Spritpreis-Analyse Eine Woche ohne Tankrabatt: So stark sind die Spritpreise angestiegen

Manuel Mohr
Bildrechte: MDR/Manuel Mohr

Bereits seit Mitte August stiegen die Spritpreise trotz Tankrabatt wieder an, mit dem Ende der befristeten Entlastung folgte dann ein deutlicher Preissprung. Wo sich die Preise für Diesel und Benzin eine Woche später befinden und um welche Uhrzeit Tanken am billigsten ist, zeigt diese Analyse von MDR Data.

Preisanzeige einer Tankstelle
Die Spritpreise liegen nach Ende des Tankrabatts teilweise sogar höher als im Mai. Bildrechte: dpa

In der Nacht vom 31. August auf den 1. September 2022 stiegen flächendeckend die Kraftstoffpreise an den Tankstellen sprunghaft an. Grund dafür war das Auslaufen des sogenannten Tankrabatts. Die Folge: Diesel und Benzin waren von einem Tag auf den anderen um 20 bis 30 Cent je Liter teurer. Seit Jahresbeginn kam es damit nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine Ende Februar und der Tankrabatt-Einführung im Juni bereits zur dritten sprunghaften Preisbewegung in diesem Jahr.

Sie können in dieser und folgenden Grafiken jeweils zwischen den Werten für Deutschland, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen auswählen.

Hintergrund: Das war der Tankrabatt Die Bundesregierung hatte im Frühjahr beschlossen, die Energiesteuer auf Benzin und Diesel für die Monate Juni bis August zu senken. Der Tankrabatt machte bei Super-Benzin rechnerisch bis zu 35 Cent aus, bei Diesel 17 Cent.

Bereits von Mitte bis Ende August stieg der Preis für einen Liter Super-Benzin (E5) in Deutschland um rund zehn Cent. Mit dem Wegfall des Tankrabatts verteuerte sich der Kraftstoff dann innerhalb eines Tages im Durchschnitt um weitere 23 Cent je Liter. Das geht aus den Preisangaben aller rund 14.000 Tankstellen hervor, die MDR Data vorliegen.

Lag der Durchschnittswert am 31. August noch bei 1,84 Euro je Liter (€/l), wurden einen Tag später schon 2,07 €/l fällig. Mittlerweile sank der deutschlandweite Mittelwert geringfügig ab und lag in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag bei 2,05 €/l – das ist in etwa das Niveau von Anfang Mai.

In Sachsen stieg der Benzinpreis nach Ende des Tankrabatts innerhalb eines Tages um 22 Cent auf durchschnittlich 2,08 €/l. In den Folgetagen stieg der Preis dann zunächst weiter an, ehe er zu Beginn dieser Woche wieder um einige Cent sank. In Sachsen-Anhalt (21 Cent) und Thüringen (22 Cent) gestalteten sich die Preissprünge und -verläufe in den zurückliegenden sieben Tagen ähnlich.

Diesel teurer als vor dem Tankrabatt

Eine etwas anderen Verlauf hatte die Preisentwicklung beim Diesel. Zunächst einmal verpuffte der Tankrabatt Mitte Juni zwischenzeitlich komplett, die Preise an den Zapfsäulen lagen auf dem Niveau vor Einführung des Rabatts. Bis Mitte August sanken dann deutschlandweit die Preise bis auf einen Preis von unter 1,90 €/l. Zwei Wochen später – am Tag vor dem Ende des Tankrabatts – lag der Durchschnittspreis bereits bei 2,08 €/l und damit höher als zur Einführung der temporären Steuersenkungen.

Am 1. September erfolgte dann ein weiterer Anstieg um rund zehn Cent, weshalb die Preise für einen Liter Diesel nun wieder auf Werte gestiegen sind, die zuletzt im März erreicht worden waren.

"Kapitalistische Gier": Warum die Preise so stark gestiegen sind

Angesichts der deutlichen Preissteigerungen hat der ADAC den Mineralölkonzernen eine willkürliche Preispolitik vorgeworfen. Bei den Konzernen stehe das Gewinnmachen im Vordergrund, sagte ADAC Sprecherin Alexandra Kruse bereits kurz nach dem Ende des Tankrabatts MDR SACHSEN-ANHALT. Das Bundeskartellamt müsse untersuchen und transparent machen, wie die Kraftstoffpreise zustande kommen.

Dagegen haben die Pächter der Tankstellen keinen Einfluss auf die Preise an den Zapfsäulen, betonte vergangene Woche der Tankstellenverband. Die Pächter bekämen lediglich eine Provision von rund einem Cent pro verkauftem Liter – egal wie hoch der Preis ist und welcher Kraftstoff getankt wird. Der Tankstellenverband befürchtet, dass die Spritpreise dauerhaft über der 2-Euro-Marke bleiben.

Herbert Rabl, Sprecher des Tankstellen-Pächterverbands, sagte MDR SACHSEN-ANHALT am vergangenen Donnerstag, dass eine kleine Erhöhung des Spritpreises gerechtfertigt sei, unter anderem aufgrund der Löhne für LKW-Fahrer oder des niedrigen Wasserstandes des Rheins. Er sagte aber auch: "Dass der über Nacht um 30 Cent steigt, ist völlig ungerechtfertigt. Das ist einfach nur kapitalistische Gier."

Wann Tanken im Tagesverlauf am günstigsten ist

Laut ADAC sind die im Tagesverlauf mehrfach wechselnden Spritpreise an den Tankstellen "blankes Kalkül". Die Mineralölkonzerne würden so versuchen, mit häufigen Preissprüngen ihre Gewinne anzukurbeln. Der ADAC hat deshalb im Juli 2022 sämtliche Preisbewegungen aller rund 14.000 Tankstellen in Deutschland analysiert. Ergebnis: Am billigsten sind Benzin und Diesel zwischen 20:00 Uhr und 22:00 Uhr sowie zwischen 18:00 Uhr und 19:00 Uhr.

MDR Data liegen diese und weitere Spritpreis-Daten ebenfalls vor. Ein genauerer Blick zeigt, dass in den vergangenen drei Monaten deutschlandweit um 21:50 Uhr die durchschnittlich niedrigsten Kraftstoffpreise registriert wurden. Exemplarisch wird das auch an den Preisbewegungen der zurückliegenden Tage sichtbar:

Das höchste Preisniveau des Tages erreichen die Spritpreise laut ADAC hingegen um kurz nach 07:00 Uhr. Die MDR Data-Analyse bestätigt das: In den vergangenen drei Monaten wurden um 07:10 Uhr und 07:20 Uhr die durchschnittlich höchsten Preise für Super und Diesel im jeweiligen Tagesverlauf festgestellt.

Tankrabatt-Nachfolge: Keine Lösung in Sicht

Während über eine Nachfolge-Lösung für das 9-Euro-Ticket bereits an vielen Stellen diskutiert wird, ist es um eine Tankrabatt-Nachfolge deutlich stiller geworden. In einer aktuellen Befragung gaben allerdings rund zwei Drittel der knapp 29.000 Teilnehmenden bei MDRfragt an, dass sie sich eine Fortsetzung des Tankrabatts wünschen würden.

In ihrem dritten Entlastungspaket hat die Bundesregierung lediglich festgehalten, dass die für Anfang 2023 anstehende Erhöhung des CO2-Preises um ein Jahr verschoben wird, um "Bürgerinnen, Bürger und Unternehmen nicht zusätzlich bei den Energiekosten zu belasten".

Eigentlich wäre der CO2-Preis für fossile Brennstoffe – dazu zählen auch Benzin, Diesel, Heizöl und Erdgas – regulär zum Jahreswechsel um fünf Euro pro Tonne gestiegen. Laut ADAC wären das umgerechnet rund 1,5 Cent Preisaufschlag pro Liter Benzin oder Diesel.

Hintergrund zur Recherche Datenjournalisten des Südwestrundfunks (SWR) haben den SWR-Tank-Monitor ins Leben gerufen. Beobachtet wird, wie sich die Preise an den 14.000 Tankstellen in Deutschland entwickeln. SWRdata bezieht die Daten über den bei der Markttransparenzstelle zugelassenen Verbraucherinformationsdienst 123tanken. In die Berechnung fließen alle Preisänderungen der aktiven und gemeldeten Tankstellen ein. Das Datenteam des MDR hat die Zahlen für Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachsen ausgewertet.

Mehr zum Thema: Tankrabatt und Spritpreise

MDR (Manuel Mohr)

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Umschau | 06. September 2022 | 20:15 Uhr

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