Kinder- und Jugendärzte fordern Alternativen Gratis-Coronatests für Teenager bis Ende des Jahres

Ab dem 11. Oktober werden kostenfreie Coronatests, die sogenannten "Bürgertests", für die meisten Menschen in Deutschland nicht mehr kostenlos sein. Jugendliche ab zwölf Jahren werden aber einen Aufschub bekommen, voraussichtlich bis Ende des Jahres. Kinderärzte begrüßen das, hinterfragen aber grundsätzlich das Ende der Kostenübernahme für diese Altersgruppe und fordern alternative Konzepte.

Hinweis auf das Corona-Testcenter am Flughafen BER Berlin/Brandenburg
Seit März zahlt der Staat für Bürgertests. Mit einer neuen Testverordnung soll sich das ab Oktober ändern. Kinder ab 12 Jahren wird eine Übergangsfrist bis voraussichtlich Ende 2021 gewährt. Mediziner sehen das kritisch - so würden Kinder von sozialer Teilhabe ausgeschlossen. Bildrechte: IMAGO / Sabine Gudath

Kinder und Jugendliche im Alter von 12 bis 17 Jahren werden voraussichtlich ab Januar kommenden Jahres keine Gratis-Corona-Bürgertests mehr erhalten. Das geht aus einem Interview hervor, das Bundesgesundheitsminister Jens Spahn der Zeitung "Die Welt" zur geplanten neuen Corona-Testverordnung gegeben hat.

"Wir werden für alle Kinder über zwölf Jahren und für Schwangere bis Ende des Jahres die Kosten übernehmen", sagte Spahn der Zeitung auf die Frage, ob mit der geplanten neuen Corona-Testverordnung auch schwangere Frauen diese Tests selbst bezahlen müssen. "Für beide Gruppen ist die Impf-Empfehlung erst kürzlich gekommen. Sie haben in diesen Wochen die Chance, sich impfen zu lassen."

Kinder- und Jugendärzte fordern weitere Nachbesserungen

Kinder- und Jugendärzte begrüßen den Aufschub, fordern aber weiter Nachbesserungen an der geplanten neuen Corona-Testverordnung. "Wir sind sehr froh, dass es eine Verlängerung für die Kinder und Jugendlichen gibt und für die Schwangeren natürlich auch", sagte der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin, Jörg Dötsch, MDR AKTUELL.

Kinder brauchen eine Alternative, um am sozialen Leben teilzuhaben.

Prof. Dr. Jörg Dötsch, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin

Aber man sei kritisch, ob es generell der richtige Weg sei, die Kosten auch bei dieser Altersgruppe irgendwann nicht mehr zu übernehmen, sagte Dötsch. "Beim Kind bedarf es immer einer Diskussion und der Einwilligung der Eltern. Wenn die Eltern nicht einverstanden sind mit der Impfung und wenn sie nichts für die Tests zahlen wollen, dann sind die Kinder von der gesellschaftlichen Teilhabe ausgeschlossen – aufgrund einer Fehlentscheidung der Älteren. Die Leidtragenden aber wären die Kinder."

Konzept für ungeimpfte Kinder gefordert

Die Mediziner forderten ein Konzept für die Jugendlichen, denen die Eltern die Impfung nicht ermöglichen. "Das hat ja nicht das Kind zu verantworten. Dafür brauchen wir eine Antwort", sagte Dötsch und verwies auf die psychischen Folgen des Lockdowns für Kinder und Jugendliche wie Depressionen oder Essstörungen. Man müsse überlegen, ob hier die Konsequenzen nicht wieder auf dem Rücken der Kinder ausgetragen würden. "Kinder brauchen eine Alternative, um am sozialen Leben teilzuhaben."

Kritik am Entwurf für neue Testverordnung

Ursprünglich sollte Kindern und Jugendlichen ab 12 Jahren sogar nur eine Übergangsfrist bis Ende November eingeräumt werden, bevor in dieser Altersgruppe Bürgertests kostenpflichtig geworden wären. Dass Kindern und Jugendlichen keine Gratistests mehr gewährt werden sollen, war bundesweit auf Kritik gestoßen, unter anderem hatte die Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin diese Regelung in ihrer Stellungnahme zu dem Verordnungsentwurf kritisiert.

Tritt die Verordnung wie jetzt von Spahn angekündigt in Kraft, müssen Eltern nicht geimpfter Kinder ab Januar die Tests selbst bezahlen. Dabei handelt es sich aber nur um die Kosten der Bürgertests. Wenn Kinder und Jugendliche vor dem Schulbesuch getestet werden müssen, dann entstehen wiederum keine Kosten. Diese Pflichttests fallen unter eine andere gesetzliche Regelung.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 16. September 2021 | 19:30 Uhr

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