Bundesanwaltschaft Ex-Bundeswehrsoldaten wegen Terrorverdacht festgenommen

Die Bundesanwaltschaft hat zwei ehemalige Bundeswehrsoldaten wegen mutmaßlicher Planung einer terroristischen Vereinigung festnehmen lassen. Die Männer wollten offenbar eine Söldnertruppe aufbauen und damit im Bürgerkrieg in Jemen Geld verdienen. Die beiden Verdächtigen hatten nach MDR-Informationen in der Vergangenheit für die umstrittene Firma "Asgaard German Security Guards Consulting" gearbeitet.

Kämpfer im Bürgerkrieg in Jemen
Huthi-Rebellen Ende 2017 bei der Rekrutierung neuer Kämpfer in Sanaa im Jemen. Bildrechte: dpa

Die Bundesanwaltschaft hat zwei ehemalige Bundeswehrsoldaten wegen des Verdachts der Bildung einer terroristischen Vereinigung festnehmen lassen. Die beiden Männer hätten geplant, eine 100 bis 150 Mann starke Söldnertruppe für den Einsatz im Jemen aufzubauen, teilte die Behörde in Karlsruhe mit.

Spezialkräfte der Bundespolizei nahmen die beiden deutschen Staatsangehörigen fest. Nach Angaben des Generalbundesanwalts wurden zudem in Baden-Württemberg und Bayern mehrere Wohnungen durchsucht. Am Nachmittag erließ ein Ermittlungsrichter beim Bundesgerichtshof Haftbefehl gegen die beiden Männer.

Motiv war offenbar Geld

"Primäre Triebfeder zu diesem Vorhaben war bei den beiden Beschuldigten die Aussicht auf einen angestrebten monatlichen Söldnerlohn von rund 40.000 Euro für jedes Mitglied der Einheit", hieß es in der Mitteilung der Bundesanwaltschaft. Die Männer hofften demnach darauf, dass "Dritte, vorzugsweise Saudi-Arabien", für die Finanzierung sorgen würden. Einer von ihnen habe "hartnäckig" versucht, mit der saudiarabischen Regierung Kontakt aufzunehmen, jedoch ohne Erfolg.

Der Konflikt im Jemen gilt als Stellvertreterkrieg zwischen den Regionalmächten Saudi-Arabien und Iran, die jeweils um die Vorherrschaft kämpfen.

Die beschuldigten Männer hätten vorgehabt, mit ihrer paramilitärischen Truppe das Bürgerkriegsgebiet zu "befrieden" und Friedensverhandlungen zwischen den Huthi-Rebellen und der jemenitischen Regierung zu erzwingen, führte die Karlsruher Ermittlungsbehörde weiter aus. Dabei wären sie auch bewusst zu "Tötungshandlungen" bereit gewesen – auch gegen Zivilisten.

Söldnertruppe als Geschäftsmodell

Über den Einsatz im Jemen hinaus sollen die Männer geplant haben, ihre Söldnertruppe weiter "als sogenanntes privates Militärunternehmen zu betreiben". Die Kampfgruppe sollte demnach auch für Einsätze in anderen Konflikten zur Verfügung zu stehen. Einer der beiden Beschuldigten war laut Bundesanwaltschaft für die Anwerbung und Rekrutierung der Söldner zuständig. Er habe dazu bereits mit mindestens sieben Menschen Kontakt aufgenommen. Die Söldnertruppe sollte den Ermittlern zufolge vor allem aus ehemaligen Angehörigen der Bundeswehr oder früheren Polizisten bestehen.

Nach MDR-Informationen wurden bei dem Rekrutierungsversuch angesprochene Ex-Soldaten skeptisch. Als sie nähere Informationen zu der vermeintlichen Nichtregierungsorganisation verlangten, blieben die Nachfragen unbeantwortet. Den beiden Verdächtigen war offenbar bewusst, dass sie nicht offen für einen illegalen Söldnereinsatz im Ausland werben konnten. Ob sie sich deshalb auf das Versprechen, es gehe um einen humanitären Einsatz für eine Nichtregierungsorganisation verlegten, ist bislang unklar.

Überschneidung mit "Asgaard German Security Guards Consulting"

Die beiden Verdächtigen sollen den MDR-Recherchen zufolge in der Vergangenheit für die umstrittene Firma Asgaard German Security Guards Consulting gearbeitet haben, die im vergangenen Jahr in die Schlagzeilen geraten war. Damals hatten verschiedene Medien Videoaufnahmen von Angehörigen der Firma aus dem Irak veröffentlicht. Auf diesen waren Räume zu sehen, in denen unter anderem eine Reichskriegsflagge hing.

Bereits im Mai hatte der MDR berichtet, dass das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) und der Militärische Abschirmdienst (MAD) rund um die Firma Asgaard 59 Personen überprüfe. Dabei soll es sich größtenteils um Reservisten der Bundeswehr handeln.

MDR, AFP, (ans)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 20. Oktober 2021 | 09:00 Uhr

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