Kampf um CDU-Vorsitz Wie viel Osten steckt in Friedrich Merz?

Anne-Marie Kriegel, Landeskorrespondentin Sachsen-Anhalt für das MDR AKTUELL Nachrichtenradio
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Im Januar wählt die CDU ihren neuen Vorsitzenden. Friedrich Merz tritt nun schon zum dritten Mal an. Aus den neuen Bundesländern erhält er unter anderem Unterstützung von Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff. Merz kenne sich mit Ostwirtschaft aus, so Haseloff. Doch wie nah steht Merz dem Osten tatsächlich?

Ein weiterer Anlauf für Friedrich Merz, klappt es dieses Mal mit dem Bundesvorsitz der CDU? Wenn man Sachsen-Anhalts Ministerpräsidenten fragt, bekommt man ein klares Ja. Reiner Haseloff lobt Merz nicht nur für seine Kenntnis der Wirtschaft hier in der Region, er kenne die Situation im Osten am besten. Weil er Aufsichtsrat einer Papierfabrik in Leuna sei, sei er auch häufig hier, erklärt Sachsen-Anhalts Regierungschef weiter. 

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Merz als Unternehmensversteher

Detlef Gürth, Chef der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU und jahrzehntelanger Abgeordneter in Sachsen-Anhalt, stimmt dem zu: "Also Friedrich Merz war in meinem kleinen Aschersleben bestimmt vier, fünf Mal zu Besuch. Ich kannte ihn schon, da war er noch Europaabgeordneter."

Merz sei nicht nur jemand, der posieren möchte und über eine gute Rhetorik verfüge, sagt Gürth. Er erzählt von einem Unternehmer-Treffen in der Kleinstadt Hecklingen. "Auf seinen Wunsch hin haben wir es in der Werkhalle gemacht, neben den Maschinen – und nicht irgendwo in einem edlen Hotel."

Ost-Engagement nur in Leuna bekannt

Die Papierfabrik, deren Aufsichtsrat Merz ist, hat 14 Werke in ganz Europa. Neben Leuna im Süden von Sachsen-Anhalt etwa auch in Großbritannien. Ob Merz sich in Ostdeutschland noch irgendwo anders engagiert, ist nicht bekannt. Im Handelsregister ist nach ein paar Klicks nichts zu finden, IHK und Wirtschaftsverbände zucken die Schultern und das Büro von Friedrich Merz lässt eine Anfrage von MDR AKTUELL unbeantwortet. 

Für Andreas Silbersack, Fraktionschef der FDP in Sachsen-Anhalts Landtag und wirtschaftspolitischer Sprecher seiner Fraktion, ist die wirtschaftliche Kompetenz von Friedrich Merz völlig unstrittig. Sicher kenne Merz sich aus – und wer sich mit der Wirtschaft auskennt, kenne dann auch die Ostwirtschaft als einen Teil des Ganzen. Allerdings mache Merz die Tätigkeit als Aufsichtsrat in der Papierfabrik in Leuna allein nicht zum ausgewiesenen Kenner. Diese These wäre Silbersack zu gewagt.

Zumal: Die Papierfabrik habe eben mehrere Standorte auch außerhalb Sachsen-Anhalts, führt Silbersack an. Sicherlich könne man da einen kleinen Einblick gewinnen. Aber man könne von einer Niederlassung eines Papier-Fabrikanten nicht auf die gesamte Ostwirtschaft Rückgriff nehmen.

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JU-Vorsitzende unschlüssig

Die Landesvorsitzende der Jungen Union Anna Kreye scheint nach Friedrich Merz gefragt ein Motto im Kopf zu haben: Im Osten gewinnt man vielleicht keine Wahlen, aber man kann sie hier sehr leicht verlieren. 

Kreye erklärt: "Also wir haben ja jetzt grade im Bundestagswahlkampf gemerkt, dass die spezifischen Ostthemen, die wir vor Ort haben, eine größere Rolle spielen müssen, um natürlich auch als Partei weiter erfolgreich zu sein." Und Ostkenner? Merz sei natürlich schon mehrfach zu Besuch gewesen und habe damit gezeigt, sich ernsthaft mit der teilweise recht komplizierten politischen Situation und Ostthemen auseinanderzusetzen.

Nichtsdestotrotz will Kreye sich mit Blick aufs Rennen um den CDU-Vorsitz zumindest heute nicht für Merz aussprechen. Sie wolle das Rennen zwischen den Bewerbern noch ein bisschen beobachten, bevor sie eine Entscheidung trifft.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 03. Dezember 2021 | 08:39 Uhr

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