Pandemie Sachsen und Thüringen offen für Ende der Corona-Isolationspflicht

Nachdem Baden-Württemberg, Bayern, Hessen und Schleswig-Holstein gemeinsam erklärt haben, die Isolationspflicht bei einer Corona-Erkrankung aufzuheben, wollen auch Sachsen und Thüringen mögliche Neuregelungen prüfen. Sachsen-Anhalt hingegen hält an den fünf Tagen Isolation im Falle einer Infektion fest.

Familienmitglieder mit Masken grüßen sich durch eine Scheibe.
Bei einer Corona-Infektion gilt bisher eine Isolationspflicht von fünf Tagen. Bildrechte: IMAGO / Westend61

Sachsen und Thüringen wollen den Wegfall der Isolationspflicht bei einer Corona-Infektion prüfen. Die Bewertung der Sachlage innerhalb des Thüringer Gesundheitsministeriums laufe noch, erklärte eine Ministeriumssprecherin. Eine Entscheidung über den Wegfall oder die Beibehaltung werde voraussichtlich am Montag fallen.

Thüringens Gesundheitsministerin Heike Werner sagte MDR THÜRINGEN, Ziel müsse sein, dass in den Bundesländern einheitliche Regeln gelten. Nächste Woche würden sich die Gesundheitsminister der Länder dazu absprechen.

Ein Durcheinander der Regeln für die Quarantänepflicht würde keiner verstehen, sagt Werner. Ähnlich äußerte sich die Landtagsfraktion der Linken. Die Fraktionen von CDU und AfD und die Gruppen von FDP und Bürger für Thüringen würden es dagegen begrüßen, wenn auch Thüringen die Isolationspflicht aufheben würde. Stattdessen wolle man auf die Eigenverantwortung der Menschen setzen.

Sachsen: Bundesländer sollten einheitlich agieren

Auch Sachsen hält ein einheitliches Handeln aller Bundesländer für erforderlich, teilte das Gesundheitsministerium am Freitag auf Anfrage der dpa mit. "Es ist überfällig, dass das Robert Koch-Institut (RKI) aufgrund der veränderten Infektionslage endlich eine neue fachliche Stellungnahme abgibt."

Statt einer verpflichtenden Isolation könne man grundsätzlich auch mit eigenverantwortlichem Handeln andere Personen hinreichend schützen – etwa mit Abstand und Maske.

Zum Schutz vulnerabler Personen müsse es für Infizierte dennoch gewisse Einschränkungen geben, zum Beispiel eine Maskenpflicht bei Kontakt mit anderen Personen und Betretungsverbote für Einrichtungen mit vulnerablen Personen, hieß es. Eine Pflicht zur Isolation wäre dann nicht mehr unbedingt nötig. Man setze auf Verantwortungsbewusstsein und hält an dem Grundsatz fest: "Wer krank ist, bleibt zu Hause."

Sachsen-Anhalt hält an Isolationspflicht fest

Sachsen-Anhalt hingegen will an der Isolationspflicht festhalten. "Nach unserem Kenntnisstand verläuft der Großteil der Erkrankungen eben nicht symptomlos, so dass eine Aufhebung der Isolationspflicht auch nicht zu einer Entspannung der Personalsituation führt", erklärte Gesundheitsministerin Petra Grimm-Benne am Freitag in Magdeburg. Die Entscheidung hängt unter anderem mit neuen potenziellen Virusvarianten zusammen. Man dürfe deshalb jetzt nicht die Gesundheit von Älteren und Vorerkrankten aufs Spiel setzen, sagt Grimm-Benne.

Ein Porträt-Foto von Virologe Alexander Kekulé. 65 min
Bildrechte: MDR/dpa

Die Stellungnahmen der mitteldeutschen Bundesländer gehen auf eine Intiative der vier Bundesländer Baden-Württemberg, Bayern, Hessen und Schleswig-Holstein zurück, die sich darauf verständigt haben, die Isolationspflicht für Corona-Infizierte aufzuheben. Das gaben die vier Länder am Freitag in einer gemeinsamen Erklärung bekannt. Es bedürfe "einer neuen Phase im Umgang mit der Pandemie", die sich "am Übergang zu einer Endemie" befinde. In den vier Bundesländern sollten zeitnah neue Regelungen in Kraft treten, hieß es. Die Details würden derzeit ausgearbeitet.

Lauterbach warnt vor Flickenteppich

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach reagierte mit Kritik auf die Pläne der Bundesländer. "Das kommt jetzt zur Unzeit und findet nicht die Billigung der Bundesregierung", sagte der SPD-Politiker. Er warnte vor einem "Flickenteppich" mit verschiedenen Isolationsregeln in den Bundesländern. Es gebe auch auch keinen medizinischen Grund, jetzt auf die Isolationspflicht zu verzichten.

Lauterbach erklärte, es gebe etwa 1.000 Todesfälle durch Covid pro Woche, man stehe vor einer "wahrscheinlich schweren Winterwelle" und sei "am Vorabend einer ansteckenderen Variante".

Derzeit gilt in Deutschland bei einer Infektion mit dem Coronavirus eine Isolationspflicht über fünf Tage. Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek erklärte, die generelle fünftägige Isolationspflicht solle ab dem 16. November abgeschafft werden. Positiv Getestete sollten außerhalb der eigenen Wohnung eine Maske aufsetzen müssen.

dpa, MDR(fef,amu)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | Das Nachrichtenradio | 11. November 2022 | 14:00 Uhr

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