Datenschutz Kann das Handy mithören?

Michael Voß, Autor und Redakteur
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Ob man nach Urlaubszielen oder Weihnachtsgeschenken sucht. Oft bekommt man im Anschluss passende Werbung angezeigt – dank der Cookies. MDR-AKTUELL-Hörerin Wiebke Wertz aus Berlin wundert sich jedoch darüber, wie das auch ohne direkte Nutzung des Handys geschehen kann.

Auf einem Mobiltelefon wird der Punkt Datenschutz in den Einstellungen ausgewählt.
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"Ich habe mich neulich mit meinem Freund über Oldtimer unterhalten und auf einmal bekomme ich auf Social Media extrem viele Werbeanzeigen zu Oldtimern. Kann es sein, dass mein Telefon mithört und die Daten auswertet?", fragt sich unsere Hörerin. Die Antwort der Fachleute ist klar und eindeutig. "Technisch ist das möglich", sagt Thomas Uhlemann, Sicherheitsspezialist im beim IT-Dienstleister Eset in Jena. Und es gebe auch vernünftige Gründe, weshalb das so sein müsse.

"Die Handys haben ja Mikrofone integriert – müssen sie auch, damit wir die Telefonfunktion nutzen können. Und alle möglichen Apps verlangen natürlich Zugriff auf diese Mikrofone, um zum Beispiel Sprachnachrichten aufzuzeichnen oder auch Videos, mit Ton am besten." Doch wer kann garantieren, dass nur dann mitgehört wird, wenn der Handy-Besitzer das erlaubt? Können die Anbieter Apple auf den iPhones und Google auf den Android-fähigen Geräten mithören?

Emojis nebeneinander angeordnet. Darunter der Titel des Themen-Dossiers: Das Phänomen Influencer.
Influencer-Marketing ist ein lukratives Geschäft: Passgenaue Werbung mittels erfolgreicher Testimonials. Neben Ware wird mittlerweile auch Meinung verkauft - oder zumindest gemacht. Influencer - ein Traumberuf? Bildrechte: MDR MEDIEN360G

Sprachassisten reagieren auf Stichwort

Google hat den Assistant, der auf Sprachbefehle hört. "Ok Google, wie wird das Wetter morgen." – "Morgen wird es in Leipzig überwiegend bewölkt bei Temperaturen zwischen 6 und 11 Grad."

Das funktioniert nicht nur bei den entsprechenden Tischgeräten und Displays, sondern auch auf dem Handy. Also muss das Handy jederzeit mithören. Allerdings mit einer Einschränkung, wie Google schriftlich mitteilen lässt: "Grundsätzlich wichtig ist, dass Google Assistant nur dann zuhört, wenn das Aktivierungswort "Hey Google" oder "Ok Google" genannt wird.

Was nicht ganz richtig ist, denn um auf "Hey Google" zu reagieren, muss ja schon vorher zugehört werden. Tatsächlich wird erst nachdem die App auf dem Handy diese Aktivierungsworte hört, der dann folgende Satz via drahtloses Internet auf die Google Server übertragen. Und dort entscheiden dann die Algorithmen, welche Antwort es darauf gibt und übertragen es über denselben Weg wieder zum Handy.

Verbrauchtes Datenvolumen gibt Aufschluss

Wenn alles mitgehört und auf die Server von Apple oder Google geschickt werden würde, müssten Massen an Daten über das mobile Internet übertragen werden. Ob das so ist, kann jeder in den Einstellungen seines Handys und auf der Rechnung seines Telefonanbieters kontrollieren, erklärt der Sicherheitsspezialist Thomas Uhlemann: "Wenn ich also feststelle, dass mein Datenvolumen relativ schnell aufgebraucht ist, und ich bin mir sicher, dass ich nicht irgendwelche Videos geschaut oder online gespielt habe, dann wäre das natürlich ein Indiz. Das kommt bei den wenigsten Menschen vor, was wiederum ein Hinweis darauf ist, dass die ständige Überwachung doch nicht stattfindet."

Überwachung findet nicht akustisch statt

Wenn die Handys also nicht mithören, weshalb taucht dann Werbung zu Themen auf, über die man nur gesprochen, aber nie geschrieben hat?

Weil die Überwachung doch stattfindet, nur nicht akustisch: Google, Apple, Facebook und viele andere Apps verfolgen die Standorte der Smartphones, wenn die Funktion nicht explizit ausgeschaltet ist. Zusätzlich erfahren insbesondere Google, über Suchanfragen, und Facebook, über Kommentare, Fotos und Storys, viel über das Leben ihrer Nutzer: Hochzeiten, Reisen, Nachwuchs, Trennungen, schwere Krankheiten – es ist alles nachlesbar und auswertbar.

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Wenn zwei Handys unterschiedlicher Besitzer, A und B, längere Zeit an ein und demselben Standort waren, ist es wahrscheinlich, dass deren Besitzer miteinander gesprochen haben. Wenn sich beide öfter treffen, kann man davon ausgehen, dass sie sich gut kennen. Wenn Nutzer A gerade geheiratet hat, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass A beim realen Treffen mit B über diese Hochzeit spricht. "Mit Wahrscheinlichkeiten zu arbeiten ist tatsächlich heute ohne Probleme möglich. Die Rechen-Power ist da. Die Algorithmen dazu sind da", sagt Uhlemann.

Was die Algorithmen genau machen, bleibt ein Geheimnis der Unternehmen. Aber die gesammelten Daten kann zumindest bei Google jeder Nutzer in seinem persönlichen Konto anschauen und auch löschen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 22. November 2021 | 06:00 Uhr

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