Im dritten Versuch Vonovia schluckt Deutsche Wohnen

Der erfolgreiche Volksentscheid zur Enteignung großer Immobilienkonzerne wird gerade noch von den Initiatorinnen und Initiatoren gefeiert und von Gegnerinnen und Gegnern kontrovers diskutiert – da sichert sich der Wohnungskonzern Vonovia die Mehrheit der Stimmrechte beim Konkurrenten Deutsche Wohnen. Beide Konzerne stehen in der Kritik.

Wohnhäuser im Dresdner Stadtteil Prohlis
Der Immobilienkonzern Vonovia übernimmt Deutsche Wohnen. Bildrechte: dpa

Vonovia hat sich nach eigenen Angaben mittlerweile die Mehrheit der Stimmrechte seines Konkurrenten Deutsche Wohnen, rund 50,5 Prozent, gesichert. Damit ist die größte Übernahme am deutschen Immobilienmarkt in trockenen Tüchern. Zweimal war Vonovia in der Vergangenheit an dem Vorhaben gescheitert, weil ihr nicht genügend Deutsche-Wohnen-Aktien angeboten worden waren. Zuletzt hatte Vonovia die Mindestannahmeschwelle von 50 Prozent fallen lassen.

Deutsche Wohnen ist der größte Berliner Vermieter und steht dort massiv in der Kritik. Die Berliner sprachen sich am Sonntag in einem Volksentscheid für eine Vergesellschaftung von Wohnungen großer Konzerne aus, rechtlich bindend ist dieses Votum allerdings nicht. Und auch Vonovia steht in der Kritik. Der Großvermieter soll falsche Nebenkostenabrechnungen erstellen. In vielen Städten Deutschlands werden Mieter aktiv, um sich dagegen zu wehren.

Schwedischer Wohnungskonzern Heimstaden kauft 14.000 Wohnungen in Berlin

Gleichermaßen unbeeindruckt vom Volksentscheid zur Enteignung großer Wohnungsunternehmen in Berlin kauft der schwedische Immobilienkonzern Heimstaden rund 14.000 Wohnungen in der Hauptstadt. Verkäufer ist der ebenfalls schwedische Konzern Akelius. Heimstaden teilte noch am Sonntagabend mit, es erwerbe von Akelius 17.600 Wohnungen in Berlin und Hamburg. Insgesamt wechseln knapp 28.800 Wohnungen in Deutschland und Schweden den Eigentümer. Heimstaden zahlt dafür insgesamt 9,1 Milliarden Euro, für die 17.600 Wohnungen in Berlin und Hamburg nannte das Unternehmen allerdings keine Preise.

Nach Angaben von Akelius befinden sich 14.050 in der Hauptstadt und knapp 3.600 in der Hansestadt. Der Kaufvertrag sei unterzeichnet, der Abschluss des Geschäfts sei vorbehaltlich der Zustimmung der Kartellbehörden noch für Ende dieses Jahres geplant, erklärt Heimstaden. In Deutschland besitzt das Unternehmen mit Sitz in Malmö bereits rund 7.300 Wohnungen in Berlin, Halle, Magdeburg und Rostock.

Forderung in Berlin: Deutsche Wohnen & Co. enteignen

Das Timing dieser beiden Meldungen ist bemerkenswert. Denn: Berlinerinnen und Berliner wollen große Wohnungskonzerne enteignen. Das steht nach dem erfolgreichen Volksentscheid in der Hauptstadt seit Montag fest. Die künftige Landesregierung muss nun schauen, ob dieses Vorhaben verfassungsrechtlich umsetzbar ist.

Die großen Unternehmen fürchten eine Hängepartie – und die Initiatoren der Abstimmung wollen darum kämpfen, ihre Forderungen durchzusetzen. Die Forderung ist klar: Der Berliner Senat soll ein Gesetz erarbeiten, um große Wohnungskonzerne mit mehr als 3.000 Wohnungen in Berlin zu enteignen und zu vergesellschaften.

Davon betroffen wären circa 15 Prozent der Mietwohnungen in der Hauptstadt. Der Volksentscheid ist für den Senat allerdings rechtlich nicht bindend. Die Initiative, die den Volksentscheid einbrachte, will deshalb die anstehenden Koalitionsverhandlungen intensiv begleiten. Eine Missachtung des Volksentscheids wäre ein politischer Skandal, sagte Joanna Kusiak, eine Sprecherin der Initiative.

Quelle: dpa/MDR FAKT/MDR AKTUELL

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | MDR AKTUELL RADIO | 27. September 2021 | 13:30 Uhr

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