Coronatests Kaum noch kostenlose Corona-Tests – Viele Menschen nun außen vor?

Carolin Fröhlich
Bildrechte: MDR/Isabel Theis

Seit dem Frühjahr gab es die kostenlosen Bürgertests, bei denen sich Menschen mehrmals pro Woche auf Corona testen lassen konnten. Ab sofort sind diese Schnelltests für den Großteil der Menschen kostenpflichtig. Frei sind sie unter anderem nur noch für Menschen, die sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen können oder für die es keine allgemeine Impfempfehlung gibt. Wie bewerten das die unterschiedlichen Akteure in Politik, Kommunen und der Virologie?

In einer Seniorenresidenz in Achim führen Soldaten der Bundeswehr Corona Antigen Schnelltests durch
Stäbchen in die Nase: Das kostet jetzt. Bildrechte: IMAGO / Pressedienst Nord

  • Thüringer Gesundheitsministerin Werner verteidigt das Ende der Kostenübernahme: "Wer Symptome hat, geht sowieso zum Arzt und wird dann dort getestet."
  • Virologe Kekulé fordert aber: "Niedrigschwellig anbieten, weil sich die Leute sonst einfach nicht mehr testen lassen."
  • Freibergs Oberbürgermeister gehört zu denen, die das Ende kritisch sehen: "Das verhindert, dass Menschen, [...] weiter Teil unserer Gesellschaft sind."

Schnelltests waren eine der tragenden Säulen im Kampf gegen die Verbreitung des Coronavirus, als es noch nicht genügend Impfstoff gab. Spätestens mit dem Ende der Kostenübernahme könnten die Schnelltests nun aber unpopulär werden. Heißt das, dass jetzt mehr Erkrankungen übersehen werden?

Bei Symptomen wird in Arztpraxen kostenlos getestet

Thüringens Gesundheitsministerin Heike Werner geht nicht davon aus, denn: "Wer Symptome hat, geht sowieso zum Arzt und wird dann dort getestet." Nur diejenigen, die einen tagesaktuellen Test wegen einer 3G-Regelung bräuchten, stünden außen vor und müssten selbst für den Test zahlen, so Werner. "Ich glaube nicht, dass man dadurch jetzt das Infektionsgeschehen nicht mehr im Blick hat."

Wer kann sich noch kostenlos testen lassen? - Kinder unter 12 Jahren
- Minderjährige (bis Ende des Jahres)
- Schwangere (bis Ende des Jahres)
- Menschen mit Symptomen (Test beim Arzt)
- Menschen in Quarantäne (zur Verkürzung der Quarantänedauer)
- Menschen, die sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen können

Fälschungen von Zertifikaten als Gefahr

Ein Schnelltest kostet zukünftig im Schnitt zwischen 12 und 25 Euro. Viele Testergebnisse werden als PDF erstellt, sind also nicht fälschungssicher. Die Pflicht, für den Test selbst zu bezahlen, könnte zu vermehrten Fälschungen führen, warnen Expertinnen und Experten. Auch die Gesundheitsministerien sind dafür sensibilisiert, so Werner. Man werde das Thema bei der nächsten Gesundheitsministerkonferenz besprechen.

Und sie betont: "Ich habe null Verständnis dafür, wenn jemand ein Testzertifikat fälscht. Es geht ja nicht nur darum, dass Urkundenfälschung eine Straftat ist, wo es empfindliche Geldstrafen oder sogar Freiheitsstrafen geben kann. Viel schlimmer ist für mich, dass man Menschen gefährdet und billigend in Kauf nimmt, dass Menschen sich anstecken, schwer erkranken und vielleicht sogar sterben können." Laut Werner werde man die Entwicklung genau beobachten und gegebenenfalls mit dem Bund eine Lösung finden.

Lieber nicht testen, statt Geld zu bezahlen?

Gesundheitsexperten warnen schon lange vor einem Ende der kostenlosen Bürgertests, wie etwa Virologe Alexander Kekulé in seinem MDR-Podcast: "Ich bin der Meinung, dass man das sehr niedrigschwellig anbieten muss, weil sich die Leute sonst einfach nicht mehr testen lassen. Und das gefällt den Epidemiologen natürlich überhaupt nicht, wenn man keinen Überblick mehr hat."

Freibergs Oberbürgermeister Sven Krüger sieht das genauso. Seine Stadt bietet daher bis zum Jahresende weiterhin kostenlose Bürgertests an. "Es ist aus meiner Sicht nicht zielführend, die Tests auszusetzen oder die Hürden so hoch zu machen, dass sie vom Bürger nicht mehr angenommen werden. Das verhindert aus meiner Sicht frühzeitiges Erkennen von Infektionsketten."

Menschen nicht aus dem gesellschaftlichen Leben ausschließen

Zudem befürchtet Krüger, dass Menschen, die sich nicht impfen lassen können oder wollen, aus dem gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen würden.

Die Kosten für die Tests liegen laut Krüger bei rund 14.000 Euro und sind schon im Haushalt enthalten, in Beträgen für vorbeugenden Gesundheitsschutz. "Wenn diese Menschen dann Einrichtungen wir Friseure, Gastronomie und Kultureinrichtungen nutzen können und damit wieder für Umsätze bei den Unternehmen sorgen, die über entsprechende Steuern zurückfließen, ist es aus meiner Sicht ein Nullsummenspiel."

In Sachsen will neben Freiberg auch die Stadt Stollberg bis Jahresende die kostenlosen Bürgertests für alle beibehalten.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 11. Oktober 2021 | 08:06 Uhr

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