Schlechte Arbeitsbedingungen Umfrage: Ein Viertel der Klinikärzte erwägt Jobwechsel

Hohe Arbeitsbelastung und Personalmangel führen nach Angaben von Ärztinnen und Ärzten zu schlechten Arbeitsbedingungen an Deutschlands Kliniken. Ein Viertel denkt nach Angaben des Marburger Bundes deshalb über einen Berufswechsel nach.

Eine Mitarbeiterin legt Schutzkleidung an, um auf der Intensivstation ein Zimmer mit Corona Patienten zu betreten.
Die Ärztegewerkschaft Marburger Bund hat die Arbeitsbedingungen an deutschen Krankenhäusern scharf kritisiert. Bildrechte: dpa

An Deutschlands Kliniken denken immer mehr Ärztinnen und Ärzte über einen Berufswechsel nach. Nach einer Mitgliederbefragung der Ärztegewerkschaft Marburger Bund erwägt mittlerweile ein Viertel der Klinikärzte, den Job zu wechseln. Rund 8.500 angestellte Medizinerinnen und Medizinern wurden gefragt.

Wochenarbeitszeit deutlich über 50 Stunden

Als Gründe für die Unzufriedenheit nennen die Medizinerinnen und Mediziner etwa den ökonomischen Druck durch Arbeitgeber, mangelnde Vereinbarkeit von Beruf und Familie wegen vieler Überstunden sowie 24-Stunden-Dienste. "Man schuftet nur noch und wird irgendwann krank, weil man dem ganzen Druck nicht mehr standhalten kann", wird eine Ärztin zitiert.

Der Umfrage zufolge liegt die faktische Wochenarbeitszeit im Schnitt deutlich über 50 Stunden, ein Fünftel der Befragten berichtet sogar von 60-Stunden-Wochen. Das liegt auch am fehlenden Personal: Zwei Drittel der Ärztinnen und Ärzte beurteilen die personelle Besetzung ihrer Kliniken als "schlecht" oder "eher schlecht". Die daraus resultierenden Überstunden werden der Umfrage zufolge nur bei jedem Vierten finanziell vergütet. Insgesamt fehle es an Wertschätzung für die ärztliche Arbeit.

Zu wenig Zeit für Patientengespräche

Auch die Orientierung am ökonomischen Profit und die Folgen für die Beschäftigten wird von den Befragten beklagt: Es müsse für zwei Personen gearbeitet werden, eine Pause gibt es nicht. "Man hetzt von einer zur nächsten Aufgabe und priorisiert ständig neu, da laufend neue Tätigkeiten zur To-do-Liste hinzukommen", heißt es von einem Umfrageteilnehmer.

Susanne Johna, Erste Vorsitzende des Marburger Bund, spricht auf der zentralen Kundgebung des Marburger Bund auf dem Römerberg.
Susanne Johna, Vorsitzende des Marburger Bunds Bildrechte: dpa

Ebenfalls für Unzufriedenheit sorgt der hohe Aufwand für Bürokratie. In der Folge bleibe etwa zu wenig Zeit für Patientengespräche. "Wenn knapp 60 Prozent unserer Mitglieder sagen, sie würden drei Stunden und mehr ihrer Arbeitszeit mit Verwaltungstätigkeiten verbringen, können sie in dieser Zeit nicht für ihre Patienten da sein", sagte die Vorsitzende des Marburger Bundes, Susanne Johna. Entbürokratisierung müsse eine Priorität der Gesundheitspolitik werden. Sie kritisierte die Arbeitgeber, die während der Corona-Pandemie Arztstellen abgebaut haben. "Wer in dieser Situation Stellen streicht oder nicht nachbesetzt, stellt den finanziellen Gewinn über das Wohlergehen und die Gesundheit seiner Beschäftigten." Der Marburger Bund hatte zuletzt bereits eine Neuausrichtung des Gesundheitswesen gefordert.

Immer mehr Ärzte mit Teilzeitvertrag

Erschwert werde der Joballtag von Ärztinnen und Ärzten an Kliniken auch durch eine unzureichende Digitalausstattung, beklagte die Ärztegewerkschaft. Weil Systeme nicht funktionierten, müssten häufig dieselben Daten mehrfach eingegeben werden. Bei fast einem Drittel der in der Umfrage Befragten sei dies sogar häufig der Fall.

Gegenüber der Umfrage aus dem Jahr 2019 stieg der Anteil der Ärzte mit Teilzeitvertrag erneut. Im Jahr 2019 hatte der Wert bei 26 Prozent gelegen, nun stieg er auf 31 Prozent. 2013 waren es noch 15 Prozent gewesen.

dpa/AFP/epd/KNA (fef)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | Das Nachrichtenradio | 11. August 2022 | 16:00 Uhr

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