Energieversorgung Das bedeutet der EU-Gasnotfallplan für Deutschland

Kürzer duschen, weniger Beleuchtung, kühlere Turnhallen und Flure: Mit einem Notfallplan wollen die EU-Staaten in den kommenden Monaten Gas sparen, um auf einen möglichen Lieferstopp aus Russland vorbereitet zu sein. Doch wie genau soll der Energieverbrauch in Deutschland gesenkt werden?

Der Regler einer Heizung.
Der EU-Gasnotfallplan sieht in Deutschland unter anderem vor, weniger zu heizen. Bildrechte: dpa

Der europäische Gas-Notfallplan zur Vorbereitung auf einen möglichen Stopp russischer Erdgaslieferungen ist um Mitternacht in Kraft getreten. Der Plan sieht vor, dass alle EU-Länder ihren Gasverbrauch von Anfang August bis März 2023 kommenden Jahres freiwillig um 15 Prozent senken, verglichen mit dem Durchschnittsverbrauch der vergangenen fünf Jahre.

Für Deutschland bedeutet der Notfallplan, dass rund zehn Milliarden Kubikmeter Gas eingespart werden müssten. Das entspricht etwa dem Jahresverbrauch von fünf Millionen Haushalten. 2021 gab es in Deutschland rund 40,7 Millionen Haushalte. Demnach müsste jeder Haushalt rund zwölf Prozent seines Gasverbrauchs sparen.

Nach Angaben des Wirtschafts- und Klimaschutzministeriums will die Bundesregierung mehr als die vereinbarten 15 Prozent schaffen. Um die Gasverstromung zu reduzieren, sollen zum Beispiel zuletzt in Reserve gehaltene Steinkohlekraftwerke wieder Strom produzieren. Den Anfang machte am Montag das Kohlekraftwerk im niedersächsischen Mehrum. Entgegen der geplanten Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels sollten weitere folgen, heißt es – darunter auch Braunkohlekraftwerke.

Bereits konkrete Sparmaßnahmen in EU-Ländern

Einige EU-Länder haben bereits konkrete Maßnahmen zum Gas-Sparen verordnet. So soll in den mediteranen Ländern die Abkühlung durch die Klimaanlage beschränkt werden. In Frankreich sollen Geräte nicht mehr auf Standby geschaltet sein. Auch wird den Bürgern angeraten, weniger zu heizen. Die Niederländer werden aufgerufen, kürzer zu duschen.

Deutschland: Weniger heizen in öffentlichen Gebäuden

Auch in Deutschland sollen verbindliche Ziele in Kraft treten. Im vergangenen Jahr entfiel hierzulande mit 31 Prozent knapp ein Drittel des Gasverbrauchs auf Privathaushalte. Hier besteht also großes Einsparpotenzial. Besonders im Heizverhalten und Warmwasserverbrauch kann gespart werden. Schon durch das Absenken der Raumtemperatur um ein Grad Celsius könnten rund sechs Prozent Gas eingespart werden.

Außerdem soll der Energieverbrauch in öffentlichen Gebäuden verringert werden. Rund 186.000 öffentliche Gebäude gibt es nach Angaben der Deutschen Energie-Agentur (Dena) hierzulande. Das Einsparpotenzial wäre hier also groß. So sollen nur sporadisch genutzte Bereiche wie Flure oder Foyers nicht mehr beheizt werden. In Berlin werden bereits über 200 öffentliche Gebäude und Sehenswürdigkeiten nachts nicht mehr angestrahlt. Auch in Mitteldeutschland schränken viele Kommunen die nächtliche Beleuchtung bestimmter Gebäude oder Sehenswürdigkeiten bereits ein.

Zwölf Vorschläge für Kommunen zum Energie sparen

Der Deutsche Städtetag hat eine Liste mit zwölf Vorschlägen vorgelegt, wie Kommunen Energie einsparen können. So könnte die Wassertemperatur in öffentlichen Schwimmbädern reduziert, in "ausgewählten öffentlichen Gebäuden" das Warmwasser komplett abgestellt werden. Mit Beginn der Heizperiode können Schulen demnach die Temperatur in Turnhallen auf maximal 15 Grad begrenzen, in den Klassenzimmern auf den gesetzlichen Mindestwert von 20 Grad. Unternehmen wiederum sollten ungenutzte Gasmengen in Auktionen verkaufen können – ähnlich des Handels mit Co2-Zertifikaten.

Einsparungen: Alternativen zum Gas

Nachrichten

Eine Frau dreht eine Heizung auf. 5 min
Bildrechte: dpa

MDR (lmb), AFP, dpa

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | Das Nachrichtenradio | 09. August 2022 | 06:00 Uhr

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