Jahresrückblick Zahl der Hackerangriffe auf neuem Höchststand in 2021

Ein großer Mann mit Locken und Brille steht vor einer Betonwand.
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Einen Begriff haben wir in diesem Jahr sicher gelernt: Ransomware – Erpressungssoftware, mit der kriminelle Hacker versuchen, Geld bei Unternehmen oder Behörden zu erpressen, indem sie die Computersysteme dort verschlüsseln und versprechen, sie erst wieder freizugeben, wenn Geld geflossen ist. 2021 war erneut ein Rekordjahr für Hackerangriffe.

Ransomware - Hacker - Schadsoftware
Für Cyber-Krimininelle war 2021 erneut ein Rekordjahr. Bildrechte: imago images/Westend61

2021 gibt es eine schier unendliche Liste von IT-Vorfällen: ein Pipeline-Betreiber in den USA, ein Fleischproduzent in Australien, der irische Gesundheitsdienst, Mediamarkt-Saturn, die Uni Leipzig, FAM in Magdeburg, die Stadt Schwerin, die Stadtwerke Wismar – und natürlich der Landkreis Anhalt-Bitterfeld. Ziel der Kriminellen: Geld erpressen.

Hauptsitz der Kreisverwaltung des Landkreises Anhalt -Bitterfeld 3 min
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Nach dem Cyber-Angriff Anfang Juli, bei dem alle Computer verschlüsselt wurden, kann der Landkreis Anhalt-Bitterfeld immer noch nicht wie gewohnt arbeiten.

MDR SACHSEN-ANHALT Mi 20.10.2021 10:08Uhr 03:03 min

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In Anhalt-Bitterfeld machte sich das ganze Ausmaß des Cyber-Angriffs nicht sofort bemerkbar: Zuerst hätten E-Mail-Server nicht mehr funktioniert, erzählt Sabine Griebsch, die die Technische Einsatzleitung in Anhalt-Bitterfeld übernommen hatte. "Am nächsten Tag, als das Telefon klingelte und das Amt für Brand, Katastrophenschutz und Rettungswesen sagte, es werden Dateien auf ihrem Laufwerk verschlüsselt... Spätestens am zweiten Tag, als bei dem Administrator, bei dem wirklich alle Sicherheitsanforderungen beachtet wurden, mit einmal der Rechner verschlüsselte – da haben wir dann gemerkt, das ist keiner der üblichen Sicherheitsvorfälle."

Hohe Dunkelziffer bei Hackerangriffen vermutet

In diesem Jahr hat es auch viele Behörden erwischt. Das Gesundheitsamt Ludwigslust-Parchim zum Beispiel kann deshalb seit Oktober keine Corona-Daten ans RKI melden. Das Bundesamt für die Sicherheit in der Informationstechnik hat in diesem Jahr 144 Millionen Schadprogramm-Varianten gezählt – 20 Prozent mehr als im Vorjahr. Doch das sind nur die, die bekannt geworden sind. Die Allianz-Versicherung schätzt, dass die Hackerangriffe sogar um mehr als 125 Prozent zugenommen haben.

Das koste ohnehin schlecht besetzte Kommunalverwaltungen viel Kraft, sagt Sabine Griebsch. "Das erste, was wir getan haben, war, uns mit der Sparkasse in Verbindung zu setzen und uns die Kontoauszüge anzuschauen – was wir den Leuten im letzten Monat ausgezahlt haben." Man sei natürlich im ersten Moment stocksauer, weil man wisse, dass man einfach die nächsten Monate nonstop zu tun haben werde. "Letztendlich ist es ein Sicherheitsvorfall, wie er zum ersten Mal in der Größe vorkam, aber nicht zum letzten Mal in der öffentlichen Verwaltung sein wird."

Jährliche Hackerangriffe könnten weiter zunehmen

Das sieht auch Marian Kogler so. Er ist Chef von Syret in Halle, einer Firma, die zu IT-Sicherheit berät und auch die Systeme ihrer Kunden auf Herz und Nieren prüft. "Aber man muss dazu sagen, es gab diesen Peak nicht nur in der öffentlichen Verwaltung, sondern auch bei Unternehmen in der Privatwirtschaft. Und man muss auch dazu sagen, in den letzten Jahren haben diese Angriffe jedes Jahr zugenommen. Es würde mich nicht wundern, wenn es 2022 einen neuen Höchststand gibt."

IT-Experte Kogler aus Halle ist also wenig überrascht, wenn IT-Kriminelle Geld erpressen wollen. Aber zuletzt war er überrascht, wie raffiniert sie vorgehen: Wenn sie nämlich direkt Hersteller von Software infiltrieren und diese dann ihre infizierte Software weltweit verteilen. Der Fachbegriff dafür: Supply-Chain-Attack – Lieferketten-Angriff.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 31. Dezember 2021 | 06:00 Uhr

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