Analyse Die Grundrente funktioniert nicht – vor allem für Frauen

Seit dem 1. Januar ist ein Kernanliegen der Sozialdemokraten umgesetzt: die Grundrente. Ruheständler die trotz jahrzehntelanger Arbeit nur Minirenten erhalten, sollen mit ihr eigentlich einen Zuschlag erhalten. Doch eine Expertenanalyse kommt nun zu dem Ergebnis: Die Grundrente ist Murks.

Eine Frau mit einem Rollator geht durch einen Park
Viele Rentnerinnen und Rentner haben keinen Anspruch auf die Grundrente. Bildrechte: colourbox.com

Angenommen, eine Kassiererin hat ihr Leben lang in einem Supermarkt gearbeitet, davon viele Jahre in Teilzeit. Nun geht sie in Rente. Die wird aufgrund ihres geringen Einkommens ziemlich mager ausfallen. Die Grundrente würde ihr helfen. Jedoch wird sie keine bekommen. Und das hat zwei Gründe:

Grundrente gibt es erstens nur für Jahre, in denen man mindestens 30 Prozent des Durchschnittseinkommens verdient hat; und das ist bei Teilzeitarbeit selten der Fall. Zweitens erhält generell nur Grundrente, wer mindestens 33 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt hat. Auch diese Bedingung wird die Kassiererin wohl nicht erfüllen, erklärt Axel Börsch-Supan, Rentenexperte beim Max-Planck-Institut in München: "Das sind beides Kriterien, die für viele Leute nicht zutreffen – insbesondere für Frauen. Viele Frauen kriegen keine 33 Jahre zusammen. Insbesondere Frauen, die Teilzeit arbeiten, kriegen oft nicht 30 Prozent des Jahreslohns vom Durchschnitt. Die schließt man also systematisch aus. Und das halte ich nicht für gerecht."

Studie: Ein Viertel der Rentner hat keinen Anspruch

Das Max-Planck-Institut in München hat das in einer Studie genauer untersucht und kam zu dem Schluss: Knapp ein Viertel der als arm eingestuften Rentnerinnen und Rentner hat keinen Anspruch auf die Grundrente, weil die Latte für die Grundrente einfach zu hoch liegt, da Beitragsjahre fehlen oder zu wenig eingezahlt wurde.

Doch das sei nicht die einzige Ungerechtigkeit, erklärt Axel Börsch-Supan weiter. Denn wiederum können laut Studie viele Menschen Grundrente beziehen, obwohl sie keineswegs arm sind. Verantwortlich dafür sei ein weiterer Konstruktionsfehler der Grundrente: "Was man nicht gemacht hat, ist eine Vermögensprüfung einzuführen. Es gibt aber eine ganze Reihe von Leuten, die ein grundrentenfähiges Einkommen haben, aber auch ein relativ hohes Vermögen. Und das trifft auf relativ viele zu."

Keine klare Linie erkennbar

Menschen mit Eigenheimen zum Beispiel oder Menschen mit Kapitallebensversicherungen. Sie können Grundrente beziehen, vorausgesetzt ihr Einkommen war gering. Fast 70 Prozent, so hat das Max-Planck-Institut ausgerechnet, haben einen Grundrentenanspruch, obwohl sie gar nicht arm sind. Die Grundrente sei also doppelt ungerecht, erklärt Axel Börsch-Supan.

Um eine Bilanz zu ziehen, würde ich sagen, dass die Grundrente in ihrer jetzigen Konstruktion ein ganz fürchterlicher Murks ist.

Axel Börsch-Supan, Max-Planck-Institut München

Man sei ohne klare Linie viele Kompromisse eingegangen, bemängelt Börsch-Supan. "Keine der Parteien in der Großen Koalition hat sich durchsetzen können und dabei ist was herausgekommen, was weder Fisch noch Fleisch ist."

Ob die Grundrente reformierbar ist? Daran hat Axel Börsch-Supan seine Zweifel. Vor der Bundestagswahl auf keinen Fall, sagt der Rentenexperte weiter. Und wenn, dann auch nur durch eine neue Regierung.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 07. März 2021 | 06:00 Uhr

404 Not Found

Not Found

The requested URL /api/v1/talk/includes/html/55f1b41b-a23a-4c9e-9175-b1c968ae6c1e was not found on this server.

Mehr aus Politik

Der Thüringer Ministerpräsident Bodo Ramelow 4 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Mehr aus Deutschland