Nach 9 Euro-Ticket Wie realistisch wäre ein 29-Euro-Ticket im ÖPNV?

Noch bis Ende August kann das 9-Euro-Ticket genutzt werden. Wie es danach mit dem Angebot weitergeht, ist bisher unklar. Die Verbraucherzentralen schlagen deshalb das 29-Euro-Ticket als Nachfolger für den Regionalverkehr vor, der Fahrgastverband Pro Bahn hat eine ähnliche Idee.

Eine Regionalbahn der Deutschen Bahn
Nach Ende des 9-Euro-Tickets wird der Regionalverkehr wieder teurer - doch es gibt einige Vorschläge für dauerhaft günstige Angebote. Bildrechte: imago images / Future Image

Hört man sich unter den Bahnfahrenden in der Leipziger Innenstadt um, könnte man denken, dass das 9-Euro-Ticket schon eine kleine Verkehrswende erreicht hat: "Ich habe kein Auto und bin halt auf den Nahverkehr angewiesen, da finde ich das auf jeden Fall sehr gut."

9-Euro-Ticket müsse auch nach dem Sommer angeboten werden

Andere berichten davon, zwar ein Auto zu haben, aber während des Angebots auf den Nahverkehr umzusteigen. Man gebe mit der starken Nachfrage des Tickets "der Politik ein Zeichen, dass die Nachfrage besteht und das wir öffentlichen Nahverkehr mehr ausbauen müssen." Auch über die Sommermonate hinaus bestehe Interesse an dem 9-Euro-Ticket: "Könnten sie beibehalten und den Preis ein bisschen erhöhen, dann wird es vielleicht auch noch gekauft, meinetwegen 15, 20 Euro."

Und genau diese Idee hat auch der Bundesverband der Verbraucherzentralen gerade öffentlich gemacht. Ab September soll es für 29 Euro im Regionalverkehr quer durch Deutschland gehen, fordert der Verband. Marion Jungbluth leitet dort das Team Mobilität und weiß, dass allein mit den Tickets nicht der Betrieb am Laufen gehalten werden kann: "Dann ist auch immer noch ein hoher Zuschuss notwendig, aber den brauchen wir einfach, weil wir ja auch Klimaschutz dringend und ernsthaft machen wollen. Und als Gegenfinanzierung könnten wir uns auch das Abschmelzen der E-Auto-Prämie vorstellen."

Pro Bahn: Zahlungsbereitschaft für 365-Euro-Ticket da

Einen ähnlichen Vorschlag macht der Fahrgastverband Pro Bahn, er plädiert stattdessen allerdings für eine Orientierung an der österreichischen Variante des Klimatickets. Hier zahlt der Mitfahrende einen Euro pro Tag und Bundesland: "Es gibt eine gewisse Zahlungsbereitschaft, die ich sozial rechtfertigen kann, wo dann auch noch ein Hartz-IV-Empfänger oder ein Schüler sich ein Ticket kaufen kann, das wäre jetzt aus unserer Sicht diese Ein-Euro-pro-Bundesland-Regel. Da ist dann aber trotzdem noch halbwegs Geld für das System da."

Denn im Idealfall sollte das System weiter ausgebaut werden. Das heißt, zusätzliche Busse bestellen, zusätzliche Strecken bauen und Bahnsteige barrierefrei ausbauen, erklärt Pro Bahn.

Ein Euro pro Tag oder 29 im Monat, oder sogar Bahntickets so teuer wie nie. Vorschläge und Spekulationen darüber, was das Bahnfahren nach dem 9-Euro-Ticket kosten wird, gibt es viele. Bis zu konkreten Preisfestlegungen heißt es: abwarten und günstig Zugfahren.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 23. Juni 2022 | 08:09 Uhr

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