Laschet-Nachfolge CDU-Parteivorsitz: Wer will noch mal, wer hat noch nicht?

Torben Lehning
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Mögliche Kandidaten für den CDU-Parteivorsitz gibt es viele, offiziell die Hand gehoben hat noch keiner. Seit heute steht das Verfahren fest, wie die CDU ihren neuen Parteivorsitzenden bestimmen will. Eine Mitgliederbefragung der Basis soll den Grundstein für eine Wahl des Vorsitzenden auf einem Parteitag in Hannover im Januar 2022 legen. Die aussichtsreichsten Kandidaten Merz und Röttgen sammeln bereits ihre Truppen hinter sich, im Raum steht aber auch eine Teamlösung.

Die Erleichterung und Freude waren ihnen anzusehen. Nach der CDU-Kreisvorsitzendenkonferenz am vergangenen Wochenende in Berlin verließen rund 300 gutgelaunte CDU-Mitglieder den Saal. Die Basis hatte gesprochen, die CDU hatte zugehört, um eine Mitgliederbefragung kam niemand in der Partei mehr vorbei.

Man zeigte sich "überglücklich" angesichts der "ehrlichen Aussprache", den "knallharten Analysen" und der "überwältigenden Mehrheit", die für eine Basisbeteiligung stimmte. Ergriffen zeigten sich gar Kreisvorsitzende der Ostverbände, die vor Beginn der Konferenz noch mit einem Transparent für mehr Mitgliederbeteiligung geworben hatten.

Am heutigen Dienstag dann die Zustimmung des CDU-Vorstandes: Die Mitgliederbefragung wird kommen.

Alte Gesichter statt neuer Köpfe

Mögliche Kandidaten gibt es viele – offizielle Kandidaturen bislang keine. Das dürfte sich aber sehr bald ändern, denn mit dem straffen Zeitplan, den das Konrad-Adenauer-Haus jetzt vorgibt, bleibt den Bewerberinnen und Bewerbern für das höchste Amt der Partei nicht mehr viel Zeit, um für sich zu werben. Im amtierenden Bundesvorstand ist unstrittig, dass es nach dem Mitgliedervotum keine Kampfkandidaturen auf dem anstehenden Parteitag geben soll. Die Zeit rennt.

Friedrich Merz hält eine Rede zum Auftakt des Deutschlandtages der Jungen Union.
Sie gelten als Favoriten beim kommenden Mitgliederentscheid: Friedrich Merz, populär bei Konservativen ... Bildrechte: dpa

Laut ARD-Deutschlandtrend kann Friedrich Merz zurzeit die meisten Stimmen der Parteibasis auf sich vereinen. Der konservative Sauerländer führt mit 36 Prozent der Stimmen vor Norbert Röttgen mit 25 Prozent und Jens Spahn mit 14 Prozent. Merz zog beim Kampf um den Parteivorsitz bereits zweimal den Kürzeren – Röttgen und Spahn jeweils einmal.  

Für die erneuten Kandidaturen der Männer aus NRW spricht, dass es keine Regionalkonferenzen wie beim Kampf um den Parteivorsitz 2018 geben soll. Angesichts der nahenden Ampel-Kanzlerschaft von Olaf Scholz bleibt der Union kaum Spielraum für einen langen Wahlkampf. Ab dem 18. November dürfen sich die möglichen Kandidatinnen und Kandidaten für einen halben Monat digital der Basis präsentieren. Viel Zeit ist das nicht.

Andererseits fehlen neue Köpfe. Wie ein bald 66-Jähriger Merz den Neuanfang markieren kann und will, dürfte für die progressiven Kreise in der CDU viele Fragen aufwerfen. Spahn war bereits Kabinettsmitglied und hat gerade aus dem Osten kaum Unterstützung zu erwarten. Norbert Röttgen versucht sich zwar als progressiver Kandidat der Mitte zu profilieren, könnte jedoch an dem Versuch scheitern, dieselbe zu mobilisieren.

Weniger ist mehr

Große Teile der CDU sind der Ansicht, dass zu viele Kandidaturen schlecht für die Partei sind. Das erklärte Ziel: ein möglichst eindeutiges Ergebnis der Mitgliederbefragung. Sollte sich am Ende der Basis-Entscheidung ein Kandidat oder eine Kandidatin nur mit wenigen Prozentpunkten durchsetzen, stünde die Partei vor erneuten Grabenkämpfen. Eine geeint auftretende Union mit einem starken Oppositionsführer würde in weite Ferne rücken.

Carsten Linnemann, dem Vorsitzenden der Wirtschaftsunion und Ralph Brinkhaus, dem Unions-Fraktionsvorsitzenden, werden ebenfalls Ambitionen auf den Parteivorsitz nachgesagt. Ihnen könnte jetzt, wo viele in der CDU darauf drängen, dass sich das Bewerberfeld verengt, die Rolle von Adjutanten zukommen. Merz und Röttgen brauchen Unterstützer. Linnemann ist als Vorsitzender der Wirtschaftsunion inhaltlich eher im Merz-Lager zu verorten. Brinkhaus wäre ein Wunschkandidat im Team Röttgen, meint zumindest der Außenpolitiker Röttgen selbst.

Das "Team-Building" wird kein Selbstläufer. Ein neuer Parteivorsitzender kann die Gefolgschaft seiner Konkurrenten nicht mehr mit Ministerposten quittieren: Das ist das neue Los der CDU in der Opposition. Attraktiv könnte jedoch auch die mögliche Neubesetzung des Generalsekretär-Postens sein. Außerdem soll auch das Präsidium in Hannover neu gewählt werden.

Von Teams und Inhalten

Im amtierenden CDU-Vorstand wird der Ruf nach einem Kandidaten-Team lauter. Damit ist ausdrücklich keine geschlechtergerechte Doppelspitze gemeint, bekräftigte heute der amtierende Parteivorsitzende Armin Laschet. Von weiblichen CDU-Mitgliedern sieht und hört man wenig in der Debatte um den Parteivorsitz. Gemeint ist deshalb eher ein Team, das den neuen Parteivorsitzenden flankiert – in der Fraktion wie im Vorstand.

Laschet bittet jetzt die möglichen Kandidatinnen und Kandidaten, sich bis Samstag zurückzuhalten. Er wolle gemeinsam mit ihnen an "Teamlösungen arbeiten".

Und der Osten?

Die CDU-Mitglieder der Ostverbände machten bereits im Wahlkampf lautstark darauf aufmerksam, dass sie sich übergangen fühlten. Laschet war nicht ihr Kandidat, der Wahlkampf setze für ihren Geschmack auf die falschen Themen.

Die Kreisvorsitzenden aus den Ostverbänden standen in der ersten Reihe, als es am Wochenende darum ging, eine Mitgliederbefragung einzufordern. Die Mitgliederbefragung wird kommen. Jetzt hofft man im Osten, dass auch das Ergebnis stimmt. Stand jetzt gibt es keinen eigenen Kandidaten aus Thüringen, Sachsen oder Sachsen-Anhalt. Merz gilt in den Landesverbänden jedoch als absoluter Wunschkandidat.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 02. November 2021 | 15:00 Uhr

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