TÜV Mobility Studie Auto und Rad sind "Corona-Gewinner"

Eine Umfrage zum Verkehrsverhalten in Deutschland zeigt, dass in der Corona-Pandemie der Individualverkehr mit dem Auto und Fahrrad zugelegt hat. Weitere Erkenntnisse: Der ÖPNV und die Elektromobilität brauchen Förderung. Der TÜV beklagt zudem Lücken bei der unabhängigen Kontrolle von Fahrassistenzsystemen. MDR AKTUELL stellt die Studie vor und hat bei TÜV-Verbandschef Joachim Bühler nachgefragt.

Verschiedene Verkehrsmittel in der Innenstadt, Busse, Bahnen, Fahrräder und Autos am Hauptbahnhof Essen.
Die Corona-Pandemie hat den Individualverkehr befördert und zum Rückgang der Zahlen im ÖPNV geführt. Bildrechte: IMAGO / Rupert Oberhäuser

Eine neue Studie zum Mobilitätsverhalten in Deutschland zeigt teils widersprüchliche Entwicklungen: Befördert durch die Corona-Pandemie wächst der Individualverkehr, vor allem mit dem Fahrrad. Doch das Auto bleibt Verkehrsmittel Nummer eins – nicht nur im ländlichen Raum. Mit Abflauen der Pandemie steigt wieder das Interesse am ÖPNV – am besten kostenlos.

Verbesserungsbedarf wird bei der Radinfrastruktur gesehen und insgesamt bei der Verkehrswende hin zur Elektromobilität. Problemfelder sind auch die Kontrolle von Fahrassistenzsystemen und der Zugang zur Software der Autobauer. Zur Nachhaltigkeit von E-Autos und geplanten Freigabe von Cannabis gibt es Informationsdefizite.

Welche Verkehrsmittel werden am stärksten genutzt?

Im Vergleich zur Befragung vor zwei Jahren zeigt sich bei Fußgängern ein leichter Rückgang, Rad, Motorräder und Autos legten zu. Dabei fällt das Plus beim Auto größer aus als beim Rad. Das überrascht, da es den Absatzzahlen widerspricht: Der Verkauf von Fahrrädern hat im Zeitraum 2020 bis 2022 kräftig zugelegt, der Auto-Absatz ist gesunken.

Deutlich abgenommen hat die Nutzung von Bus und Bahnen. Grund dafür dürfte vor allem das Infektionsrisiko in der Pandemie gewiesen sein. Das Auto ist deutschlandweit Hauptverkehrsmittel. Mit der Einwohnerzahl des Wohnortes steigt jedoch die Nutzung von Öffentlichen Verkehrsmitteln und Fahrrädern, wobei in Großstädten Busse und Bahnen dann wieder vor dem Rad liegen. Bei der Frage nach Änderungen insgesamt im Mobilitätsverhalten zeigte sich ein klarer Trend zum Fahrrad.

Wie läuft es mit der Elektro-Mobilität?

Beim Wechsel hin zur E-Mobilität zeigte die Studie widersprüchliche Ergebnisse: Ein Viertel der Befragten tendiert beim Autokauf zum Elektroauto, doch mehr als die Hälfte bleibt wohl vorerst beim Verbrennermotor.

Als Hauptprobleme für einen Umstieg aufs E-Auto werden weiterhin die mangelnde Reichweite, unzureichende Lademöglichkeiten, lange Ladezeiten und der hohe Kaufpreis gesehen. Dabei hat sich bei diesen Kritikpunkten nach Angaben von TÜV-Verbandschef Joachim Bühler in den vergangenen zwei Jahren einiges getan.

Auch zeigt die Studie Informationsdefizite auf. So gibt es bei vielen Befragten Zweifel, ob E-Autos tatsächlich nachhaltig und ökologisch sind. Das gilt auch für Fahrassistenzsysteme, mit denen die Hälfte der Befragten kaum Erfahrung hat.

Verkehrsinfrastruktur / Tempolimit / Cannabis

Acht von zehn Befragten unterstützen die Idee eines kostenlosen Öffentlichen Personen-Nahverkehrs und den Ausbau der Angebote im Bahn- und Busverkehr. 70 Prozent befürworten auch Erweiterungen der Radwege. Ferner findet eine Förderung von E-Bikes und Lastenrädern Unterstützung. Mehrheitlich Vorbehalte gibt es gegen Tempobeschränkungen, eine Maut oder Fahrverbote in Innenstädten.

Unsicherheit herrscht wegen der geplanten Legalisierung von Cannabis. 42 Prozent der Studienteilnehmer fühlten sich unzureichend informiert über die Folgen im Straßenverkehr.

Wie werden Fahrassistenzsysteme und Verkehrssicherheit bewertet?

Bei modernen Fahrassistenzsystemen wie Spurhaltetechnik gibt es noch Informationsdefizite. Jeder zweite Befragte hat damit keine Erfahrung und erwartet etwa durch autonome Systeme (Autopilot) nicht mehr Sicherheit im Straßenverkehr.

Zudem zeigten sich mehr als die Hälfte der Befragten überrascht, dass auch Assistenzsysteme verschleißen. Als Beispiel nannte Bühler die Genauigkeit von Sensoren. Knapp jeder zweite Befragte hält eine bessere Schulung für moderne Assistenzsysteme für nötig.

Drei Viertel der Umfrageteilnehmer sprachen sich für eine regelmäßige unabhängige Kontrolle von Assistenzsystemen aus. Auf Nachfrage von MDR AKTUELL erläuterte Bühler, dass die gesetzlichen Regelungen dazu hinter der technologischen Entwicklung zurückgeblieben seien. Hier sei die Politik gefragt, damit etwa der TÜV besseren Zugang zur Software der Autos erhalte. Für Pedelecs und Lastenräder ist Bühler zufolge keine regelmäßige TÜV-Kontrolle geplant.

Methodik Grundlage der Mobilitäts-Studie ist eine repräsentative Umfrage des Marktforschungsinstituts Ipsos im Auftrag des TÜV-Verbands unter 1.000 Personen ab 16 Jahren im Februar 2022.

TÜV-Verband, (ans)

Corona-Verkehrsbremse + Text 45 min
Bildrechte: MDR

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | MDR AKTUELL RADIO | 04. Mai 2022 | 14:15 Uhr

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