Milliardenloch Zusatzbeitrag zur Krankenversicherung wird angehoben

Die gesetzlich Krankenversicherten sollen im kommenden Jahr einen höheren Beitrag zahlen. Bundesgesundheitsminister Lauterbach will den Zusatzbeitrag um 0,3 Prozentpunkt auf dann 1,6 Prozent anheben. Er verwies auf ein erwartetes Defizit bei den Krankenkassen von 17 Milliarden Euro. Das Milliarden-Loch habe er von seinem Vorgänger Spahn geerbt.

Eine Arzthelferin steckt eine Versichertenkarte in ein Kartenlesegerät.
Die gesetzlich Krankenversicherten sollen ab dem kommenden Jahr einen um 0,3 Prozentpunkte höheren Zusatzbeitrag zur Krankenversicherung zahlen. Bildrechte: dpa

Auf die über 57 Millionen Mitglieder der gesetzlichen Krankenkassen kommt im nächsten Jahr ein höherer Zusatzbeitrag zu. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach kündigte an, dass der Zusatzbeitrag um 0,3 Prozentpunkte auf 1,6 Prozent angehoben wird. Sein Vorschlag wird nun in der Bundesregierung abgestimmt.

Milliarden-Loch bei Krankenversicherungen erwartet

Lauterbach begründete die Beitragserhöhung mit einem drohenden Defizit von rund 17 Milliarden Euro bei den gesetzlichen Krankenkassen. Die Beitragserhöhung soll rund fünf Milliarden Euro an Einnahmen bringen.

Um das Loch zu stopfen, wird zudem der Bundeszuschuss um zwei Milliarden Euro erhöht. Vorgesehen ist auch ein Bundesdarlehen von einer Milliarde Euro.

Weitere Milliarden sollen aus den Rücklagen der Krankenkassen und des Gesundheitsfonds zusammenkommen, aus einer Abgabe der Pharmaindustrie in Höhe von einer Milliarde Euro sowie durch Sparmaßnahmen im Gesundheitswesen. Leistungen sollen nicht gekürzt werden.

Lauterbach gibt Vorgänger Spahn die Schuld

Lauterbach erklärte, er habe das Defizit von seinem Vorgänger Jens Spahn geerbt. Dieser habe teure Leistungsausweitungen vorgenommen und auf Strukturreformen verzichtet.

Zusatzbeitrag variiert bei den Krankenkassen

Endgültig festgelegt wird der Zusatzbeitrag durch einen offiziellen Schätzerkreis im Herbst. Die konkrete Höhe legen dann die Kassen selbst fest.

Mit der Erhöhung wäre der Kassen-Beitrag so hoch wie noch nie. Zusammen mit dem allgemeinen Beitragssatz von derzeit 14,6 Prozent müssen dann 16,2 Prozent vom Bruttolohn für die Krankenversicherung abgeführt werden.

Beitragssatz und Zusatzbeiträge Der allgemeine Beitragssatz für die gesetzliche Krankenversicherung liegt derzeit bei 14,6 Prozent des Lohns oder der Rente. Dies reicht den Kassen aber in der Regel nicht, um ihre Kosten zu decken. Sie können deshalb Zusatzbeiträge erheben. Diese liegen dieses Jahr im Schnitt bei 1,3 Prozent, schwanken aber von Kasse zu Kasse. Beide Beitragsteile werden je zur Hälfte von Arbeitgeber und Arbeitnehmer bezahlt.

dpa,Reuters,epd(jks)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 28. Juni 2022 | 15:00 Uhr

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