Nach Wahl-Niederlage Linke im Osten besorgt wegen Ergebnis im Saarland

Für die Linke gab es nach der Bundestagswahl im Saarland nun die nächste herbe Enttäuschung. Minus zehn Prozentpunkte, raus aus dem Landtag. Die Angst vor der Bedeutungslosigkeit treibt auch die Ost-Landesverbände um.

Leere Stühle in einem Raum vor einem Podium auf dem das Logo der Partei "Die Linke" zu sehen ist.
Die Leere nach der Wahl: Die Linke wird nicht in den Saarbrücker Landtag einziehen. Bildrechte: dpa

Am Tag nach dem Debakel seiner Partei bei der Saarland-Wahl steht Sören Pellmann in Leipzig-Kleinzschocher vor einem Supermarkt und verteilt Blumen: "Dann pack ich das hier ins Tütchen rein – und dann gutes Einpflanzen, gutes Anwachsen!"

Pellmann sitzt für die Linke im Bundestag und ist auf Frühlingstour in seinem Wahlkreis. Anders als im Saarland ist die Linke hier noch eine Macht: Pellmann hat bei der Bundestagswahl eines von drei Direktmandaten geholt.

Denen verdankt die Partei, dass sie überhaupt noch im Bundestag sitzt. Denn die Fünf-Prozent-Hürde hatte sie verpasst. Nun die nächste Enttäuschung – im Saarland. Pellmann resümiert: "Es rüttelt uns alle wach und auf. Und das heißt jetzt auch, sich zusammenzuraufen". Es gelte, Streit und Auseinandersetzungen einzustellen und im Interesse der Inhalte nach vorne zu blicken.

Es ist nicht zu verhehlen und nicht zu verkennen, dass das eine Katastrophe ist.

Susanne Schaper Landesvorsitzende der Linken in Sachsen

Die Fraktion der Linken im Sächsischen Landtag trifft sich gerade in Crimmitschau zur Klausurtagung. Auch hier sei die Saarland-Wahl natürlich Thema, sagt Landeschefin Susanne Schaper: "Es ist nicht zu verhehlen und nicht zu verkennen, dass das eine Katastrophe ist."

Und zwar eine, die sinnbildlich für die gesamte Partei stehe, sagt Schaper: Eine Partei, die sich mit sich selbst beschäftigt, sei für Menschen schlecht wählbar – wenn man nicht erkenne, was die Partei eigentlich möchte.

Lafontaines Austritt habe Partei geschadet

Was der Linken zuletzt schadete, seien parteiinterne Streitereien und mangelnde Geschlossenheit gewesen, meint auch Janina Böttger, die Landesvorsitzende der Linken in Sachsen-Anhalt. Das sei im Saarland besonders deutlich geworden: "Oskar Lafontaine war sicherlich lange eine Führungsfigur, der es auch vermochte, im Saarland viele Wählerinnen für die Linke hinter sich zu versammeln. Allerdings war er auch Teil des Machtkonflikts und hat mit seinem Austritt kurz vor der Wahl der Partei vor Ort natürlich geschadet."

Auch zum russischen Angriff auf die Ukraine gab es zuletzt Streit in der Linken. Der Parteivorstand habe den Angriff klar verurteilt, sagt Böttger. Anders als das Lager um Sahra Wagenknecht. Böttger wünsche sich "natürlich Klarheit und vor allen Dingen auch Geschlossenheit, dass man zu diesen Positionen auch steht, auch als Bundestagsabgeordnete."

Geschlossenheit und Führungspersonen

Beim Parteitag im Juni müsse man diese Machtkämpfe endlich beilegen. Doch schon im Mai stehen zwei weitere Landtagswahlen an: Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen. Um dort zu punkten, helfe ein Blick nach Thüringen, glaubt Christian Schaft, der Landesvorsitzende der hiesigen Linken. Schließlich stelle die Partei hier den Ministerpräsidenten.

Schaft sagt: "Die Situation ist gerade nicht einfach, aber ich würde jetzt den Kopf nicht in den Sand stecken." Die Herausforderung werde sein, geschlossen als Partei mit glaubwürdigen Positionen und authentischem Personal – wie mit Bodo Ramelow in Thüringen – in die nächsten Wahlkämpfe zu gehen.

Schaft hofft, dass seine Partei so ein erneutes "Desaster" – wie er das Ergebnis der Saarland-Wahl nennt – verhindern kann.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 29. März 2022 | 06:00 Uhr

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