regelmäßig stoßlüften. Eine Maßnahme, mit der Verbraucher bis zu 155 Euro im Jahr sparen können.

Spar-Tipps in Industrie nicht umsetzbar

Doch diese Kniffe funktionieren in der Industrie eben kaum bis gar nicht. Besonders da in einigen Sektoren Erdgas für energieintensive Prozesse gebraucht wird, die hohe Temperaturen erfordern, wie Schmelzen oder Härten. Im Chemie-Sektor – der Branche mit dem höchsten Verbrauch – dient Erdgas zudem als Rohstoff für andere Produkte.

An zweiter Stelle beim Gasverbrauch folgt die Lebensmittelindustrie, aufgrund der verschiedenen Herstellungsverfahren erklärt Peter Feller, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands deutsche Ernährungsindustrie: "Das hängt eben damit zusammen, dass man das Erdgas benötigt für die verschiedenen Prozessschritte in der Herstellung: Kochen, Braten, Dünsten."

BDEW: Ernährungsindustrie hat größtes Einsparpotential

Und dennoch sieht die Analyse des BDEW in der Ernährungsindustrie noch das größte Einsparpotential. Dort könnte Erdgas am ehesten durch andere Energieträger ersetzt werden. Doch das gehe nicht über Nacht, sagt Peter Feller vom Bundesverband deutsche Ernährungsindustrie: "Also da müssten Investitionen getätigt werden, um die Anlagen umzurüsten, das braucht eine ganz andere Infrastruktur. Das sind auch Maßnahmen, die nicht so schnell umsetzbar sind."

Bei dem Appell an die Haushalte, Energie zu sparen, geht es also nicht darum, Privatverbraucher in die Pflicht zu nehmen, weil sie am meisten verbrauchen.

Vielmehr sind sie die, die schnell und einfach sparen können. Im Gegensatz zur Industrie, die mehr Zeit für eine Umstellung bräuchte.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 01. April 2022 | 06:27 Uhr

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