Ukraine-Krieg Mitteldeutsche Länder bereiten sich auf Hilfe für Geflüchtete vor

Der Krieg in der Heimat zwingt viele Menschen aus der Ukraine zur Flucht. Per Bus, Bahn oder mit privater Hilfe gelangen die Flüchtende in die mitteldeutschen Länder. Die Landesregierungen haben Vorkehrungen getroffen, um den Menschen möglichst zeitnah Hilfe bieten zu können. Doch vor allem private Initiativen, Vereine und Organisationen sorgen für ein breites Hilfsangebot.

Ukrainische Flagge
Dass sich die menschen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thringen solidarisch mit der Ukraine zeigen, war in der vergangenen Woche vor allem an den vielen Friedensdemonstrationen sichtbar. Inzwischen kümmern sich viele private Initiativen und Hilfsorganisationen, um das Leid der Geflüchteten aus der Ukraine zu mindern. Und auch die Landesregierungen bereiten sich vor. Bildrechte: imago images/imagebroker

In Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen laufen die Vorbereitungen, um mehr Geflüchtete aus der Ukraine aufnehmen und versorgen zu können. Nach Angaben der Behörden sind bislang mehr als 1.000 Ukrainerinnen und Ukrainer in den mitteldeutschen Ländern angekommen. Aufgrund seiner Nähe zu Polen hat insbesondere das Land Sachsen einen Großteil der Geflüchteten aufgenommen. In den nächsten Tagen werden im Freistaat noch deutlich mehr Menschen erwartet.

Ukraine-Ausschuss und Wohnungssuche in Sachsen

"Es ist nicht nur ein Gebot der Humanität, sondern auch der europäischen Solidarität, dass wir Menschen aufnehmen", sagte Sachsens Innenminister Roland Wöller (CDU) bereits am Dienstag nach einer Kabinettssitzung. 2.000 Plätze in Erstaufnahmeeinrichtungen stünden derzeit zur Verfügung. Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hatte dabei allerdings betont, dass die Betroffenen möglichst schnell in Städten und Dörfern untergebracht werden sollen. Dafür würden auf kommunaler Ebene derzeit Wohnungen gesucht. Zu Beginn der Woche wurde in Sachsen außerdem ein Ukraine-Ausschuss gebildet, um Hilfen koordinieren zu können. Ihm gehören neben der Staatskanzlei mehrere Ministerien, kommunale Spitzenverbände und die Landesdirektion an.

Nach Angaben des Innenministeriums waren bis Donnerstag 409 Menschen aus der Ukraine in Erstaufnahmeeinrichtungen untergebracht. Allerdings ist unklar, ob sich noch weitere Geflüchtete in Sachsen aufhalten. So schreibt beispielsweise der Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge in einer Mitteilung: "Sind Menschen aus der Ukraine bereits im Landkreis privat unterkommen, bittet das Landratsamt um eine Meldung mit Namen, Vornamen, Geburtsdatum, derzeitiger Anschrift und wenn möglich einer digitalen Passkopie".

Sachsen-Anhalt geht von mehr Geflüchteten aus

Dass die Zahl der geflüchteten Ukrainerinnen und Ukrainer im Land höher sein könnte als bislang angenommen, hält auch Sachsen-Anhalts Innenministerin Tamara Zieschang (CDU) für wahrscheinlich. Sie bat Ankömmlinge aus der Ukraine, sich bei den Ausländerbehörden zu melden. So sollten sie erfasst, gezielt informiert und beraten werden. Das Land meldete am Donnerstag 100 registrierte Geflüchtete aus der Ukraine. Derzeit gebe es aber keinen vollständigen Überblick, wie viele Kriegsflüchtlinge bereits in Sachsen-Anhalt sind.

Auf kommunaler Ebene sind die Vorbereitung zu Unterbringung Geflüchteter bereits in vollem Gange. Neben einem Zwischenquartier in Halberstadt im Landkreis Harz, das Schutzsuchenden übergangsweise zur Verfügung stehen soll, haben mehrere private Wohnungseigentümer und Wohnungsgenossenschaften ihre Hilfsbereitschaft signalisiert. Das Land hat zudem einen Frage- und Antworten-Katalog für ukrainische Staatsangehörige zusammengestellt – unter anderem mit Informationen zur Unterbringung, finanziellen Unterstützung, Anmeldung bei Behörden oder Hilfsangeboten wie freiem Wohnraum für Kriegsflüchtlinge.

Thüringen mit großem Hilfsangebot

In Thüringen sind bisher verhältnismäßig wenige Geflüchtete aus der Ukraine angekommen. Die Zahl bewegt sich im untere zweistelligen Bereich. Für den Freitag werden allerdings 100 Geflüchtete aus Berlin kommend in Thüringen erwartet. Diese werden zwar in der Erstaufnahmestelle aufgenommen, sollen jedoch schnell auf die Landkreise weiterverteilt werden. Insgesamt schätzt das Thüringer Migrationsministerium, dass im Freistaat etwa 3.000 Menschen durch offizielle Stellen untergebracht werden können.

Die Bereitschaft der Thüringer, Hilfe zu leisten, scheint groß zu sein. Aus fast allen Landkreisen sind dem MDR private oder ehrenamtliche Initiativen bekannt, die Spenden sammeln, Hilfstransporte organisieren oder Wohnraum anbieten. Mehrere Kommunen haben zur Koordination der Hilfsangebote Hotlines oder Mailadressen eingerichtet. In Weimar gibt es dafür zusätzlich einen Krisenstab. Der Digitale Runde Tisch der Stadt Eisfeld im Landkreis Hildburghausen hat eine Hilfsaktion gestartet und sammelt Spenden für Medikamente und Lebensmittel. In Jena ist am Freitag ein Benefizkonzert der Philharmonie geplant, das bereits ausverkauft ist.

Mehr als eine Million Menschen geflüchtet

Insgesamt haben nach UN-Angaben bislang 1,25 Millionen Ukrainer ihre Heimat verlassen. Die meisten von ihnen sind in Polen untergekommen. Die Zahl der ukrainischen Flüchtlinge in Deutschland hat sich binnen eines Tages verdoppelt. Das Bundesinnenministerium teilte mit, dass bis zum Freitagmittag mehr als 18.000 Menschen registriert worden seien. Es handele sich überwiegend um Frauen und Kinder. Die tatsächliche Zahl der Geflüchteten dürfte deutlich höher liegen, da die Bundespolizei an den Grenzen nur vereinzelte Kontrollen durchführt. Besonders viele Kriegsflüchtlinge treffen in Berlin ein. Dort wurden im Laufe des Tages bis zu 10.000 weitere Menschen erwartet.

MDR (kp)

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR AKTUELL | 03. März 2022 | 19:30 Uhr

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