Ukraine-Konflikt Mindestens 340.000 ukrainische Flüchtlinge in Deutschland

Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine haben sich 2,73 Millionen Menschen aus dem Land über Polen in Sicherheit gebracht. Auch Deutschland beteiligt sich an der Aufnahme ukrainischer Flüchtlinge. Doch nicht alle Flüchtlinge können erfasst werden. Ein Überblick für Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.

Frauen und Kinder, die aus der Ukraine geflohen sind, werden am polnischen Grenzübergang Medyka von einer freiwilligen Helferin
Frauen und Kinder, die aus der Ukraine geflohen sind, werden am polnischen Grenzübergang Medyka von einer freiwilligen Helferin begleitet. Bildrechte: dpa

Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine haben sich 2,73 Millionen Menschen aus dem Land in Polen in Sicherheit gebracht. Das teilte der polnische Grenzschutz am Donnerstag auf Twitter mit. Allein am Mittwoch kamen 24.700 Flüchtlinge, ein Anstieg um drei Prozent im Vergleich zum Tag zuvor. In Richtung Ukraine überquerten am Mittwoch 20.000 Menschen die Grenze. Polen und die Ukraine verbindet eine mehr als 500 Kilometer lange Grenze.

Insgesamt seien seit Beginn des Krieges am 24. Februar 629.000 Menschen in die Ukraine eingereist. Dabei handele es sich zum Großteil um ukrainische Staatsbürger. Sie reisen meist in die Gebiete, die die ukrainische Armee zurückerobert hat.

Es gibt derzeit keine offiziellen Angaben, wie viele der Kriegsflüchtlinge in Polen geblieben und wie viele bereits in andere EU-Staaten weitergereist sind.

Unvollständige Datenlage auch in Deutschland

Nach Angaben der Bundespolizei wurden in Deutschland bis offiziell insgesamt 253.000 Kriegsvertriebene gezählt. Die Dunkelziffer liegt wahrscheinlich allerdings wesentlich höher, da keine Einreisekontrollen stattfinden und sich viele Flüchtlinge noch nicht offiziell gemeldet haben (Stand: 25. März). Laut Statista liegt die Zahl der gemeldeten Flüchtlinge bei rund 339.655 Menschen (Stand: 13. April).

Keine verlässlichen Zahlen für Mitteldeutschland

Laut dem Ministerium für Inneres in Sachsen-Anhalt sind seit dem Angriffsbefehl des russischen Präsidenten Wladimir Putin am 24. Februar 2022 auf die Ukraine bisher mindestens 18.279 Kriegsflüchtlinge direkt von den Landkreisen und kreisfreien Städten aufgenommen worden, darunter knapp 6.400 Kinder (Stand: 11. April). Bisher nicht vollständig erfasst sind ukrainische Kriegsflüchtlinge, die bei Freunden, Verwandten oder hilfsbereiten Sachsen-Anhalterinnen und Sachen-Anhaltern privat untergekommen sind.

Der Flüchtlingsrat Sachsen-Anhalt wies auf Anfrage von MDR AKTUELL darauf hin, dass viele Ausländerbehörden mit der Registrierung der Ankommenden so überfordert seien, dass Registrierungstermine erst ein paar Wochen später verfügbar seien und es bis zur Registrierung, bzw. an manchen Orten auch darüber hinaus, keine Wohnsitzauflage gebe, sodass Menschen sich auch weiterbewegen könnten.

In Thüringen ist die Zahl der Ukraine-Flüchtlinge höher als erwartet. Seit Beginn des Kriegs in der Ukraine sind rund 10.000 Flüchtlinge angekommen (Stand 01. April). Nach den Zahlen des Landesverwaltungsamtes stieg die Zahl der Geflüchteten in Thüringen bisher etwas schneller als prognostiziert.

Thüringens Migrationsminister Dirk Adams (Grüne) war ursprünglich davon ausgegangen, dass es bis Ende April/Anfang Mai dauern würde, ehe rund 10.000 Flüchtlinge in Thüringen ankommen könnten.

Roland Wöller (CDU), Innenminister von Sachsen, zufolge halten sich aktuell rund 4200 Kriegsflüchtlinge in den sächsischen Erstaufnahmeeinrichtungen auf (Stand: 24. März).

Die Ukraine hatte vor dem russischen Einmarsch am 24. Februar mehr als 44 Millionen Einwohner.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 14. April 2022 | 12:10 Uhr

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