MDR-Spendenaktion Medikamente für die Ukraine – Helfen Sie mit!

Gemeinsam mit den Apothekerverbänden in Mitteldeutschland und dem Deutschen Medikamenten-Hilfswerk "action medeor" sammelt der MITTELDEUTSCHE RUNDFUNK Spenden für "Medikamente für die Ukraine". Apotheker Friedemann Schmidt ist Präsident der Sächsischen Landesapothekerkammer und erklärt, was vor Ort fehlt.

Ein Mann verpackt Hilfsgüter
Aus dem Lager des Medikamentenhilfswerks action medeor e.V. werden medizinische Hilfsgüter in die Ukraine verschickt. Bildrechte: action medeor

Alle Informationen zu Spendenaktion und Bankverbindung

MDR-Zuschauerinnen und -zuschauer können spenden an action medeor e.V.
Stichwort: MDR Ukraine
Sparkasse Krefeld
IBAN: DE 78 3205 0000 0000 0099 93

Welche Medikamente werden gebraucht?

Friedemann Schmidt: Jeder hat natürlich jetzt die Bilder von verletzten und verwundeten Menschen vor Augen, die dringend eine medizinische Versorgung brauchen. Dazu benötigen die ukrainischen Krankenhäuser Verbandmaterial, Infusionslösungen, Medikamente zur Narkose und OP-Ausstattung. Aber genauso wichtig ist die ganz normale medizinische und pharmazeutische Versorgung akut und chronisch Kranker in der Zivilbevölkerung. Menschen mit Nierenversagen müssen eine regelmäßige Dialyse erhalten, da sie sonst sterben. Diabetiker benötigen Insulin, Krebspatienten brauchen Schmerzmittel und müssen ihre Therapien weiterführen, um nur drei Beispiele für lebensnotwendige Arzneimittel zu nennen. In unserem Land beklagen wir oft genug Lieferengpässe einzelner Wirkstoffe. In der Ukraine fehlt es derzeit an praktisch allem.

Friedemann Schmidt
Friedemann Schmidt ist Apotheker und Präsident der Sächsischen Landesapothekerkammer. Bildrechte: ABDA

Warum sollen die Spenden an das Medikamentenhilfswerk "action medeor e.V." gehen?

Friedemann Schmidt: action medeor bezeichnet sich selbst zu Recht als die "Notapotheke der Welt" und hat riesige praktische Erfahrungen mit der Logistik großer Mengen von Medikamenten und Medizinbedarf, die sie selber beschafft, einlagert und direkt in die Krisengebiete der Welt liefert. Die Ukraine ist ein entwickeltes Land in Europa und verfügt über hochqualifizierte medizinische und pharmazeutische Fachkräfte, denen es derzeit aber an Material und Medikamenten fehlt. Die Ärzte und Apothekerverbände der Ukraine haben deshalb alle europäischen Partnerorganisationen um Hilfe gebeten. Die Apothekerinnen und Apotheker in Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt unterstützen diese Aktion und beantworten gerne Fragen von allen, die helfen wollen.

Warum macht es keinen Sinn, seine eigene Hausapotheke zu leeren?

Friedemann Schmidt: In der Hausapotheke der meisten Familien finden sich die am individuellen Bedarf orientierten Medikamente für die Familienangehörigen in kleinen Packungseinheiten. Für eine gezielte Versorgung über die Strukturen des ukrainischen Gesundheitswesens sind solche Arzneimittelspenden nicht geeignet, der Aufwand zur Bearbeitung der Spenden im Zielland ist viel zu hoch. Außerdem müssen die Beschriftung und die Beipackzettel in Landessprache sein, wenn die Medikamente direkt an Patienten gehen.

Vereinzelt gibt es Aufrufe im Internet, was man hinschicken sollte. Warum ist das nur bedingt sinnvoll?

Friedemann Schmidt: Unter den Bedingungen von Krieg oder Naturkatastrophen kommt es auf die Logistik an. Aufgrund der immer begrenzten Transportkapazitäten muss eine zielgenaue Priorisierung erfolgen, also eine Auswahl der Spendengüter nach ihrem Nutzen im Zielland. Die deutschen Hilfsorganisationen haben unschätzbare Erfahrungen auf diesem Gebiet und verfügen über Partner vor Ort, die diese Priorisierung vornehmen können. Die action medeor ist bereits zwei Tage nach Kriegsbeginn mit Hilfsgütern in die Ukraine gefahren. In Ternopil in der Westukraine gibt es ein Zentrallager, von dem aus die Medikamente weiter verteilt werden, sie sind also direkt vor Ort.

Warum sind Geldspenden besser als Medikamente?

Friedemann Schmidt: Oftmals ist es möglich, Arzneimittel und Medizinbedarf zumindest teilweise im Zielland oder in den unmittelbaren Nachbarländern, beispielsweise in Polen, zu kaufen. Das erleichtert den Transport und spart Kosten. Mit Geldspenden kann eine Hilfsorganisation schnell und flexibel auf einen veränderten Bedarf reagieren. Sachspenden müssen in der Regel aufwändig sortiert und speziell für den Transport vorbereitet werden, das verursacht Aufwand und Kosten.

FAQ: Fragen und Antworten zur Spendenaktion "Medikamente für die Ukraine"

MDR, Apothekerverbände in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen sowie das Deutsche Medikamenten-Hilfswerk "action medeor" rufen gemeinsam zu Spenden auf.

Wie lautet das Spendenkonto?

action medeor e.V.
Stichwort: MDR Ukraine
Sparkasse Krefeld
IBAN: DE78 3205 0000 0000 0099 93
Onlinespende: www.medeor.de/mdr

Kann ich auch in der Apotheke spenden?

Nein, aber die Apotheken in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen haben Flyer mit allen Infos zur Aktion und zum Spendenkonto.

Warum soll ich an "action medeor e.V." spenden?

Action Medeor ist nach eigenen Angaben das größte Medikamenten-Hilfswerk Europas. Es hat jede Menge Erfahrung, denn seit Jahrzehnten sendet die Organisation in humanitären Krisensituationen Hilfslieferungen mit Medikamenten und medizinischem Equipment in die betroffenen Regionen.

Action Medeor hat die Logistik und das Know-How, Hilfstransporte schnell und effizient auf den Weg zu bringen. Das zeigt sich auch in der Hilfe für die Ukraine. Inzwischen sind mehrere Transporte mit Schmerzmitteln, Antibiotika, Verbandsstoffen, Nahtmaterial, Gipsverbänden, Infusionslösungen und medizinischen Geräten in einem Partnerkrankenhaus in der westukrainischen Stadt Ternopil angekommen. Dort ist auch eine Art Umschlagplatz für Medikamente und medizinische Hilfsgüter entstanden, von wo aus weitere Krankenhäuser in anderen Regionen der Ukraine versorgt werden können.

Als Mitglied des Deutschen Spendenrates verpflichtet sich action medeor e.V. zu Transparenz und zur Einhaltung hoher Qualitätsstandards. Außerdem ist action medeor e.V. Teil der "Aktion Deutschland hilft", dem Bündnis renommierter deutscher Hilfsorganisationen.

Was macht "action medeor e.V." sonst?

Das gemeinnützige Medikamenten-Hilfswerk, das seinen Hauptsitz in Tönisvorst am Niederrhein hat, engagiert sich seit über 55 Jahren weltweit für die Gesundheit von Menschen. Die Vision: "Kein Mensch soll an einer behandelbaren Krankheit sterben müssen." Es gibt fast 150 haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter. Medeor hat auch Zweigstellen in Tansania und Malawi aufgebaut.

Im Not- und Katastrophenfall ist action medeor in der Lage, Arzneimittel, medizinisches Material und Instrumente in wenigen Stunden in Katastrophengebiete zu schicken. Um das zu gewährleisten, hat action medeor ein 4000 qm großes Pharmazielager mit verschiedenen Medikamenten, Bedarfsartikeln und Geräten. Im letzten Jahr wurden fast 20.000 Pakete in 75 Länder verschickt.  

Das Medikamenten-Hilfswerk unterstützt aber auch die Ausbildung von Pharmazeutinnen und Pharmazeuten an Universitäten in Tansania und Ruanda, sowie eine Hebammenschule in Sierra Leone. Insgesamt gibt es derzeit 30 Gesundheitsprojekte, die von action medeor in aller Welt unterstützt werden, mehr als fünf Millionen Menschen werden damit erreicht.

Finanziert wird die Arbeit über Spenden und Fördergelder.

Was passiert mit meiner Spende?

Von den eingehenden Spenden werden Medikamente und medizinische Geräte für die Ukraine gekauft. Spendengelder werden zielgerichtet eingesetzt. Es werden genau die Medikamente besorgt, die vor Ort am dringendsten gebraucht werden.

Warum sind Geldspenden besser als Medikamente?

Hinter Sachspenden steht immer eine gute Absicht, aber Geldspenden sind flexibler und effizienter einsetzbar. So kann man die Auswahl und Menge an Medikamenten und Medizinprodukten der Bedürftigkeit vor Ort besser anpassen. Außerdem ist es meist teurer, kleine Einzelspenden zu verschicken, weil die Logistik aufwändiger ist.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 17. März 2022 | 21:00 Uhr

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Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

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