Analyse Russland will Gas über Nord Stream 2 liefern

MDR AKTUELL Mitarbeiter Kristian Schulze
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Wer auch immer die Erdgas-Pipelines in der Ostsee absichtlich beschädigt hat – ein Strang der Nord-Stream-2-Leitung wurde dabei verschont. Jetzt schlägt Russland dessen Inbetriebnahme vor, was den Verdacht gegen Moskau vermutlich erhärten dürfte.

Eine stilisierte Karte von Nordeuropa. Eingezeichnet sind die Gas-Pipelines Nord Stream 1 und 2. Die Punkte zeigen die Lecks.
Der Verlauf der Nord-Stream-Leitungen nach Deutschland und die Lage der vier durch Explosionen verursachten Lecks Bildrechte: MDR

Bei der Sabotage der Nord-Stream-Leitungen durch die Ostsee ist einer von vier Pipeline-Strängen verschont geblieben – Leitung B von Nord Stream 2. Die Betriebsgenehmigung für diese erst kurz vor dem Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine fertig gebaute Pipeline hatte Deutschland noch Ende Februar auf Eis gelegt, als Reaktion auf das russische Vorgehen.

Dass gerade diese Leitung nun als einzige für direkte Gaslieferungen aus Russland noch nutzbar ist, kann Zufall sein, aber auch Kalkül des Kremls, sofern angenommen wird, dass Russland für die Explosionen an den Unterwasser-Leitungen verantwortlich ist.

So sehen es die EU und viele westliche Experten, obschon Russlands Präsident Wladimir Putin zuletzt behauptete, dass die USA und die Briten die eigentlichen Profiteure dieses Sabotageakts seien.

Russland bietet Gaslieferungen an

Zu dem westlichen Verdacht gegen Russlands passt nun jedoch, dass Energieminister Alexander Nowak kaum zwei Wochen nach den Anschlägen im russischen Staatsfernsehen verkündet, Nord Stream 2 sei eigentlich noch "in technisch geeignetem Zustand" und dass er dabei auch gleich anbot, durch eben diese Leitung jetzt wieder Gas nach Europa zu liefern.

Nord Stream 2 zu öffnen, ist auch eine Forderung nicht weniger Demonstranten an Montagen auf ostdeutschen Straßen. Der Schlüssel dazu liegt in Berlin, weshalb das Angebot aus Russland – je nach Sicht der Dinge – als durchaus vergiftet gesehen werden kann. Denn die Bundesregierung müsste sich bei der Genehmigung eine sehr peinliche Blöße geben.

Zugleich forderte Nowak erneut eine Beteiligung von Russland an den Ermittlungen zu dem Sabotageakt in der Ostsee. Schließlich wird auch in Russland in der Sache offiziell wegen Terrorismus ermittelt.

Warten auf die Untersuchungsergebnisse

Derzeit untersuchen aber vor allem schwedische und dänische Experten die Löcher in den Leitungen, da sie in den Gewässern dieser Länder liegen. Die Ergebnisse werden mit Spannung erwartet, dürften jedoch so bald noch nicht vorliegen, denn die Untersuchungen am Meeresboden gelten als schwierig.

Über Nord Stream 1 liefert Russland seit Anfang September kein Gas mehr  – angeblich aus technischen Gründen, die wegen der Sanktionen auch nicht zu beheben seien. Nach der Zerstörung beider Stränge dieser Leitung könnte es Zufall sein, dass nun eine Leitung von Nord Stream 2 noch funktioniert.

Da aber die Beschädigungen selbst ganz offenkundig kein Zufall sind, ist das eher wenig wahrscheinlich. Zumal auch fragwürdig ist, warum jemand, der russische Erdgaslieferungen durch die Leitungen verhindern wollte und dazu auch in der Lage war, ausgerechnet diesen einen Strang intakt lässt.

Deutschland für Gaspipeline durch Frankreich

Bundeskanzler Olaf Scholz zeigte sich unterdessen zuversichtlich, dass Frankreich seinen Widerstand gegen den Bau einer Gaspipeline aus Spanien nach Mitteleuropa aufgeben wird. Zu französischen Einwänden, dass eine derartige Leitung nicht wirtschaftlich sei, sagte der SPD-Politiker bei einem Besuch in Spanien, dass man "anders denken" müsse. Es könne sich täglich ändern, welche Verbindungen wirtschaftlich seien und welche nicht.

dpa/Reuters/MDR

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 06. Oktober 2022 | 07:39 Uhr

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