Feuerwerks- und Böllerverbot Diese Corona-Regeln gelten zu Silvester

Pandemiebedingt und wegen der höheren Verletzungsgefahr haben Bund und Länder erneut ein bundesweites Feuerwerks- und Versammlungsverbot zu Silvester beschlossen. Das Zünden bereits gekaufter Böller ist möglich, aber nicht überall. Was ist noch erlaubt?

Ein Feuerwerk am dämmrigen Abendhimmel.
Auch zu diesem Neujahrsfest bleibt die große Böllerei aus. Bildrechte: Colourbox.de

Kontaktbeschränkungen geplant

Bund und Länder wollen offenbar noch vor Silvester die Kontakteinschränkungen auch für Genesene und Geimpfte verschärfen. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf die Beschlussvorlage für das Bund-Länder-Treffen am Dienstag. So sollen ab dem 28. Dezember private Zusammenkünfte von Geimpften und Genesenen drinnen wie draußen auf maximal zehn Personen begrenzt werden. Kinder bis zur Vollendung des 14. Lebensjahres seien davon ausgenommen. Sobald jedoch eine ungeimpfte Person teilnimmt, darf sich der eigene Haushalt nur noch mit höchstens zwei weiteren Personen eines anderen Haushalts treffen.

Verkauf von Feuerwerk erneut verboten

Für das kommende Neujahrsfest haben Bund und Länder ein ähnliches Regelwerk wie zum vergangenen Jahreswechsel beschlossen. Demnach ist der Verkauf von Feuerwerkskörpern in diesem Jahr prinzipiell verboten. Betroffene Unternehmen sollen als Ausgleich eine staatliche Hilfszahlung erhalten.

Böllerverbot an viel besuchten Plätzen

Wer noch altes Feuerwerk hat, kann das auch zünden, aber nicht überall. An "publikumsträchtigen Plätzen" soll laut Bund-Länder-Beschluss ein generelles Feuerwerksverbot gelten. Über die Details entscheiden jedoch die Kommunen.

Sachsen hat am 10. Dezember 2021 den Beschluss in der aktuellen Corona-Notfallverordnung umgesetzt. Demnach gilt sachsenweit ein Feuerwerksverbot an öffentlichen Plätzen – auf privaten Grundstücken ist das Zünden von Böllern jedoch erlaubt. Zudem sind an Silvester Feiern auf öffentlichen Plätzen, Anlagen oder sonstigen öffentlichen Orten unter freiem Himmel untersagt.

Generelles Versammlungsverbot

Der Übereinkunft zufolge gilt unabhängig von den jeweiligen Inzidenzen an Silvester und Neujahr ein generelles "An- und Versammlungsverbot". Das heißt, größere Silvesterfeiern wird es auch in diesem Jahr nicht geben.

Wer sich doch privat an öffentlichen Plätzen in größeren Gruppen trifft, für den könnte es teuer werden. In Sachsen und Sachsen-Anhalt kann das den aktuellen Bußgeld-Katalogen der Länder zufolge 250 Euro pro Person kosten.

Käufern von "Polen-Böllern" droht Strafverfahren

Unklar sei, ob sich die Deutschen nach dem Feuerwerksverbot zum Jahreswechsel nun vermehrt in Polen eindecken wollten, sagte Astrid Pinz, Sprecherin des Hauptzollamtes Frankfurt (Oder). Die polnischen Böller seien nicht für den deutschen Markt zugelassen. Käufern drohe ein Steuerstrafverfahren, erklärte Pinz.

In Polen ist der Verkauf von Böllern und Raketen das ganze Jahr über gestattet. Diese enthalten laut Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) oft nicht nur Schwarzpulver, sondern sind mit einem viel stärker reagierenden Blitzknallsatz gefüllt. Gleiches gilt für Tschechien, wo Feuerwerk ebenfalls ganzjährig verkauft werden darf.

Lob von Intensivmedizinern und Umwelthilfe

Der Präsident der Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi), Gernot Marx, begrüßte das Feuerwerksverbot. "Am Silvesterabend und beim Böllern auf der Straße kommen viele Menschen miteinander in Kontakt. Darauf sollte dieses Jahr verzichtet werden, um die Infektionszahlen nicht noch weiter nach oben zu treiben", sagte Marx.

Auch die Deutsche Umwelthilfe (DUH) lobte den Beschluss. "Böller und Raketen fordern bisher Zehntausende zum Teil schwer Verletzte", sagte DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch. Diese hätten die Kliniken und das dort um Menschenleben kämpfende Personal weiter be- oder sogar überlastet.

Feuerwerks-Branche befürchtet "Todesstoß"

Die Böller-Hersteller kritisierten die Maßnahmen dagegen scharf. Sie bedeuteten "mit aller Wahrscheinlichkeit den Todesstoß für die gesamte Feuerwerksbranche in Deutschland", warnte der Verband der pyrotechnischen Industrie (VPI).

Legales Silvesterfeuerwerk führe weder dazu, dass die Notaufnahmen an Silvester ein Problem hätten, noch dazu, dass sich die Situation auf den Intensivstationen verschärfe, sagte der VPI-Vorsitzende Thomas Schreiber. Die eigentlichen Probleme seien übermäßiger Alkoholgenuss und illegale Feuerwerksprodukte.

Quelle: dpa

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 02. Dezember 2021 | 15:30 Uhr

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