Machtkampf Weidel verteidigt AfD-Chef Chrupalla gegen parteiinterne Kritik

In NRW schaffte die AfD knapp den Wiedereinzug in den Landtag, in Schleswig-Holstein scheiterte sie kurz zuvor an der Fünf-Prozent-Hürde. Manche sehen die AfD schon auf dem Weg zur Regionalpartei des Ostens. Im parteiinternen Machtkampf wächst insbesondere die Kritik an AfD-Chef Chrupalla. Co-Fraktionschefin Weidel kontert nun, Kritik solle "niemals extern" geäußert werden.

Alice Weidel und Tino Chrupalla
Mit einer weiteren Wahlniederlage wächst die Kritik an AfD-Parteichef Chrupalla. AfD-Co-Fraktionschefin Weidel verteidigt ihn nun mit deutlichen Worten. Bildrechte: dpa

Im parteiinternen Machtstreit der AfD hat Fraktionschefin Alice Weidel ihrem Co-Fraktionschef und Parteivorsitzenden Tino Chrupalla den Rücken gestärkt. Die Verluste bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen müssten intern analysiert werden, sagte Weidel. Kritik solle "niemals extern" geäußert werden. Sie nannte es unkollegial und stillos, "die Schuld allein dem Bundessprecher zuzuschieben.

Auch sächsische AfD unterstützt Chrupalla

Am Montag hatte bereits Sachsens AfD-Fraktionschef Jörg Urban betont, der Landesverband stehe 100 Prozent hinter Chrupalla. Urban sagte MDR AKTUELL, Chrupalla vertrete den Osten im Bundesvorstand gut und sei niemand, der Streit suche. Für eine gute Doppelspitze gelte es nun, noch einen Vertreter des Westens aufzustellen.

Urban räumte ein, dass sich die AfD in schwierigem Fahrwasser befinde. Es sei wichtig, verschiedene politische Strömungen und Stile zuzulassen, ohne immer mit dem Finger aufeinander zu zeigen.

Offener Streit um künftigen Bundesvorstand

Nach der jüngsten Wahlschlappe in Nordrhein-Westfalen hatten parteiinterne Kritiker Chrupalla scharf attackiert. "Mit Tino Chrupalla endete die Erfolgsgeschichte der AfD", sagte Bundestagsabgeordnete Joana Cotar, die auch dem Bundesvorstand angehört. Chrupalla bilde weder die gesamte Partei ab noch überzeuge er bei den Wählern. Ähnlich äußerte sich Alexander Wolf, ebenfalls im AfD-Bundesvorstand. "Wir werden zunehmend als Außenseiter wahrgenommen."

Chrupalla selbst hatte die Kritik bereits am Montag mit der Forderung gekontert, den Bundesvorstand komplett neu aufzustellen. Dieser solle dann für eine "Disziplinierung" in der Partei sorgen. AfD-Vize Stephan Brandner wertete die Äußerungen von Cotar und Wolf gar als einen "wenig bis gar nicht durchdachten Aufstand zweier bei Bundes- und Landtagswahlen erfolgloser Beisitzer, die bis zuletzt an Meuthens Rockzipfel hingen und dessen destruktives Agieren fortsetzen".

Jörg Meuthen - ehemaliger AfD-Bundessprecher, im Videointerview 11 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Mitte Juni kommt die AfD zu ihrem Parteitag im sächsischen Riesa zusammen. Bei dem Treffen soll ein neuer Vorstand gewählt werden. Chrupalla kündigte bereits an, erneut für den Chefposten der Partei anzutreten. Mit wem er gemeinsam eine Doppelspitze anstrebt, will er in den kommenden Tagen bekanntgeben. Sollte Thüringens AfD-Chef Björn Höcke kandidieren, werde er aber gegen ihn antreten, erklärte Chrupalla.

AfD in NRW wählt neuen Fraktionschef

Bei der Wahl in Nordrhein-Westfalen am Sonntag war die AfD mit 5,4 Prozent nur knapp wieder in den Landtag gekommen. 2017 lag die Partei in dem Bundesland noch bei 7,4 Prozent. Die Stimmverluste reihen sich ein in eine Kette von Wahlniederlagen. In Schleswig-Holstein hatte die Partei eine Woche zuvor sogar erstmals den Wiedereinzug in einen Landtag verpasst.

Die AfD in NRW zog am Dienstag erste personelle Konsequenzen. Die Landtagsfraktion wählte Landesparteichef Martin Vincentz zu ihrem neuen Vorsitzenden. Damit lägen beide Spitzenposten nun "in einer Hand", hieß es. Nähere Gründe zum Wechsel wurden nicht genannt. Bisher hatte Markus Wagner die Fraktion geführt.

MDR, dpa, AFP (rnm)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 17. Mai 2022 | 16:45 Uhr

Mehr aus Politik

Karl Lauterbach (Bundesminister für Gesundheit, SPD) und Marco Buschmann (Bundesminister der Justiz) mit FFP2-Masken bei Plenarsitzung im Bundestag 3 min
Bildrechte: IMAGO / Christian Spicker

Mehr aus Deutschland

Mehrere Körbe Erdbeeren liegen auf einem Tresen. 4 min
Bildrechte: MDR/Carolin Büscher