Energieversorgung Umweltschützer sind gegen Fracking

Bei Überlegungen zu einer unabhängigeren Energieversorgung Deutschlands bringen einige Politiker und Wissenschaftler Fracking auf den Tisch. Die Methode zur Gasgewinnung ist umstritten. Umweltverbände sind dagegen, manche Fachleute sprechen sich jedoch für eine standortspezifische Untersuchung aus.

Fracking von Schiefergas
Bildrechte: Anita Starzycka via Pixabay

Fracking ist in Deutschland eigentlich ein alter Hut. Viele wissen das nicht: Aber in der Bundesrepublik wird seit den Sechzigern erlaubterweise gefrackt – und zwar in sogenannten konventionellen Lagerstätten, wie Sand- oder Kalkstein. Die strittige Fracking-Variante ist die in unkonventionellen Lagerstätten wie Schiefer-, Ton-, Mergel-, und Kohleflözgestein.

Einige Wissenschaftler vertreten die Auffassung, dass auch diese Art des Fracking beherrschbar ist und keine Gefahr besteht – etwa durch möglicherweise austretende Giftstoffe. Einer von ihnen ist Mohammed Amro von der TU Freiberg: "Ich sehe ehrlich gesagt keine Gefahren, solange man sich an die Regeln hält. Es gibt bestimmte Limitationen für diese Methode. Zum Beispiel die Tiefe. Ich sage immer: Tiefer als 1.000 Meter darf man ein 'Frac' planen. Aber nicht in geringeren Tiefen. In der USA hat man bei 600 Meter gefrackt. Und da gab es Umweltschäden."

BUND: Rücklauf von Giftstoffen

Anders sieht man das beim BUND. Die Umweltorganisation setzt sich seit Jahren gegen das unkonventionelle Fracking ein. Es bestünden massive Gefahren für Mensch und Natur, sagt BUND Energie- und Klimareferent, Oliver Powalla: "Das liegt daran, dass beim Fracking einerseits Chemikalien benutzt werden, um das Gas aus dem Boden zu holen." Außerdem entstünde dadurch, dass Wasser, Sand und ein Gemisch aus Chemikalien in den Boden gegeben werde, ein Rücklauf, der zum Teil natürliche radioaktive Stoffe oder auch Quecksilber aus dem Boden hole.

Damit werde ein Giftcocktail in die Erde eingebracht – und auch rausgeholt. Böden und Gewässer könnten verunreinigt werden, erklärt der BUND.

Unkonventionelles Fracking in Deutschland verboten

Die Einschränkung "könnte" ist wichtig, denn unkonventionelles Fracking findet in Deutschland nicht statt. Es ist laut Wasserhaushaltsgesetz seit 2017 explizit verboten. Entsprechend habe man in der Bundesrepublik keine Erfahrung damit, sagt Holger Weiß. Weiß ist stellvertretender Leiter der Umweltinformatik des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung in Leipzig – und Mitglied der Expertenkommission Fracking, die den Bundestag berät.

Erlaubt sei maximal eine Anzahl von vier Forschungsbohrungen, um die Auswirkungen in diesem Gestein zu untersuchen. "Die Auswirkungen für die Umwelt, auf das Grundwasser und so weiter." Dazu seien noch keine Anträge gestellt worden, seit das Wasserhaushaltsgesetz in Kraft sei. "Wir als Expertenkommission wären eigentlich dafür da, solche Forschungsbohrungen wissenschaftlich zu begleiten", erklärt Weiß.

Experte: Fracking-Vorhaben standortspezifisch prüfen

So weit sei es aber eben noch nicht, sagt Weiß. Bislang trage man lediglich die wissenschaftlichen Erkenntnisse und technischen Neuerungen aus anderen Ländern zusammen. Die Frage, ob unkonventionelles Fracking Umwelt- oder Gesundheitsrisiken birgt, könne man also nicht pauschal beantworten.

In jeder eigenen geologischen Formation herrschten bestimmte Bedingungen, die woanders nicht herrschten, erklärt Weiß. Insofern müssten Fracking-Vorhaben immer standortspezifisch untersucht werden – dafür stehe die Expertenkommission bereit.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 12. April 2022 | 06:08 Uhr

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