Hörer machen Programm Leichter als Luft: Hat der Zeppelin noch eine Zukunft?

Jan Kröger, Moderator und Redakteur
Bildrechte: MDR/Karsten Möbius

Zu viele Lastwagen auf den Autobahnen, das Schienennetz nicht gut genug ausgebaut – wenn es um den Güterverkehr in Deutschland geht, liegt einiges im Argen. Doch was wären Alternativen, die im besten Fall auch noch das Klima schonen? MDR AKTUELL-Hörer Ralf Zumpe aus Königstein hat sich an die "Leichter-als-Luft"-Technologie erinnert: Luftschiffe oder Zeppeline. Er fragt, was daraus geworden sei und ob es noch derartige Projekte in Deutschland und der Welt gebe.

Passagier - Luftschiff am Himmel
Punktet derzeit leider nur bei der Klimafreundlichkeit: der Zeppelin. Bildrechte: coclourbox

92 Meter lang, 42 Meter breit: der Airlander – eine britische Produktion und die derzeit größte Hoffnung der Branche. Streng genommen ist sie nicht leichter als Luft, sondern ein Hybrid-Luftschiff: Es ähnelt einem Zeppelin, hat aber zusätzlich wie ein Flugzeug Tragflächen. Eine Last von zehn Tonnen könnte der Airlander transportieren, bis 2025 soll er fertig sein.

Markt bietet in allen Bereichen effizientere Alternativen

Uwe Apel, Professor für Luft- und Raumfahrttechnik in Bremen, beobachtet aufmerksam, was die Briten planen – ist aber skeptisch. "Es geht beim Airlander letztlich um einen Prototyp, wo sich aber schon gezeigt hat, dass er noch gewisse technische Schwächen hat. Und gleichzeitig ist für mich immer noch nicht klar, auf welchen Markt der eigentlich abzielt."

Ein Lastwagen ist leichter verfügbar, ein Flugzeug schneller, ein Schiff kann deutlich mehr transportieren. Das ist laut Uwe Apel das Problem der Luftschiffe. Zumindest in dicht besiedelten Industrieländern wie Großbritannien oder Deutschland. "Das eine ist, wir sind ein Land mit einer extrem dicht vorhandenen Verkehrsinfrastruktur. Dass die nicht immer optimal genutzt wird, ist eine andere Frage." Und der Luftraum sei durch die jetzigen Systeme schon so stark in Anspruch genommen, dass dort die relativ langsamen Transportluftschiffe überhaupt keinen Platz mehr hätten.

Und dann ist da noch die Finanzierung: Zeppelin-Bauer seien häufig Enthusiasten, so Apel. Doch bei den ersten ernsthaften Schwierigkeiten gehe ihnen das Geld aus. So war es auch beim wohl bekanntesten deutschen Beispiel: Cargolifter. Firmenchef Carl-Heinrich von Gablenz meint: "Der Knack kam eigentlich mit dem 11. September. Danach ist die Finanzwelt zusammengebrochen und da ging nichts mehr. Wenn das nicht gewesen wäre, sondern der Zeitgeist noch zwei, drei Jahre angehalten hätte, dann hätten wir das auch geschafft." 2002 meldete Cargolifter Insolvenz an.

Zeppelin als Transportfahrzeug nur mit politischer Vorgabe möglich

Die einzigen Zeppeline, die heute über Deutschland unterwegs sind, fliegen für gut zahlende Touristen, zum Beispiel am Bodensee. Dass sie eines Tages hierzulande auch Waren transportieren, will Luftfahrt-Professor Uwe Apel nicht ausschließen. Doch dafür brauche es eine politische Vorgabe. "Aus meiner Sicht ist der einzige Ansatz der klimapolitische Ansatz."

Wenn man jetzt tatsächlich eine politische Entscheidung treffen wolle, um den bisherigen Flugverkehr zu reduzieren, dann müsse man Alternativen bieten können. "Und dann kommt vielleicht das Thema 'Leichter als Luft' wieder ins Spiel, weil man die gleichen Mengen mit deutlich weniger Verbrauch bewegen könnte – allerdings auch langsamer."

Doch wenn es um den CO2-Ausstoß im Luftverkehr geht, setzt die künftige Ampel-Regierung vor allem auf die Entwicklung synthetischer Kraftstoffe. Die Leichter-als-Luft-Technik taucht nicht im Koalitionsvertrag auf. Auch auf Anfrage gab es von SPD, Grünen oder FDP keine weitere Aussage dazu.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 30. November 2021 | 06:00 Uhr

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