Energiekrise Kemfert: Homeoffice kann fünf Prozent Energie sparen

Die Energieexpertin Claudia Kemfert sieht durch Homeoffice in Deutschland ein Energiesparpotenzial von bis zu fünf Prozent. Zugleich spricht sie sich im MDR-Podcast gegen einen "Streckbetrieb" von Atomkraftwerken aus. Auch das Bundesamt für Strahlenschutz sieht längere Laufzeiten skeptisch.

Eine Frau nimmt von ihrem Wohnzimmer aus an einer Telefonkonferenz teil.
Homeoffice kann viel Energie sparen. Zwar muss auch das Arbeitszimmer geheizt werden und der Rechner braucht Strom, aber Arbeitswege fallen weg. Bildrechte: dpa

Die Energieökonomin Claudia Kemfert sieht erhebliches Energiesparpotenzial durch die Nutzung von Homeoffice. Sie sagte der Funke-Mediengruppe, durch Heimarbeit müssten Bürogebäude nicht geheizt werden und man spare Strom. Zwar entstünden auch im Homeoffice Energiekosten, dafür entfielen aber Energiekosten bei Arbeitswegen.

Weniger Energieverbrauch und Emissionen

Die Expertin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung verwies auf Studien, wonach durch Homeoffice "bis zu fünf Prozent des Energieverbrauchs eingespart werden können". Angesichts der aktuellen Energiekrise hält es Kemfert für sinnvoll, Homeoffice auszuweiten.

Auch der Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) zeigt sich offen für mehr Heimarbeit. Chefvolkswirt Hans-Jürgen Völz sagte, wegfallende Arbeitswege dienten Umwelt und Klima. Er führte Modelle an, die durch Homeoffice ein Einsparpotenzial von bis zu 3,7 Millionen Tonnen Treibhausgase im Straßenverkehr sehen.

Kemfert gegen AKW-Streckbetrieb – kein Wechsel zu Uniper  

Im Klima-Podcast von MDR AKTUELL sprach sich die Energieökonomin Kemfert auch gegen einen "Streckbetrieb" für die deutschen Atomkraftwerke aus. Der Streckbetrieb nutze nichts, "weil wir nicht mehr Strom produzieren". Dabei soll die Stromerzeugung der AKW jetzt gedrosselt werden, damit mit den noch aktiven Brennstäben über den eigentlichen Stilllegungstermin zum Jahreswechsel noch etwas länger Strom erzeugt werden kann.

Wenn es wirklich darum ginge, Gas einzusparen, müsse man mehr Strom produzieren, so wie man das jetzt bei der Kohle mache, kritisierte Kemfert. Außerdem stünden Aufwand und Ertrag in keinem Verhältnis: Das Atomgesetz müsste geändert werden, es brauche neue Betriebsgenehmigungen und umfangreiche Sicherheitsprüfungen.

Grundsätzlich sieht Kemfert die AKW-Diskussion als "eine politische Gespensterdebatte". Stattdessen sei auffällig, dass keiner über erneuerbare Energien rede. Hier brauche es schnellere Genehmigungen, viele Anlagen warteten auf die Inbetriebnahme.

Kemfert wies in dem Podcast auch Medienberichte zurück, sie würde in den Aufsichtsrat des Energiekonzerns Uniper wechseln.

Amt für Nukleare Sicherheit sieht bei längeren AKW-Laufzeiten offene Fragen

Der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) warnt vor überzogenen Erwartungen beim Weiterbetrieb von Atomkraftwerken. Präsidentin Simone Peter sagte der "Rheinischen Post", mehr Atomstrom verdränge vor allem erneuerbare Kapazität. Durch eine Laufzeitverlängerung der AKW lasse sich maximal ein Prozent des Erdgases ersetzen. Die ehemalige Grünenchefin forderte stattdessen einen schnelleren Ausbau der Erneuerbaren Energien. Viel Potenzial biete etwa heimisches Biogas. Zudem steckten "viele Wind- und Solarprojekte in der Genehmigung, die kurzfristig angeschlossen werden können".

Auch der Präsident des Bundesamts für nukleare Entsorgung, Wolfram König, sieht längere Laufzeiten für die verbliebenen AKW skeptisch. "Wichtigster Maßstab im Umgang mit der Hochrisikotechnologie Atomkraft ist und bleibt die Sicherheit", sagte König dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Es gebe zahlreiche Fragen zur fehlenden periodischen Sicherheitsüberprüfung der noch laufenden Meiler Neckarwestheim 2, Emsland und Isar 2. Auch die Endlagerung der Atomabfälle sei ungelöst.

AFP,dpa,MDR(ans)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | MDR AKTUELL RADIO | 28. Juli 2022 | 09:30 Uhr

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