Nach Debakel um Corona-Hilfen Entschädigung: Selbstständige fordern Regeln für künftige Krisen

Die Corona-Pandemie hat viele Selbstständige an den Rand des Ruins getrieben – oder sogar ganz hinein. Viele von ihnen waren oder sind noch im Bereich Kunst und Kultur tätig. Ihnen hat die Bundesregierung Hilfe versprochen, die dann spät und in Begleitung von teils chaotischen Regeln kam. Das müsse in Zukunft anders laufen, fordert der Verband der Selbstständigen.

Teilnehmer der Großdemonstration des Aktionsbündnis #AlarmstufeRot zur Existenznot der Veranstaltungswirtschaft in der Corona-Krise haben vor dem Kanzleramt einen Sarg mit der Aufschrift «Veranstaltungsbranche» abgestellt.
Mit vielen Aktionen machten Kunst- und Kulturschaffende in der Pandemie auf ihre prekäre Situation aufmerksam. Bildrechte: dpa

Dompteure, Seiltänzerinnen, Sterneköche – von diesen Menschen ist Kai Fischer normalerweise umgeben. Seit 35 Jahren ist er im Entertainmentgeschäft, hauptsächlich im Bereich Zirkus und Varieté. "Ich war der letzte Produzent und Regisseur in Deutschland, der letztes Jahr noch eine neue Dinnershow aufgelegt hat. Die wurde zwei Tage gespielt und dann auch durch den Lockdown vernichtet."

Der Sargnagel für die Entertainmentbranche in seinem Bereich, wie er es ausdrückt. Und dass es für Leute wie ihn bald wieder bergauf geht, glaubt Kai Fischer nicht wirklich. "Die Situation in meiner Branche, zum Beispiel als Regisseur, ist so, dass es eigentlich gar nicht mehr benötigt wird. Es gibt so viele Projekte auf Halde, die für weniger Geld abgearbeitet werden können, als eine neue Produktion aufzulegen."

Viele Versprechungen und wenig echte Hilfe

Eine Geschichte, die Andreas Lutz so oder ähnlich schon unzählige Male gehört hat. Er ist Vorstand des Verbands der Gründer und Selbstständigen Deutschland. Denen habe die Pandemie zwar viele Versprechungen aus der Politik gebracht, aber wenig echte Hilfe, erzählt er: "Letztes Jahr sind die Leute auf die Grundsicherung verwiesen worden. Und die meisten haben die aber gar nicht bekommen – also Grundsicherung ist ja Hartz IV – und die haben sich schon sehr alleine gelassen gefühlt."

Eine Erfahrung, die viele Leute sehr verbittert habe, so Lutz. "Und deshalb fordern wir, dass es wenigstens für künftige Pandemien eine Regelung gibt, dass man nicht so lange überlegen muss, wie man den Leuten hilft." Wenn man kein Einkommen erzielen könne, solle man – entweder in pauschaler Höhe oder abhängig davon, was man in früheren Jahren verdient habe – einen Ersatz bekommen. "So machen das auch andere Länder in der EU, die teilweise über weniger gute Finanzen verfügen als wir."

Kulturstaatsministerin fühlt sich nicht zuständig

MDR AKTUELL leitet die Forderung an Kulturstaatsministerin Monika Grütters weiter und bittet um eine Einschätzung und Informationen darüber, ob es entsprechende Pläne gibt. Ihr Büro lehnt ab und verweist auf das Bundesgesundheitsministerium, weil dieses für das Infektionsschutzgesetz zuständig sei.

Kai Fischer hat gar nicht erst versucht, Geld vom Staat zu bekommen, aus Sorge, dass er es kurz darauf wieder zurückzahlen müsse, erzählt er. Aber er kämpft um das Geld und die Rechte an seiner Dinnershow gegen langjährige Geschäftspartner. Von der Show soll es Ende Oktober nämlich eine Neuauflage geben – mit einem ganz ähnlichen Konzept, aber ohne ihn. "Unterm Strich bedeutet das, du musst einen Freund verklagen und dem das vorher noch erzählen, damit ich irgendwann meine Copyrights bekomme. Das ist doch nicht normal."

Quelle: MDR AKTUELL

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 24. August 2021 | 08:09 Uhr

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