Bundeswehr Großer Zapfenstreich nach 20 Jahren Afghanistan-Einsatz

Mit einem Großen Zapfenstreich vor dem Reichstag und einem Abschlussappell hat die Bundeswehr ihre mehr als 150.000 Soldaten gewürdigt, die in den vergangenen 20 Jahren in Afghanistan gedient haben. Für die 59 Soldaten, die am Hindukusch ihr Leben ließen, wurden im Bendlerblock Kränze niedergelegt. Die Einsatz-Bilanz von Bundespräsident Steinmeier fiel durchwachsen aus.

Großer Zapfenstreich zur Würdigung und Ende des Afghanistan-Einsatzes der Bundeswehr
Großer Zapfenstreich vor dem Reichstag zur Würdigung und Ende des Afghanistan-Einsatzes der Bundeswehr. Bildrechte: IMAGO / Emmanuele Contini

Mit einem Großen Zapfenstreich vor dem Berliner Reichstagsgebäude sowie einem zentralen Abschlussappell im Bendlerblock hat die Bundeswehr den 20-jährigen Einsatz deutscher Streitkräfte in Afghanistan gewürdigt.

Würdigung von Afghanistan-Veteranen

Mit dem Zapfenstreich am Mittwochabend vor dem Reichstag wurden die deutschen Soldaten geehrt, die in den vergangenen zwei Jahrzehnten am Hindukusch dienten, dort fielen oder versehrt wurden.

Der Große Zapfenstreich ist das höchste militärische Zeremoniell der Bundeswehr. Er wird unter anderem bei der Verabschiedung von Bundespräsidenten, Bundeskanzlern und Bundesverteidigungsministern aufgeführt. Aber auch zum Abschluss von großen Manövern werden regelmäßig Zapfenstreiche ausgerichtet.

"Emotional und inhaltlich abschließen"

Der Vorsitzende des Bundes Deutscher Einsatzveteranen, Oberstleutnant a.D. Bernhard Drescher, begrüßte das Gedenken zum Ende des Afghanistan-Einsatzes. Viele Veteranen könnten so ihre Erlebnisse emotional und inhaltlich abschließen, sagte er im Vorfeld der Veranstaltungen MDR AKTUELL. Drescher forderte von der Politik, mehr für die Wertschätzung der Bundeswehr in der Gesellschaft zu tun. Die bittere Wahrheit sei: Eine Armee sei nicht zum Brunnenbohren da, sondern um zu töten, zu kämpfen und gegebenenfalls verwundet und getötet zu werden.

Kränze für 59 gefallene Deutsche

In Gedenken an die insgesamt 59 deutschen Soldaten, die in Afghanistan gefallen sind oder bei Unfällen starben, wurden am Nachmittag im Bendleblock im Beisein von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Bundeskanzlerin Angela Merkel und Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer Kränze niedergelegt.

Soldaten tragen Kränzen zur Kranzniederlegung in Gedenken an die in Afghanistan gefallenenen Einsatzkräfte.
Kranzniederlegung im Bendlerblock. Bildrechte: picture alliance/dpa/BMVG | Torsten Kraatz/Bundeswehr

Bei seiner Rede zur Würdigung der mehr als 150.000 in Afghanistan eingesetzten Bundeswehr-Soldaten sagte Steinmeier, die Bundeswehr habe all das ausgeführt, was ihr die Politik aufgetragen habe. Die Soldaten, die bei dem Einsatz ihr Leben ließen, hätten den "höchsten Preis" gezahlt, den ein Soldat zahlen könne.

Die 59 deutschen Soldaten, die in Afghanistan ihr Leben ließen, haben den höchsten Preis gezahlt, den ein Soldat im Auftrag seines Landes zahlen kann. Wir stehen tief in ihrer Schuld.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier

Steinmeiers durchwachsene Bilanz

Die Bilanz des Bundespräsidenten zum 20-jährigen Bundeswehreinsatz in Afghanistan fiel durchaus durchwachsen aus. Zwar sei das militärische Ziel erreicht worden, den Terrorismus zu bekämpfen. Es sei aber nicht gelungen, in Afghanistan stabile staatliche Strukturen aufzubauen. Viele Menschen stellten nach dem Fall von Kabul "Fragen nach dem Sinn dieses Einsatzes". Nach dieser "Zäsur" müsse deutsche Außen- und Sicherheitspolitik künftig ehrlicher, klüger und stärker werden. Deutschland müsse lernen, seine eigene Kraft zu erfassen und zu nutzen - und zugleich ihre Grenzen zu kennen.

AKK fordert "notwendiges Maß an Selbstkritik"

Auch Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer forderte, den Einsatz "mit dem notwendigen Maß an Selbstkritik" zu diskutieren, ohne jedoch die "20 Jahre Engagement als Desaster und Katastrophe" abzukanzeln.

Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble sagte, der Auftrag habe nicht so erfüllt werden können, wie man es erhofft habe. Auch das Parlament muss die Gründe dafür suchen und Schlüsse daraus ziehen.

Quellen: MDR/AFP/epd (dni)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL FERNSEHEN | 13. Oktober 2021 | 19:30 Uhr

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