Viele Datenschutzmängel in Medien-Onlineangeboten

Für Cookies und andere Trackingtechniken gelten klare Vorgaben. Datenschützer haben nun 49 Medien-Webangebote überprüft. Bei den meisten stellten sie Defizite fest – und appellieren an die Vorbildfunktion.

Cookies
Bestimmte Daten dürfen Betreiber von Webseiten nur mit der klaren Einwilligung der Nutzer erheben und weitergeben. Datenschützer beklagen aber noch viele Mängel. Bildrechte: dpa

Datenschützer mahnen nach einer Prüfung von Webseiten von Medienunternehmen Nachbesserungen an. Ein Sprecher von Sachsens Datenschutzbeauftragtem Andreas Schurig sagte MDR AKTUELL, Verantwortliche seien gezielt angesprochen worden. Auch im Medienbereich lohne es sich, auf eine ordnungsgemäße Umsetzung der Datenschutzvorschriften hinzuwirken. "Viele Medienunternehmen haben mit ihrer Internetpräsenz eine hohe Breitenwirkung und auch eine Vorbildfunktion."

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Stiftung Warentest hat 35 beliebte Webseiten daraufhin untersucht, wie transparent die Cookie-Einstellungen sind. Hier hören Sie, worauf Sie achten sollten.

MDR THÜRINGEN - Das Radio Di 04.05.2021 12:00Uhr 10:59 min

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Sanktionen bei mangelndem Datenschutz sind nicht vorrangiges Ziel

Sollten die festgestellten Mängel beim Datenschutz nicht behoben werden, seien auch Bußgeldverfahren möglich, erklärte der Sprecher. Die Höhe der Bußgelder hänge dann jeweils von der Schwere des Verstoßes sowie von der Vermögenslage ab. Der Behörde gehe es aber nicht per se um Sanktionen. Vielmehr wolle man eine ordnungsgemäße personenbezogene Datenverarbeitung in der Breite durchsetzen. Das betreffe auch Cookies und Voreinstellungen.

Es geht darum, dass die Vorgaben des Europäischen Gerichtshofes umgesetzt werden.

Sprecher von Sachsens Datenschutzbeauftragtem

Dazu zeige die Datenschutzbehörde den Betroffenen auch Lösungswege auf. Ziel sei, dass der Einzelne "Herr seiner Daten" bleiben könne.

Informationen zu Nutzern teils massenhaft weitergegeben

Andreas Schurig
Andreas Schurig, Datenschutzbeauftragter in Sachsen Bildrechte: dpa

Insgesamt wurden anhand eines Fragenkatalogs 49 Webangebote von Medienunternehmen in elf Bundesländern untersucht, darunter auch Sachsen. Dabei ging es besonders um das Tracking von Nutzerinnen und Nutzern zu Werbezwecken. Von den jeweils reichweitenstärksten Angeboten sicherten die Datenschützer die Webseiten technisch ab und analysierten sie. Zudem sollten die Unternehmen einen Fragebogen ausfüllen – die Antworten wurden dann mit der tatsächlichen technischen Ausstattung der Seiten abgeglichen.

Festgestellte Mängel Falsche Reihenfolge: Einwilligungsbedürftige Drittdienste und Cookies werden bereits beim Öffnen der Seite eingebunden und gesetzt, also vor der Einwilligungsabfrage.

Fehlende Informationen: Die Einwilligungsbanner enthalten unzureichende oder falsche Informationen über das Nutzertracking.

Unzureichender Einwilligungsumfang: Trotz Ablehnung auf der ersten Ebene des Einwilligungsbanners bleiben zahlreiche Cookies und Drittdienste aktiv.

Keine einfache Ablehnung: Auf der ersten Ebene der Einwilligungsbanner ist eine einfache Zustimmung für sämtliche Cookies und Drittdienste möglich – eine vollständige Ablehnung dagegen nicht.

Manipulation der Nutzerinnen und Nutzer: Farbliche Gestaltung oder unnötige Verkomplizierung einer Verweigerung soll unterschwellig die Abgabe der Einwilligung herbeiführen.

Die meisten der geprüften Webseiten entsprechen demnach nicht den rechtlichen Anforderungen für den Einsatz von Cookies und anderen Trackingtechniken. So seien Defizite bei der Gestaltung der Einwilligungslösungen, den Datenübermittlungen und der Transparenz der Angebote für Nutzerinnen und Nutzer festgestellt worden, erklärte der Sächsische Datenschutzbeauftragte Andreas Schurig. Es sei nachvollziehbar, dass Unternehmen Geld verdienen müssen. Zum Teil seien Webseiten aber so aufgebaut, dass Informationen über Nutzer "an eine zwei- bis dreistellige Anzahl weiterer Verantwortlicher weitergegeben werden".

Quelle: MDR, dpa

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 28. Juni 2021 | 20:30 Uhr

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