März zu trocken So ist die aktuelle Dürre-Situation in Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen

Manuel Mohr
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Der März war geprägt von einer außergewöhnlich langen Schönwetterperiode. Diese brachte außergewöhnlich viel Sonne, jedoch kaum nennenswerten Niederschlag. Mit zunehmender Dauer dieser trockenen Witterungsphase steigt nun das Risiko für Dürre und Waldbrände.

Ein Traktor fährt über ein Feld und zieht eine Staubfahne inter sich her.
Mit Beginn der Vegetationsperiode sind vor allem Landwirte auf ausreichenden Niederschlag angewiesen. Bildrechte: dpa

Der März 2022 in Deutschland war erheblich zu trocken. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) fielen im bundesweit im Durchschnitt nur etwa 20 Liter Niederschlag pro Quadratmeter (l/m²) – nur ein etwa ein Drittel der sonst üblichen Menge. Während in Sachsen und Thüringen ebenfalls nur 30 bis 40 Prozent der sonst typischen Niederschlagsmengen registriert wurden, lag die Niederschlagsausbeute in Sachsen-Anhalt sogar nur bei etwa 5 statt 40 l/m². Damit zählte der März deutschlandweit zu den trockensten seit Beginn kontinuierlicher Wetteraufzeichnung im Jahr 1881.

Wie viel oder wenig Niederschlag jeweils im Monat März in den vergangenen Jahren gemessen wurde, sehen Sie in folgender Grafik. Für die Werte aus Sachsen und Thüringen klicken Sie bitte auf "weiter".

Solch ein niederschlagsarmer März sei schon sehr untypisch und trete statistisch betrachtet vergleichsweise selten auf, teilt Wolfgang Janssen, DWD-Agrarmeteorologe, auf MDR-Anfrage mit. Für das Grundwasser wäre es sehr gut gewesen, wenn mehr Niederschlag gefallen wäre. Für Pflanzen hingegen muss – je nach Art natürlich – vor allem der durchwurzelte Raum im Boden mit Wasser durchsetzt ist.

Daher war es zumindest schon gut, dass im Gegensatz zum März die Niederschläge in den Monaten zuvor ausreichend waren und die für die Pflanzen besonders wichtigen obersten Bodenschichten aufgefüllt worden sind. Aus "pflanzlicher Sicht" liegt laut Janssen aktuell demnach noch keine Dürre vor.

Wie viel oder wenig Niederschlag jeweils im meteorologischen Winter in den vergangenen Jahren gemessen wurde, sehen Sie in folgender Grafik. Für die Werte aus Sachsen und Thüringen klicken Sie bitte auf "weiter".

Dürre ist nicht gleich Dürre

Grundsätzlich definiert der DWD in seinem Wetter- und Klimalexikon Dürre als "einen Mangel an Wasser, der durch weniger Niederschlag und/oder eine höhere Verdunstung durch erhöhte Temperatur (oder Wind) als üblich verursacht wird." Je nach Ausmaß der Dürre werden diese unterschiedlich bezeichnet:

  1. Meteorologische Dürre: ein bis zwei Monate trockener als üblich
  2. Landwirtschaftliche Dürre: zwei Monate und länger trocken, es kommt zu Ernteeinbußen
  3. Hydrologische Dürre: ab vier Monate, Grundwasser und Pegel sind betroffen
  4. Sozio-ökonomische Dürre: ab einem Jahr, Wassermangel bremst produzierende Wirtschaft

Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen befinden sich aktuell noch in der Phase der meteorologischen Dürre. So sind zwar einerseits die gemessenen Niederschlagswerte im März im Vergleich zu den vergangenen Jahrzehnten ausgesprochen niedrig, den Pflanzen steht aber immer noch genügend Wasser zur Verfügung.

Deutschlandkarte mit grün und blau eingefärbten Bereichen, die den den Grad der Bodenfeuchte zeigen.
Anhand der nutzbaren Feldkapazität (nFK) wird dargestellt, wie viel Bodenwasser für Pflanzen ist. Ab 100 % nFK ist der Boden gesättigt, bei 0 % nFK können die Pflanzen dem Boden kein weiteres Wasser mehr entziehen. Bildrechte: Deutscher Wetterdienst

Tiefe Bodenschichten immer noch sehr trocken

Im Gegensatz zum Boden nahe der Oberfläche – der sich durch die Niederschläge im Winter gut erholen konnte – ist die Situation aktuell nicht überall so entspannt, sagt Dr. Andreas Marx. Er ist Leiter des Mitteldeutschen Klimabüros des Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig.

Wenn man tiefer in die Böden reingeht – also alles, was tiefer als einen halben oder einen Meter ist – da haben wir die Situation, dass sich in großen Teilen Sachsen-Anhalts, aber auch im Norden Sachsens und Thüringens das Wasserdefizit, das sich seit 2018 aufgebaut hat, überhaupt nicht aufgelöst hat.

Deutlich wird das anhand des sogenannten Dürremonitors des UFZ. Der Monitor zeigt anhand der Daten von rund 2.500 Wetterstationen sowie mathematischen Modellierungen unter anderem, wie feucht oder trocken der Boden bis zu einer Tiefe von etwa 1,8 Metern ist.

Im Zeitraum von April 2021 bis März 2022 wird dabei sichtbar, dass vor allem die tieferen Bodenschichten in Sachsen-Anhalt durchgehend zu trocken waren.

EineDeutschlandkarte, die in gelben und roten Flächen die Trockenheit des Bodens über mehrere Monate anzeigt. 1 min
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1 min

Dürre-Entwicklung deutschlandweit im Gesamtboden in den vergangenen 12 Monaten

MDR SACHSEN-ANHALT Di 29.03.2022 16:06Uhr 01:00 min

https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen-anhalt/video-609514.html

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Erhöhte Waldbrandgefahr und das Hoffen auf Regen

Für den Agrarmeteorologen Janssen ist der kommende Witterungsverlauf in den kommenden Wochen entscheidend bezüglich einer möglichen landwirtschaftlichen Dürre. Denn mit steigenden Temperaturen setzt das Pflanzenwachstum ein und es wird mehr Wasser benötigt. Bei ausbleibenden Niederschlägen könnten die Wasservorräte im Boden schnell aufgebraucht sein.

Rückblickend auf das Dürre-Jahr 2018 gibt er zu bedenken, dass damals die Böden zu Beginn der Vegetationsperiode im April zwar vergleichsweise gut mit Wasser gefüllt waren, die dann aber ausbleibenden Niederschläge schließlich zur Trockenheit führten. Die ausbleibenden Niederschläge sind zudem Grund dafür, dass in Teilen von Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen bereits seit Mitte März erhöhte Waldbrandgefahr herrscht und auch bereits erste Brände registriert wurden.

Auch der Bauernverband Sachsen-Anhalt hofft auf baldigen Regen. Wie Präsident Olaf Feuerborn MDR SACHSEN-ANHALT sagte, lassen sich die Folgen der derzeitigen Trockenheit noch nicht genau abschätzen. Allerdings lebe man ja noch mit einem Niederschlagsdefizit aus den vergangenen Jahren. Die tieferen Schichten der Böden seien noch nicht wieder aufgefüllt. Auch seien nun die Frühjahrsaussaaten im Boden und brauchten Feuchtigkeit, um keimen und anwachsen zu können.

Mehr zum Thema: Dürre und Trockenheit

MDR (Manuel Mohr)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT | 31. März 2022 | 05:00 Uhr

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