Wegen Inflation Banken und Sparkassen: Deutschen geht Geld zum Sparen aus

Die gestiegenen Preise in Deutschland wirken sich auch auf das Sparverhalten vieler Menschen aus. Banken und Sparkassen befürchten, dass ein Großteil der Bürger bald kein Geld mehr übrig hat, das er sparen könnte. Unterdessen fordern Politiker unterschiedlicher Parteien vom Bund, auch Rentner und Geringverdiener mehr zu entlasten.

Euro-Banknoten liegen auf einem Sparbuch
Viele Menschen in Deutschland können aufgrund der hohen Inflation wohl bald kein Geld mehr zum Sparen zurücklegen. Bildrechte: imago images/CHROMORANGE

Der Bundesverband der Sparkassen geht davon aus, dass viele Deutsche wegen der hohen Inflation bald kein Geld mehr zum Sparen zurücklegen können. Verbandspräsident Helmut Schleweis sagte der "Welt am Sonntag", die Sparkassen rechneten damit, dass "perspektivisch bis zu 60 Prozent der deutschen Haushalte ihre gesamten verfügbaren Einkünfte - oder mehr - monatlich für die reine Lebenshaltung werden einsetzen müssen". Dieser Teil der Bevölkerung sei dann schlicht "nicht mehr sparfähig." Vor einem Jahr seien 15 Prozent nicht in der Lage gewesen, Geld zurückzulegen.

Ersparnisse aus Corona-Zeiten werden genutzt

Auch Volks- und Raiffeisenbanken beobachten einen geringeren Spielraum der Kunden beim Sparen. Da die Kaufkraft wegen der hohen Inflation sinke, könnten die Menschen weniger sparen, erklärte Bundesverbands-Vorstand Andreas Martin. Noch profitierten viele von Ersparnissen, die sich während der Corona-Zeit angesammelt hätten. Zwischenzeitlich hätten viele Menschen wegen fehlender Konsummöglichkeiten etwas sparen können.

Dispokredit wird oft ausgereizt - Grüne fordern Deckelung der Zinsen

Die angespannte Lage zeigt sich nach Angaben des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes bereits bei der Überziehung des Girokontos. Wer den sogenannten Dispositionskredit nutze, um kurzfristige Engpässe zu überbrücken, der schöpfe den Rahmen im Durchschnitt inzwischen "deutlich weiter aus".

Die Grünen fordern deshalb, die Höhe der Dispozinsen zu begrenzen. Im Schnitt liegen sie aktuell bei knapp zehn Prozent. Der Grünen-Finanzpolitiker Stefan Schmidt sagte, seine Partei halte es grundsätzlich für notwendig, Dispozinsen gesetzlich zu deckeln. Dadurch könnten Menschen vor ausufernden Kosten geschützt werden.

Lindner verspricht weitere Entlastungen

Wegen der allgemein gestiegenen Preise in Deutschland hat Bundesfinanzminister Christian Lindner ein weiteres Entlastungspaket für die Bürger angekündigt. Davon sollen vor allem Bedürftige, die arbeitende Mitte und die energieintensive Wirtschaft profitieren. Weitere Hilfen etwa für Rentner schloss der FDP-Politiker aus.

Wüst: Rentner und Studenten bisher vergessen

Das stößt in der Union, aber auch in der SPD auf Kritik. Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Hendrik Wüst fordert auch Hilfen für Rentner und Studenten. Der CDU-Politiker sagte der "Bild am Sonntag", bei den bislang beschlossenen Entlastungspaketen seien Rentner und Studenten vergessen worden. Menschen, denen wenig Geld zur Verfügung stehe, dürften nicht im Stich gelassen und einfach zur Tafel geschickt werden.

Die Antwort des Staates auf die Situation der Rentner kann nicht die Tafel sein. Das wäre zynisch.

Hendrik Wüst, CDU Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen

Zuvor hatte bereits der niedersächsische Ministerpräsident Stefan Weil mehr Hilfe für Geringverdiener und Rentner gefordert. Der SPD-Politiker sagte, die Aussage von Bundeskanzler Olaf Scholz, keiner werde alleingelassen, müsse durch Taten konkretisiert werden.

dpa, Reuters (aju)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | Das Nachrichtenradio | 21. August 2022 | 06:30 Uhr

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