Energiekrise Ost-Ministerpräsidenten sehen Aufbau Ost in Gefahr

Zum Tag der Deutschen Einheit haben die Ministerpräsidenten der ostdeutschen Bundesländer die Bedeutung von gesellschaftlichem Zusammenhalt betont. In der Energiekrise sehen sie aber auch eine Gefahr für die Erfolge des Aufbaus Ost.

Woidke, Haseloff und Kretschmer – 3 Männer
Reiner Haseloff (CDU), Dietmar Woidke (SPD) und Michael Kretschmer (CDU) Anfang September bei einem gemeinsamen Termin in der Lausitz. Bildrechte: picture alliance/dpa | Robert Michael

Die ostdeutschen Ministerpräsidenten sehen die Erfolge beim Aufbau Ost der vergangenen drei Jahrzehnte durch die Energiekrise in Gefahr.

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke sagte anlässlich des Tags der Deutschen Einheit der "Rheinischen Post", viele Ostdeutsche hätten die großen Strukturbrüche mit Massenarbeitslosigkeit in den 1990er Jahren noch sehr genau vor Augen. Deshalb sei es klar, dass die derzeitige Situation mit großer Sorge wahrgenommen werde. Viele hätten Angst, "dass ihnen alles wegbricht, was sie in drei Jahrzehnten mühsam aufgebaut haben".

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff erklärte ebenfalls, der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine gefährde auch die Erfolge des Aufbaus Ost. Der CDU-Politiker sagte der Zeitung, gerade in schwierigen Zeiten dürften sich die Deutschen aber nicht gegeneinander ausspielen lassen. Heute seien Solidarität und Gemeinsinn wichtiger denn je.

Reiner Haseloff, Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt 5 min
Bildrechte: dpa

Glas für Ramelow halbvoll – Kretschmer wirbt für Ost-Sicht

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) appellierte zum Tag der Deutschen Einheit ebenfalls an die Gemeinsamkeiten der Deutschen. Er betonte, der Prozess des Zusammenwachsens habe Brüche, aber auch viele positive Impulse. Für ihn sei das Glas trotz bestehender Probleme etwa bei den Lohnunterschieden zwischen Ost und West halb voll und nicht halb leer.

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland, es müssten unterschiedliche Sichtweisen in Ost und West akzeptiert werden, auch mit Blick auf den Krieg in der Ukraine. "Dieser Krieg wird ein Einschnitt sein, der als ein gemeinsames bitteres Erlebnis in das kollektive Gedächtnis der Deutschen eingehen wird", sagte Kretschmer. Es sei an der Zeit, nicht mehr nur in den Rückspiegel zu schauen, sondern die angebrochene Zeitenwende gemeinsam zu gestalten.

dpa(aju)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 03. Oktober 2022 | 09:00 Uhr

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