Lieferprobleme Wie Chinas Null-Covid-Politik die ostdeutsche Industrie beeinträchtigt

Ralf Geißler, Wirtschaftsredakteur
Bildrechte: MDR/Isabel Theis

China hat noch immer eine Null-Covid-Strategie: Wo das Virus auftaucht, werden ganze Städte und Betriebe in den Lockdown geschickt und geschlossen. Das führt zu Problemen in den Lieferketten, die sich auch im ostdeutschen Maschinenbau bemerkbar machen.

Ein Mitarbeiter geht hinter einer nahezu fertig montierten Tunnelbohrmaschine der Firma Herrenknecht entlang.
Teilweise mussten Maschinenbauunternehmen ihre Produktion komplett einstellen. Bildrechte: dpa

Bild zeigt André Klimm, Geschäftsführer bei Laempe Mössner in Barleben.
André Klimm, Geschäftsführer bei Laempe Mössner in Barleben. Bildrechte: MDR/Ralf Geißler

Bei Laempe Mössner in Barleben werden Spezialmaschinen für Gießereien gebaut. Die sogenannten Kernschießmaschinen machen es möglich, Metalle mit Hohlräumen zu gießen. Aufträge sind da. Doch es gebe ein Problem, sagt Geschäftsführer André Klimm. Bestimmte Bauteile chinesischer Herkunft seien kaum zu bekommen: "Wir haben aktuell bei Elektronikkomponenten oder Steuerungskomponenten eine Lieferzeit von 12 bis 15 Monaten. Wir bekommen teilweise gar keine Angebote oder Lieferzeiten mehr genannt, weil die Lieferanten, auch große namhafte Lieferanten keine Termine mehr abgeben", erzählt Klimm.

In ihrer Not suchen Klimms Mitarbeiter inzwischen sogar bei Ebay nach Teilen. Sie kontaktieren Insolvenzverwalter. Vielleicht ist ja bei einer Firmenpleite etwas übrig geblieben.

Millionenstädte in China im Lockdown

Das Kernproblem: China produziert nur begrenzt, weil es noch immer bei jedem Corona-Ausbruch Millionenstädte in den Lockdown schickt. Die Werkbank der Welt lässt warten. Das spürt auch Thomas Mack, Chef des Thüringer Sondermaschinenbauers Ruhlamat: "Ganz klar, wir müssen Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken. Wir haben zwar Aufträge, aber wir können zum Teil die Mitarbeiter nicht arbeiten lassen, weil uns die Zukaufkomponenten fehlen. In welchem Ausmaß kann ich ihnen keinen Prozentwert sagen, aber das kann durchaus ganze Abteilungen mal für einige Wochen komplett betreffen."

Der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer hat eine Umfrage unter Firmen mit China-Geschäft gemacht. Das Ergebnis sei ernüchternd, sagt Abteilungsleiter Ulrich Ackermann: 92 Prozent hätten gesagt, dass sie von der Corona-Situation in China negativ betroffen seien. "Das heißt, es sind keinerlei Reisen für Service und Verkauf im Land möglich. Es gibt riesige Transportprobleme, weil die Lkws nicht mehr fahren. Die Lieferketten funktionieren nicht mehr. Ungefähr die Hälfte unserer Mitglieder, die geantwortet haben, musste sogar ihre Produktion einstellen und das teilweise schon über mehrere Wochen", sagt Ackermann.

Weitere Lieferengpässe absehbar

Am Hafen von Shanghai ging nämlich wochenlang fast nichts raus oder rein. Dabei ist er der größte Containerhafen der Welt. Jedes fünfte Gut, das China nach Deutschland verlässt, wird dort verschifft. Zwar wurde der Lockdown in Shanghai inzwischen gelockert, doch für Erleichterung sei es zu früh, sagt Vincent Stamer vom Institut für Weltwirtschaft in Kiel: "Das Schlimmste kommt erst noch. Wir beobachten seit einigen Jahren Containerschiff-Staus und Verwerfungen in den Lieferketten. Die Problematik in Shanghai kommt jetzt erst, weil die Containerschiffe 30 bis 40 Tage nach Hamburg brauchen. Dann müssen die Güter noch weiter transportiert werden. Jetzt Ende Mai fangen wir erst an, die Lieferengpässe zu spüren, die durch den Lockdown in Shanghai verursacht werden."

Derweil schickt Chinas Regierung die nächsten Metropolen in den Lockdown. Deutschen Firmen fehlen dadurch nicht nur Einzelteile. Sie können auch nur noch schwer an China verkaufen. Bei Laempe Mössner spiele das China-Geschäft deshalb eine immer kleinere Rolle, sagt Geschäftsführer Klimm. Von einst mehr als 20 Prozent Umsatz mit dem Land seien nur noch 5 bis 10 Prozent übrig.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 24. Mai 2022 | 06:00 Uhr

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